Kostensteigerung beim Werdohler Bahnhof

So sah das Bahnhofsgebäude kurz vor Weihnachten aus, nachdem das bahnseitige Gerüst weggenommen war. Monatelang hatte dort jemand Wache gehalten, um die Bauarbeiter vor Zügen zu warnen.

WERDOHL ▪ Seit etwa zehn Tagen ist in der Verwaltung bekannt, dass die Bahnhofssanierung teurer als erwartet wird. 55 000 Euro tatsächliche Mehrkosten sind bereits bekannt, weitere 100 000 Euro könnten auf die Schlussrechnung hinzukommen. Welche Auswirkungen das auf das gesamte Projekt Stadtumbau West hat, wird zur Zeit von der Verwaltung geprüft.

Die Kostensteigerung ist noch nicht so lange bekannt, dass die Politik informiert werden konnte. Weder im jüngsten Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung noch im Rat wurden die Politiker auf diese Entwicklung hingewiesen. Bislang hatte Bürgermeister Griebsch immer voller Stolz erklärt, dass sich das Projekt im finanziellen Rahmen bewege.

Dieser Rahmen von 2,3 Millionen Euro wird höchstwahrscheinlich überschritten. Peter Erwig vom Fachbereich Bauen der Verwaltung erklärte auf Nachfrage die Einzelheiten. 40 000 Euro außerplanmäßige Mehrkosten verlangt die Ertüchtigung einer Balkendecke. In dem 100 Jahre alten Gebäude wurden erst vor kurzem Schwächen und Hohlräume in der Deckenkonstruktion festgestellt. Damit auf diese Decke eine Betonplatte gegossen werden kann, müssen 40 000 Euro zusätzlich in die Hand genommen werden.

Weitere 15 000 Euro müssen gezahlt werden, weil über Monate acht Stunden am Tag ein Mitarbeiter beschäftigt werden musste, der Tag für Tag die Bauarbeiter vor vorbeifahrenden Zügen warnte. Aus Gründen der Statik ließ sich kein geeignetes Schutzgerüst an der Bahnseite anbringen. Die Deutsche Bahn AG machte diesen Mann als Sicherungsposten zur Auflage.

Mit rechnerisch rund 100 000 Euro beziffert Peter Erwig die möglichen Mehrkosten, die aus der allgemeinen Kostensteigerung im Baubereich resultieren können. Bei Planung der Sanierungsarbeiten im November 2010 lag der Baukostenindex bei 114,6, im November 2012 wird er fortgeschrieben bei 121 liegen.

Erwig hat jetzt noch die leise Hoffnung, dass die noch ausstehenden Ausschreibungen eine Kostenersparnis bringen. Erst 60 Prozent aller Arbeiten seien ausgeschrieben. Allerdings sei das eher unwahrscheinlich, auf diese Weise die Mehrkosten von 155 000 Euro wieder hereinzuholen.

Das wirft jetzt ein generelles Finanzierungsproblem auf. Bislang ist mit der Bezirksregierung Konsens, die 2,3 Millionen Euro für den Bahnhof als finanziellen Deckel zu betrachten. Schlimmstenfalls könnte es darauf hinauslaufen, dass innerhalb des Gesamtprojektes Stadtumbau West (mit den Maßnahmen in Ütterlingsen und an der Lenne) Mittel umgeschichtet werden müssen. Dann müsste eine politische Entscheidung her, die Geld aus noch nicht begonnenen Maßnahmen zum Bahnhof lenkt.

Erwig: „Vielleicht sind wir auch etwas zu blauäugig darangegangen.“ Bei Projekten dieser Größenordnung seien eigentlich 15 Prozent Finanzierungsreserve sinnvoll. Erwig: „Dann wären wir bei 2,7 Millionen Euro.“ ▪ Von Volker Heyn

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