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Zurück zur grünen Wiese: Kraftwerk Elverlingsen wird ausgeschlachtet 

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Von: Volker Heyn

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In den höher gelegenen Anlagengebäuden der ehemaligen Rauchgasentschwefelung und der Entstickung haben Sattler und Winkelmann begonnen, Motoren, Maschinen und Aggregate auszubauen und zu verkaufen. Derzeit sind ägyptische Geschäftsleute mit dem Abtransport beschäftigt.
In den höher gelegenen Anlagengebäuden der ehemaligen Rauchgasentschwefelung und der Entstickung haben Sattler und Winkelmann begonnen, Motoren, Maschinen und Aggregate auszubauen und zu verkaufen. Derzeit sind ägyptische Geschäftsleute mit dem Abtransport beschäftigt. © Volker Heyn

Investor Christoph Sattler hat nach dem Kauf des ehemaligen Kohlekraftwerks Elverlingsen von der Mark-E nicht lange gefackelt: Mit zwanzig Mitarbeitern und seinem Bauleiter Holger Winkelmann hat er bereits das ehemalige Gebäude der Kegelbahn bezogen und mit dem Ausschlachten der Anlagen begonnen.

Werdohl – Der 62-jährige Mann aus Senden-Bösensell betreibt seit Jahrzehnten ein Geschäft mit Industrieversteigerungen. Er kauft Nachlässe großer Unternehmen auf und versteigert und veräußert alles, was für irgendjemanden noch einen Wert hat. So war er zum Energieversorger Eon gekommen, der seine Kohle-sparte auflöst. Aus dem Facility Management sollte er Fahrzeuge, Maschinen, Werkstätten und Büroausstattungen versteigern.

Das Geschäft funktioniert so: Der Erlös aus den Verkäufen geht an den Auftraggeber, Sattler bekommt eine Provision. Es gab weitere Aufträge von Eon beziehungsweise von Eon-Tochter Uniper, bis er gefragt worden sei, ob er nicht das ehemalige Kraftwerk Veltheim in Porta-Westfalica kaufen, verwerten und abreißen wolle. Über diese Kontakte kam er auch an das frühere Kohlekraftwerk Elberfeld und letztlich an das aufgegebene Kraftwerk in Elverlingsen.

Bereits 2016 habe er eine Anfrage von Mark-E bekommen, ob er dort nicht mehr gebrauchte Gerätschaften wie Motoren und das Ersatzteillager versteigern könne. Weil er da schon eine sehr zufriedenstellende Arbeit geleistet habe, so Sattler, habe er sich um den Kauf des ganzen Kraftwerks bemüht und es auch Ende 2022 erhalten.

In allen Anlagen des ehemaligen Kohlekraftwerks gibt es aus Sicherheitsgründen keinen Strom. Christoph Sattler leuchtet mit der Taschenlampe.
In allen Anlagen des ehemaligen Kohlekraftwerks gibt es aus Sicherheitsgründen keinen Strom. Christoph Sattler leuchtet mit der Taschenlampe. © Volker Heyn

Sattler pflege ein „exzellentes Verhältnis“ zur Mark-E, in Elverlingsen sei er „umgeben von Freunden.“ Er bekomme jede Unterstützung von Mark-E, aber auch von der Werdohler Verwaltung und den übergeordneten Behörden. Im Dezember wurde das Baubüro im ehemaligen Kegelbahngebäude eingerichtet, die ersten Maschinen sind schon herausgeholt und verkauft. Begonnen wird mit den höher gelegenen Gebäuden der Rauchgasentschwefelung (Rea) und der Entstickung (Denox). Dort wurde aus den früheren Emissionen Gips gewonnen.

Verkaufen gehe ihm vor Verschrotten, so Sattler, das sei sein Verständnis von Nachhaltigkeit. Was noch funktioniert, soll wieder in den Kreislauf. Auf der in drei Jahren frei geräumten Fläche solle dann auch ein nachhaltiges, grünes Gewerbegebiet entstehen.

Sattler hat für Rückbau und Abbruch die Entwicklungsgesellschaft Kohlekraftwerk Werdohl mbH, die EKKW, gegründet. Diese Gesellschaft hat die 200.000 Quadratmeter samt Kraftwerk von der Mark-E gekauft. Allein 60.000 Quadratmeter groß ist der ehemalige Kohlelagerplatz. Mit vielleicht 20.000 Quadratmetern sei die ehemalige Siedlungsfläche der kleinere Teil des Geländes. Alles andere ist mit Gebäuden bebaut.

In einem ersten Schritt ist das gesamte Gelände stromlos gemacht worden, Energie kommt aus einem eigenen Generator. Videoüberwachung und Wachleute kontrollieren das Gelände Tag und Nacht.

Das Kraftwerk ist vor mehr als 100 Jahren auf einer grünen Wiese an der Lenne gebaut worden, ich will wieder eine wirklich grüne Wiese hinterlassen.

Christoph Sattler, Investor

Für fast alle Innereien aus den Kraftwerksgebäuden gebe es zumeist ausländische Interessenten. Im Augenblick sind Ägypter in Elverlingsen, Sattler erwartet die Tage einen langjährigen Geschäftspartner aus Südafrika. Selbst für die groben Kohlebrecher gebe es Interessenten. Es gebe sogar auch Menschen, die sich für komplett verbaute Stahlträger interessierten. Die aus der Rauchgasentschwefelungsanlage seien schließlich erst 30 Jahre alt.

Ist alles ausgebaut, verkauft und abtransportiert, geht es ans Entkernen. Nicht verwertbare Reste und Verkleidungen müssen von Hand herausgeholt und entsorgt werden. Mit der Entsorgung werde ein Fachunternehmen beauftragt. Zu guter Letzt steht der Abbruch der Betonhüllen an. Die beiden Schornsteine werden definitiv gesprengt, vermutlich auch das 105 Meter hohe Maschinenhaus.

Den Betonabbruch macht Sattler nicht selbst, der Auftrag sei an das große Abbruch- und Entsorgungsunternehmen Peter Kolb aus Aschaffenburg gegangen. Kolb habe sogar Großbagger, die bis zu 100 Meter hohe Gebäude vom Boden aus abreißen können.

Ein Großteil des Abbruchmaterials werde im Boden des zukünftigen Gewerbegebiets verbaut. Das entspreche dem Gedanken von Nachhaltigkeit. Garantiert sei, dass es keine Bodenkontamination gebe. Das Kraftwerk sei vor mehr als 100 Jahren auf einer grünen Wiese an der Lenne gebaut worden, Sattler will deshalb auch wieder eine „wirklich grüne Wiese“ hinterlassen.

Weitere Kohlekraftwerke will Sattler nicht kaufen. Er und sein Kompagnon sind Anfang 60: Elverlingsen sei „Lieblingsobjekt“ und „letzte große Herausforderung“.

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