Modellrechnung

Kosten steigen 2021 in Werdohl: So viel muss Familie Mustermann mehr zahlen

Die Heizkosten für Familie Mustermann, die mit Erdgas heizt, werden 2021 durch die CO2-Steuer voraussichtlich um mehr als 90 Euro steigen.
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Die Heizkosten für Familie Mustermann, die mit Erdgas heizt, werden 2021 durch die CO2-Steuer voraussichtlich um mehr als 90 Euro steigen.

Das sind keine guten Nachrichten für die Werdohler: 2021 wird das Leben in der Stadt an Lenne und Verse teurer. Was sich genau ändert, zeigt der SV anhand der Familie Mustermann, einer durchschnittlichen, vierköpfigen Familie in Werdohl, auf.

Claudia und Ralf Mustermann leben gemeinsam mit ihren Söhnen Tobias (4) und Tim (8) in einem Einfamilienhaus. Während einige Gebühren zwar gesenkt werden, steigen andere dafür umso mehr. So muss die Familie im Vergleich zu 2020 einen dreistelligen Betrag draufzahlen.

Strom

Als Stromkunden des Grundversorgers Mark-E mussten die Mustermanns für ihre durchschnittlichen 3500 Kilowattstunden bis Ende Januar 2020 noch 1124,16 Euro bezahlen. Mit dem 1. Februar stieg der Preis auf 1214,05 Euro. Bei dieser Summe soll es bleiben: „Bis auf Weiteres wird es für Kunden der Mark-E keine Preisveränderungen geben – nicht bei Strom und auch nicht bei Gas“, sagt Andreas Köster, Sprecher des Mutterkonzerns Enervie. Das um rund zwei Prozent erhöhte Netzentgelt habe man durch günstige Einkaufspreise auffangen können.

Erdgas

Ihr Haus heizt Familie Mustermann mit Erdgas, das sie von den Stadtwerken Werdohl bezieht. Bei einem Gasverbrauch von 20 000 Kilowattstunden im Jahr wurden dafür im Jahr 2020 im Tarif „Lennegas Clever“ 1323,96 Euro fällig. Durch die CO2-Steuer in Höhe von 0,455 Cent pro Kilowattstunde steigen die jährlichen Kosten für Gas um 91 Euro auf nunmehr 1414,96 Euro.

Trinkwasser

Auch ihr Trinkwasser beziehen Mustermanns über die Stadtwerke und verbrauchen davon 180 Kubikmeter pro Jahr. Weil sich die Kosten für Wasser in Werdohl nicht verändern, zahlt Familie Mustermann auch 2021 noch einmal 499,85 Euro.

Abwasser

Im Vergleich zu 2020 steigt die Schmutzwassergebühr für private Haushalte in Werdohl um 4 Cent pro Kubikmeter. Familie Mustermann zahlt jetzt 2,94 Euro für den Kubikmeter, statt wie bisher 2,90 Euro. Gemessen wird der Verbrauch am benötigten Frischwasser. Für ihre 180 Kubikmeter zahlt die Familie also jetzt 529,20 statt wie bisher 522 Euro.

Regenwasser

Auch die Gebühr für Niederschlagswasser, auch Regenwasser-Gebühr genannt, steigt 2021 leicht an. Pro Quadratmeter oberflächenersiegelter Grundstücksfläche wird das Regenwasser 10 Cent teurer. Für die Familie Mustermann, die ein Grundstück mit 130 gepflasterten Quadratmetern für Terrasse, Autostellplatz und Wege besitzt, bedeutet das, dass statt 137,80 Euro nun 150,80 Euro anfallen.

Abfall

Die Müllgebühr ist ein Einwohnergleichwert pro Person in Euro. 2020 lag diese Gebühr bei 74,26 Euro, war im Vergleich zu 2019 gesenkt worden. 2021 steigt die Abfallgebühr aber wieder, und zwar um stolze 17,4 Prozent. Der Preis klettert auf 87,14 Euro. Für die vierköpfige Familie bedeutet das 348,56 Euro im Jahr, 2020 waren es 297,04 Euro.

