Situation bei Enervie

Kraftwerker in Sorge: „Jüngere gehen wohl...“

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70 Kraftwerker sind in Elverlingsen im Drei-Schicht-Betrieb damit beschäftigt, den Kohleblock und die Klärschlammverbrennung zu fahren. 130 weitere Mitarbeiter sind in Elverlingsen mit der Instandhaltung und der Logistik der Anlage beschäftigt. Wie viele Mitarbeiter nach der Stilllegung des Kohleblocks noch gebraucht werden, weiß im Moment niemand.

Werdohl - Der Mittwoch war ein richtig schlechter Tag für die Beschäftigten der Enervie, speziell für die rund 200 Kraftwerker am Standort Elverlingsen. Die seit dem Wochenende umgehende Angst ist jetzt bestätigt worden.

Der Kohleblock des Kraftwerks wird nach 103 Jahren Laufzeit noch in diesem Jahr stillgelegt, es werden ganz sicher Leute entlassen, viele werden eine andere Arbeit bekommen.

Für den Betriebsratsvorsitzenden Ludger König und seine Stellvertreter Oliver Weinberg und Uwe Storm begann der Tag mit der Fahrt nach Hagen-Haßley. „Die große Fahrzeughalle war voll, bestimmt waren so zwischen 800 und 900 Kolleginnen und Kollegen gekommen“, beschreibt König die Situation. Der Enervie-Vorstand hatte tags zuvor den Aufsichtsrat über die neueste Entwicklung im Unternehmen informiert. Kurz zusammengefasst: Für zwei Millionen Euro lassen sich Kabel legen und eine Trafostation bauen, mit der genügend Strom von außen in den westfälischen Wirtschaftsraum eingespeist werden kann.

Für die Firmen in der Region ist das eine gute Nachricht, weil dann keine erhöhten Netzentgelte zu zahlen sind. Für die Mitarbeiter ist das eine sehr schlechte Nachricht, denn das bedeutet auch, dass die drei Kraftwerke in Elverlingsen, in Herdecke und in Hagen-Kabel nur noch ein knappes Jahr benötigt werden. Gestern hörten sie, dass bis zu 330 Leute gehen müssen. Betriebsbedingte Kündigungen seien zu befürchten.

Nach der Rede vom Vorstand sei die Menge stark beunruhigt gewesen, berichtet Ludger König. Danach sprach der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Thomas Majewski, anschließend trat auch Ludger König ans Mikrofon. Dem Betriebsrat laufe die Zeit weg, so König. Bis vor einer Woche habe man gedacht, bis zur Stilllegung dauere es noch fünf oder sechs Jahre. Jetzt sei die Katastrophe für die Beschäftigten schon bis Ende des Jahres absehbar.

König: „Wir hoffen, so viele wie möglich in Lohn und Brot zu halten.“ Der vom Unternehmen angekündigte Sozialplan treffe natürlich diejenigen, die noch nicht allzu lange bei Enervie beschäftigt sind.

Zum Sozialplan gab es dann auch Fragen von den Mitarbeitern. Einer, der erst zehn Jahre bei der Enervie ist, mache sich natürlich viel mehr Sorgen als einer, der schon 30 Jahre dabei ist. „Die Jüngeren können wohl gehen“, habe einer gemeint. Ein Ziel der Betriebsratsarbeit müsse laut König „Insourcing“ sein. Viele Fremdfirmen arbeiteten für die Enervie. König: „Das müssen wir alles zurückholen und mit eigenen Leuten besetzen.“

In Elverlingsen wird nur der Kohleblock E4 stillgelegt, die WFA (in der Wirbelschichtfeuerungsanlage wird Klärschlamm verbrannt) soll weiterbetrieben werden. Geschlossen werden sollen die beiden Gasturbinen in Herdecke und Hagen-Kabel, wobei die Biomasseverstromungsanlage (BVA) in Kabel weiterlaufen soll. Auch hier werde noch Personal gebraucht. Nicht betroffen ist das Pumpspeicherkraftwerk in Rönkhausen. Erst zum Januar waren die Schichten der drei Kraftwerksstandorte zusammengelegt worden, um sich personell untereinander aushelfen zu können. „Das macht jetzt eigentlich keinen Sinn mehr“, so König.

Nach der Betriebsversammlung in Hagen fuhr König die drei Standorte ab. Zuerst ging es nach Elverlingsen, um dort mit den Schichtführern und dem Betriebsleiter zu sprechen. Für den Betriebsrat beginne jetzt der Kampf um jeden einzelnen Beschäftigten, so König: „Betriebsbedingte Kündigungen sind für uns das Allerschlimmste.“

Von Volker Heyn

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