Betriebsrat rechnet mit dem Allerschlimmsten

Kraftwerk Elverlingsen: Aus noch in diesem Jahr?

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Rund 200 Menschen sind im Kraftwerk Elverlingsen beschäftigt. Aller Wahrscheinlichkeit nach werden sie innerhalb Jahresfrist nicht mehr gebraucht, das Kohlekraftwerk wird abgeschaltet.

Werdohl - Am Dienstagabend hat sich der Enervie-Aufsichtsrat unter anderem über die vorgezogene Abschaltung des Kohlekraftwerks Elverlingsen beraten. Am Mittwochvormittag will der Vorstand darüber die Belegschaft informieren.

Elverlingsens Betriebsratsvorsitzender Ludger König rechnet mit dem Allerschlimmsten: „Wenn es so kommt, dann reden wir über Jahresfrist um plus minus ein Vierteljahr.“ Wie bereits berichtet, scheint eine technische Lösung gefunden zu sein, an der bisherigen Engstelle in Hagen vorbei ausreichend Strom ins südwestfälische Netz zu pumpen. Die Kohlekraftwerke der Enervie laufen seit mehr als einem Jahr unrentabel und verbrennen mehr Geld, als sie abwerfen. Das Kraftwerk in Elverlingsen läuft unter der Woche nur noch, um Energiespitzen abzufangen.

Erst vor Kurzem hatten Enervie und Bundesnetzagentur vereinbart, dass man die Kraftwerke so lange laufen lässt, bis die Engstelle in 2020 ausgebaut sei. Dem Aufsichtsrat der Enervie wurden am Dienstag Lösungen vorgestellt, denen zur Folge es technisch möglich ist, mit dem Gevelsberger Versorger AVU und den Netzbetreibern Westnetz und Amprion ausreichend Strom in die Region zu transportieren.

Damit wären auf einen Schlag alle Kohlekraftwerke überflüssig. In Elverlingsen sind zurzeit 200 Leute beschäftigt, im ganzen Kraftwerksbereich der Enervie sind es 300. Ludger König ist seit April 2014 Betriebsratsvorsitzender des Bereichs Erzeugung. Der 57-jährige Altenaer arbeitet seit 1979 als Kraftwerker in Elverlingsen und sagt: „Ich kann es mir gar nicht vorstellen, wie es ist, wenn es das Kraftwerk nicht mehr geben sollte.“

Früher sei eine Beschäftigung bei der Elektromark eine Art Versicherung auf Lebenszeit gewesen, heute stehen die rund 200 Mitarbeiter in Elverlingsen vor dem beruflichen Aus. König übernahm 2002 den Betriebsratsvorsitz für die Beschäftigten in Elverlingsen, seit Frühjahr vergangenen Jahres hat er auch die Kollegenvertretung für Herdecke, Hagen-Kabel hinzubekommen.

Die Nachricht über die mögliche technische Lösung an der Engstelle vorbei sei absolut überraschend gekommen. „Wir haben erst Ende vergangener Woche davon gehört“, sagte König gegenüber unserer Redaktion. König ist als Mitglied des Aufsichtsrates am Dienstagabend über die Neuigkeiten informiert worden. Das Unternehmen gab am Dienstag keine Informationen heraus. Erst müssten am Mittwoch die Beschäftigten informiert werden.

König: „Wir müssen nach sozialverträglichen Lösungen suchen.“ Der Betriebsrat müsse versuchen, so viele Mitarbeiter wie möglich in „Lohn und Brot“ zu halten, sagte er. Denkbar sei, dass Mitarbeiter vom Kraftwerk zur Wirbelschichtfeuerungsanlage wechselten. Dort wird am Standort Elverlingsen zur Energiegewinnung Klärschlamm verbrannt. König: „Ich hoffe, dass diese Anlagen weiterlaufen können.“ - Von Volker Heyn

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