Grundsteuer B

Die Musterfamilie ist im Besitz eines Einfamilienhauses, in dem sie lebt und zahlt für die Immobilie 365,80 Euro an Grundsteuer an die Stadt. Gegenüber 2020 ist dieser Wert unverändert, weil die Stadt den Hebesatz, der weiterhin bei 668 Prozentpunkten liegt, erneut nicht erhöht hat.

Straßenreinigung und Winterdienst

Eine gesonderte Gebühr für diese Dienstleistungen erhebt die Stadt Werdohl nicht. Die Kosten sind im Hebesatz für die Grundsteuer B enthalten.

Hundesteuer

Vierbeiner „Billy“ lebt seit vielen Jahren bei den Mustermanns und fällt als Golden Retriever nicht unter die Kategorie „gefährlicher Hund“. Seit Jahren zahlt die Familie daher 100 Euro im Jahr an die Stadt, um ihren Hund halten zu dürfen.

Busfahren

Mutter Claudia arbeitet in Lüdenscheid und fährt jeden Morgen mit dem Bus der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) in die Nachbarstadt. Für das Monatsticket, mit dem Claudia über die Stadtgrenze hinausfahren darf, zahlt sie im Abo 957,60 Euro pro Jahr. Das sind im Vergleich zur ersten Hälfte des Vorjahrs 21,60 Euro mehr. Die Verkehrsgesellschaft passt ihre Fahrpreise immer im August an.

Schwimmen

Die Familie Mustermann unternimmt gerne gemeinsam sportliche Aktivitäten. Dazu gehören auch regelmäßige Besuche im Hallen- und im Freibad. Die Familie freut sich deshalb schon jetzt darauf, dass nach dem Ende des Corona-Lockdowns das Hallenbad und im Sommder auch das Freibad wieder öffnen – möglicherweise sogar ganz ohne die im Corona-Jahr 2020 auferlegten Einschränkungen. Sollte es dazu kommen, zahlen die Mustermanns für die vier Kombi-Jahreskarten 530 Euro und damit nicht mehr, als sie eigentlich für das Jahr 2020 gezahlt hätten wenn nicht das Coronavirus dazwischen gekommen wäre.

Volkshochschule Lennetal

Die Mustermann-Eltern besuchen im Jahr zwei Kurse der Volkshochschule. Die Kosten für eine Kursteilnahme liegen pro Kurs bei durchschnittlich bei 50 Euro. Für 2020 kommen bei Mustermanns also etwa 100 Euro zusammen.

Kita-Gebühr

Der vierjährige Sohn Tobias wird 45 Stunden in der Woche in einer Kindertagesstätte betreut. Dafür zahlen seine Eltern bei einem Brutto-Jahreseinkommen von 50 000 Euro monatlich 208 Euro. Hinzu kommen weitere 40 Euro (halber Beitrag für das zweite Kind) für den zweiten Sohn Tim (8), der das Offene Ganztagsangebot seiner Grundschule nutzt, sodass für Kita und Schule monatlich zusammen 248 Euro und für das ganze Jahr 2976 Euro fällig werden. Das Mittagessen der beiden Kinder ist da noch nicht eingerechnet. Seit Beginn des laufenden Kita-Jahres 2020/21 ist ein weiteres Kindergartenjahr beitragsfrei. Damit brauchen Eltern künftig nicht mehr nur das letzte, sondern auch das vorletzte Kita-Jahr nicht bezahlen. Das beschloss der Landtag Ende 2019.

Bücherei

Vater Ralf Mustermann ist eine Leseratte und zahlt für seinen Bücherei-Ausweis jährlich 15 Euro. Besäße er eine Ehrenamtskarte, müsste er nur die Hälfte bezahlen. Kinder und Jugendliche bis zum Alter von 18 Jahren entleihen ohnehin kostenlos. Das bleibt auch 2021 so.

Gesamtrechnung und Bilanz

Insgesamt muss die Familie Mustermann im neuen Jahr 9201,82 Euro bezahlen. Im Vergleich zu 2020 sind das 206,76 Euro mehr. Kosten für Strom, Trinkwasser, Grundsteuer, Hundesteuer und einige andere Ausgabeposten steigen zwar nicht, aber die neue CO2-Steuer sowie steigende Abgaben für Abwasser- und Müllbeseitigung lassen die Lebenshaltungskosten in diesen Bereichen um fast 2,3 Prozent steigen.

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