Kraftwerk: Enervie will Block stilllegen

Ein Block des Kraftwerks in Elverlingsen soll 2014 stillgelegt werden.

WERDOHL ▪ Die Enervie-Gruppe mit Sitz in Hagen plant, ihren steinkohlebefeuerten Block E3 im Kraftwerk Elverlingsen im Frühjahr 2014 stillzulegen. Das Kraftwerk wird vom Enervie-Tochterunternehmen Mark-E betrieben.

„Gründe für die Stilllegung sind das Überschreiten der technischen Lebensdauer sowie die mangelnden wirtschaftlichen Perspektiven der Anlage vor dem Hintergrund der Herausforderungen der Energiewende“, so Ivo Grünhagen, Sprecher des Enervie-Vorstands. Der vom Vorstand gefasste Beschluss stehe noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung des Aufsichtsrats, der am 20. August das Thema beraten werde.

1971 als damals größte Erzeugungseinheit der Mark-E mit einer Leistung von 186 Megawatt in Betrieb genommen, habe der Block E3 mittlerweile fast 200 000 Betriebsstunden erreicht und somit die damals übliche technische Auslegungslebensdauer von 100 000 Betriebsstunden deutlich überschritten. Zudem habe die Energiewende den Markt in rasantem Tempo verändert. „Insbesondere die massiv gestiegene und weiter wachsende Einspeisung von Strom aus regenerativen Anlagen hat in der Branche die Einsatzzeiten vor allem der Kraftwerke auf der Basis von Erdgas und Steinkohle deutlich sinken lassen. Gleichzeitig fallen die Großhandelspreise für die geleistete elektrische Arbeit. Dies macht die wirtschaftlichen Konsequenzen in Form der Stilllegung des Blockes notwendig“, betont Grünhagen.

Obwohl im Zuge der Energiewende auch die Gefahr von Versorgungslücken ein Thema ist, seien Gas- und Kohlekraftwerke derzeit schlecht am Markt zu positionieren, erklärt Enervie-Pressesprecher Andreas Köster auf Nachfrage. „Der Neubau von Kohle- oder Gaskraftwerken lohnt sich derzeit nicht. Zumal dabei dreistellige Millionenbeträge investiert werden müssen.“ Bezüglich etwaiger Versorgungslücken, die bei der Nutzung von Wind- und Sonnenenergie enstehen könnten, müsse es deshalb aus Sicht der Energieversorger zu Veränderungen des Systems kommen. Köster: „Die Frage ist, ob das Vorhalten von Kraftwerken künftig nicht wirtschaftlich belohnt werden sollte.“ Ensprechende Modelle würden auf politischer Ebene diskutiert. Deshalb könne Enervie momentan auch nicht entscheiden, ob der veraltete Block eventuell durch moderne Technik ersetzt wird. Köster betonte aber, dass Elverlingsen auch nach der Stilllegung des Blockes noch ein bedeutender Standort für Enervie sei.

Für die Mitarbeiter des Blockes E3 würden Angebote entwickelt, beziehungsweise im Rahmen von internen Umstrukturierungen ab 2014 neue Aufgaben gefunden.

Derzeit erziele der Block noch einen bedeutenden Deckungsbeitrag. „Ein längerer Weiterbetrieb als vorgesehen würde allerdings Instandhaltungs- und Revisions-Aufwendungen in Höhe von rund 20 Millionen Euro erforderlich machen. Dies ist aus wirtschaftlichen Gründen nicht vertretbar“, teilt der Enervie-Vorstand mit. Daher solle der Block E3 nach 43 Jahren Betriebsdauer seine letzte Kilowattstunde Strom erzeugen.

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