Kraftwerks-Erweiterung noch in der Schwebe

Aus der Luft betrachtet: das Wärmekraftwerk in Elverlingsen. ▪ Mark E

WERDOHL ▪ Die laufende Diskussion über die Zukunft der Atomkraft in Deutschland wirkt sich auf die Pläne für das Wärmekraftwerk in Elverlingsen aus. Nach der zwischenzeitlich von der Bundesregierung beschlossenen Laufzeitverlängerung von Atomkraftwerken war die Erweiterung des Werdohler Standortes zwar vom Tisch, durch das Moratorium und einer möglichen Rücknahme der vorherigen Beschlüsse wird das Thema beim Betreiber Mark E aber wieder in den Blick genommen. Doch: „Im Moment können wir nicht einschätzen, wohin die Reise geht“, erklärt Sprecher Andreas Köster. „Alles ist in der Schwebe.“

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die nach einer neuen Gesetzgebung von dem Energiebetreiber durchgerechnet werden. So ist noch nicht darüber entschieden, ob ein neuer Kraftwerksblock mit Kohle oder Gas befeuert wird. „Gas kann eine echte Option sein“, hält der Pressereferent die Entscheidung offen. Kohle hätte nun einmal den Nachteil, dass mehr CO 2 in die Atmosphäre gelange.

Womit auch der Kohleblock E 3 ins Spiel kommt. Dieser wurde im Jahr 1971, also vor vier Jahrzehnten, in Betrieb genommen. Ob der mit einer Leitung von netto 186 Megawatt kleinere der Kohleblöcke – E4 liegt seit der Modernisierung in den Jahren 2006/07 bei einer Leitung von 310 Megawatt – ebenfalls eine Revision erfährt, ist eine weitere Überlegung. Dies wäre mit einer hohen Millioneninvestition verbunden. „Wenn, dann würde er optimiert und dann auf den neuesten technisch machbaren Stand gebracht“, sieht Köster beim Umweltgedanken Verbesserungsmöglichkeiten.

Beim zweiten Kohleblock ist hingegen erst einmal nichts zu tun: Nachdem für die Modernisierung von E4 rund 35 Millionen Euro ausgegeben wurde, soll dieser Block erst einmal mindestens zwölf Jahre weiterlaufen.

Über allen Plänen steht die Wirtschaftlichkeit des Kraftwerk-Betriebes. Für eine Erweiterung um einen Block in Elverlingsen sah Mark E diese zwischenzeitlich nicht. Köster: „Die Laufzeitverlängerung haben wir stark kritisiert.“ Die Erweiterungspläne seien daher danach auf Eis gelegt worden. Vielleicht könne eine Erweiterung künftig wieder wirtschaftlich sinnvoll und machbar sein.

Erst einmal müssten aber die Ergebnisse der Diskussionen auf Bundesebene abgewartet werden. Der Mark E-Sprecher rechnet mit einer eventuellen neuen Gesetzgebung im Juni oder Juli. „Nach dem Moratorium kann man nicht mehr zaudern.“

Bis dahin gilt für die Punkte Erweiterung und Modernisierung: abwarten. „Wir holen die Pläne noch nicht aus der Schublade.“ Schließlich liege derzeit keine Grundlage für die Wirtschaftlichkeitsberechnung vor. „Wir reden schließlich über Millioneninvestitionen.“ Im Moment befinde sich das Unternehmen in der Warteschleife.

Und so können die letzten verbliebenen Bewohner der Siedlung in Elverlingsen, wo die Fläche für die Erweiterung liegt, auch abwarten. Köster: „Bis Herbst 2011 muss nicht jeder ausgezogen sein.“ Denn: „Wir werden sicher nicht in diesem Jahr anfangen, die Bagger anrollen zu lassen.“ Es gebe außerdem klare Vereinbarungen mit Mietern. Köster glaubt, dass diese sukzessive ausziehen werden. Zeitdruck gebe es aber nicht. ▪ Marco Fraune

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