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Krankenhaus Werdohl „Insel der Glückseligkeit“

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Von: Volker Heyn

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Dr. Thorsten Kehe, Geschäftsführer der Märkischen Kliniken und damit auch Chef der Stadtklinik Werdohl, konfrontierte den CDU-Bundestagsabgeordneten Paul Ziemiak (links) und den CDU-Landtagsabgeordneten Thorsten Schick mit apokalyptischen Problemen im Krankenhauswesen.
Dr. Thorsten Kehe, Geschäftsführer der Märkischen Kliniken und damit auch Chef der Stadtklinik Werdohl, konfrontierte den CDU-Bundestagsabgeordneten Paul Ziemiak (links) und den CDU-Landtagsabgeordneten Thorsten Schick mit apokalyptischen Problemen im Krankenhauswesen. © Volker Heyn

In erster Linie waren die CDU-Abgeordneten von Bund (Paul Ziemiak) und Land (Thorsten Schick) in die Stadtklinik Werdohl gekommen, um die gute Nachricht des positiven Zuwendungsbescheids aus dem Krankenhausgestaltungsgesetz und der NRW-Corona-Soforthilfe persönlich zu überbringen. Ziemiak und Schick stießen in Werdohl auf den Geschäftsführer der Märkischen Kliniken, Dr. Thorsten Kehe, die Verwaltungsleiterin Christine Lehnert und den Aufsichtsratsvorsitzenden Detlef Seidel, der nicht unzufällig auch CDU-Stadtverbandsvorsitzender ist.

Werdohl - Politische Wohlfühlatmosphäre herrschte Mittwochvormittag dennoch nicht. Zu apokalyptisch war das Bild, das Thorsten Kehe den Berufspolitikern ausmalte. Die Werdohler Stadtklinik sei da noch die „Insel der Glückseligkeit“, so Kehe bei einer ersten Vorstellung. Aus der Geriatrie im Werdohler Krankenhaus werde Corona herausgehalten, alle Covid-Erkrankten würden im Klinikum Hellersen behandelt. Werdohl entlaste das Lüdenscheider Krankenhaus. Auch die Bilanz stimme noch in Werdohl. Das erste Corona-Jahr 2020 schlossen die Lüdenscheider Kliniken mit einem Minus von sechseinhalb Millionen Euro ab, in Werdohl erzielte man immerhin noch ein kleines Plus. Die Stadtklinik werde vom bisherigen System mit drei Chefärzten strategisch neu auf eines mit einem leitenden Oberarzt umgestellt.

Ansonsten hörten die CDU-Politiker einen lauten Hilferuf des wichtigsten Klinik-Verantwortlichen im Märkischen Kreis. Ziemiak sagte, dass die CDU sich für die Versorgung im ländlichen Raum einsetzen wolle und fragte nach der Auskömmlichkeit der Fallpauschalen.

Kehe entgegnete, dass sich die Krankenhausfinanzierung ausschließlich auf den stationären Bereich konzentriert habe und Investitionen und Personalgewinnung nicht berücksichtigt seien. Der Krankenhaus-Manager fand alarmierende Worte: „In Zukunft fehlen dreistellige Millionen-Summen für Investitionen. Die Substanz ist aufgebraucht. Das Personal ist nach zwei Jahren Pandemie krank und erschöpft. Wir sind kurz vor dem Kollaps.“ Obwohl große Häuser wie das Klinikum Lüdenscheid das Rückgrat der Versorgung schwerkranker Covid-Patienten darstellten, seien diese finanziell „ziemlich gerupft“ worden.

150 Betten in Lüdenscheid können nicht mehr betreut werden

150 Betten seien bereits in Lüdenscheid vom Netz genommen worden, weil sie nicht mehr betrieben werden könnten. Es gebe nicht mehr genügend Personal. Kehe: „Nächste Woche werden wir noch mehr Betten schließen.“ Es gebe kaum noch zeitgerechte Operationen, Krebs-Patienten würden nicht mehr angemessen versorgt. Der Personalmangel sei katastrophal. Kehe forderte zudem eine Struktur-Veränderung der Krankenhaus-Finanzierung: „Das System funktioniert im Moment nur mit Druck und Gegendruck, Es werden Unsummen für Verfahren, Gutachter und Anwälte ausgegeben.“

Thorsten Schick hielt dieser Problematik die Linie der Landesregierung entgegen, die Krankenhausplanung zu optimieren. Der Prozess laufe an und sei nicht „über Nacht“ zu schaffen, sei aber durch Corona zurückgeworfen worden. Schick: „Über Jahre ist in NRW keine aktive Krankenhausplanung betrieben worden, man hat es nur wirtschaftlichen Prozessen überlassen.“ Zukünftig wolle man sich an Qualität orientieren.

Hier stimmte Kehe zu. Er halte den Ansatz für richtig, „auf Qualität zu gehen anstelle auf Betten“. Die Kliniken arbeiteten jetzt schon nach Strukturmerkmalen.

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