Kopfnoten: Realschule hat bereits Alternative

Heute gibt es an allen Schulen Zeugnisse ohne Kopfnoten. Die Realschule formuliert nun Beurteilungen.

WERDOHL ▪ Heute bekommen alle Werdohler Schüler ihre Halbjahreszeugnisse – seit Jahren erstmals wieder ohne die umstrittenen Kopfnoten. Für die Schulleiter der weiterführenden Schulen ist eines klar: In irgendeiner Form muss das Arbeits- und Sozialverhalten der Schüler zum Ausdruck kommen.

An der Haupt- und Gesamtschule werden Striche in den Notenfeldern zu finden sein. Die Realschule konnte bereits eine Alternative erarbeiten. Dort bekommen die Schüler heute eine Bewertung in Form einer ausformulierten Beurteilung. „Nach Rücksprache mit Eltern, Schülern und Kollegen haben wir uns dazu entschlossen, dass diese Form ein gelungener Kompromiss wäre“, erklärt Bernd Bunge, Schulleiter der Realschule. In erster Linie sei es wichtig, dass derjenige, der sich positiv verhalte, dies auch bescheinigt bekäme. Den zukünftigen Arbeitgebern sei das Arbeits- und Sozialverhalten oftmals wichtiger als Topnoten in Mathematik, Englisch oder Deutsch.

„Die Mehrheit unserer Schüler bekommt hier eine eine positive Beurteilung", berichtet der Schulleiter. Im Gegenzug werde aber auch deutlich gemacht, wenn sich ein Schüler nicht wie erwartet verhält.

Dazu müssten zwei Drittel der Lehrer zustimmen. „Dass ein Schüler nicht immer mit jedem gleich gut klar kommt, ist normal“, erläutert er die Problematik. Hat ein Schüler beispielsweise einen Kommentar wie „Der Schüler sollte sich in Wortwahl und Tonfall mäßigen“ auf dem Bewerbungszeugnis stehen, dürfte es schwer werden, einen Ausbildungsplatz zu bekommen. „Bis es soweit ist, wurden Gespräche mit dem Schüler geführt und die Eltern informiert, sodass so etwas nicht unerwartet kommt und der Schüler die Chance hat, sein Verhalten zu ändern“, berichtet Bunge. Die Kommentare hätten so eine informierende, aber auch erzieherische Wirkung. Bernd Bunge hält nichts davon, diese Beurteilung auch auf dem Abschlusszeugnis zu veröffentlichen. Denn hiermit bewerbe sich der Schüler ein Leben lang. „Klar, dass sich Menschen verändern. Wer mit 16 ein Rüpel ist, ist vielleicht mit 25 hoch motiviert und aufgeschlossen.“

Dieser Meinung stimmt auch Kübra Serin zu. Sie ist Schülersprecherin der Realschule und findet die Lösung ideal: „Der Arbeitgeber bekommt einen noch besseren Eindruck von mir.“

Jan Veenboer, kommissarischer Schulleiter der Hauptschule, sieht das ähnlich: „Auf der einen Seite gaben die Noten gute Aussagen über Schlüsselkompetenzen, andererseits ist es immer ein subjektiver Eindruck.“ An der Schule wurde eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich mit dem Thema befassen soll. „Ich denke auch wir werden eine ausformulierte Beurteilung mit auf die Zeugnisse nehmen“, erklärt er.

An der Gesamtschule wird überlegt, ein Beiblatt zum Zeugnis zu entwerfen, auf dem das Verhalten beurteilt wird. Schulleiter Heinz Rohe sieht durchaus einen Sinn in den Kopfnoten. ▪ lm

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