Idee zur Schul-Kooperation kam wohl aus Werdohl

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Ulrike Schulte-Schürholz (links), Konrektorin der Realschule, und Sven Stocks (rechts), stellvertretender Leiter der Albert-Einstein-Gesamtschule, kamen am Freitagnachmittag am Runden Tisch im Rathaus miteinander ins Gespräch.

Werdohl - Die Gesamtschul-Kooperation mit der Gemeinde Finnentrop wird ziemlich sicher kommen. Das ist die Quintessenz des Runden Tisches, an dem am Freitag im Rathaus Vertreter von Politik, Verwaltung und Schulen zusammenkamen. Sie wird allerdings Folgen haben, über die Vertreter der Realschule nicht glücklich sind.

Zu Beginn dieser Woche hatte die Bezirksregierung Arnsberg die Bildung eines Zweckverbandes für die Albert-Einstein-Gesamtschule Werdohl (AEG) und die Bigge-Lenne-Gesamtschule Finnentrop vorgeschlagen, um die Probleme beider Schulen mit einem Schlag zu lösen. Die Werdohler Schule hat zu wenig Schüler in der Unterstufe, in Finnentrop schwächelt die Oberstufe.

An einem Runden Tisch wurde am Freitag im Werdohler Rathaus erstmals öffentlich über dieses Vorhaben diskutiert. Bisher hatte der Arbeitskreis Schule stets hinter verschlossenen Türen über die Ausgestaltung der Werdohler Schullandschaft beraten. CDU-Fraktionschef Stefan Ohrmann nutzte die Öffentlichkeit auch prompt, um klarzustellen, auf wessen Initiative die Zweckverbands-Lösung in Spiel gekommen ist: „Das war eine Idee unseres Arbeitskreises“, trat er dem Eindruck entgegen, Finnentrops Bürgermeister Dietmar Heß habe im Hintergrund die Fäden gezogen.

Das allerdings hatte Bürgermeisterin Silvia Voßloh bisher gegenüber der Öffentlichkeit verschwiegen, vielmehr von „lockeren Gesprächen“ mit dem Finnentroper Stadtoberhaupt berichtet.

Politiker sind sehr zufrieden

Doch ganz gleich, wessen Idee der Schul-Zweckverband letztlich gewesen ist – zumindest die Politiker waren sich gestern einig, dass dies „das Beste ist, was uns passieren konnte“, wie es WBG-Fraktionssprecher Thorsten Hänel ausdrückte.

Die Details des Lösungsvorschlages servierte die Verwaltung dann häppchenweise. So gab Fachbereichsleiter Michael Grabs im Laufe des rund einstündigen Gespräches zu, dass die Stadt Werdohl aufgrund der geringen Schülerzahlen in den drei AEG-Eingangsklassen 5 unter Druck geraten sei. Die Bezirksregierung habe ein Ultimatum gestellt, „schulorganisatorische Maßnahmen“ zu ergreifen, um spätestens zum Schuljahr 2019/20 wieder eine vierte Eingangsklasse einrichten zu können.

Realschule „nicht glücklich“

Das könnte durch eine Regelung gelingen, die laut Grabs ebenfalls Bestandteil des Deals sein soll, den Werdohl und Finnentrop mit dem Schulministerium schließen wollen: Die Realschule am Köstersberg solle demnach „zur Stärkung des Gesamtschul-Systems“ nur noch maximal zweizügig geführt werden.

Darüber sei man an der Realschule „nicht glücklich“, sagte deren Konrektor Michael Stemski. „Wir haben uns immer dem Wettbewerb mit der Gesamtschule gestellt. Jetzt wird von oben in diesen Wettbewerb eingegriffen. Dadurch können an unserer Schule Qualität und Motivation leiden“, sagte er. Diese Bedenken teilte Grabs ebenso wenig wie Bürgermeisterin Silvia Voßloh.

Skepsis auch an der Gesamtschule

Mit Bedenken und Skepsis begegnete auch Sven Stocks, der stellvertretende Leiter der AEG, den Kooperationsplänen. An den Anmeldezahlen werde auch die Zusammenarbeit mit Finnentrop nichts ändern, sagte er. „Und in der Oberstufe profitiert zunächst einmal Finnentrop, denn wir haben ja eine funktionierende Oberstufe.“

Nachteile sehe er für die Lehrer der Unterstufe, die im Gegensatz zu den Schülern zwischen den Schulen pendeln müssten. Auch das rechtliche Konstrukt interessierte ihn: „Wird das am Ende eine Schule mit zwei Standorten und einem Leiter?“ Er sehe noch viele Hürden, erklärte Stocks.

Was wird aus dem Hauptschule-Gebäude?

Auch wenn die Überlegungen schon weit fortgeschritten sind – beschlossene Sache ist die interkommunale Gesamtschule noch keineswegs. Die Zusammenarbeit der beiden Schulen gilt es noch konkret auszuarbeiten, und auch die politischen Beschlüsse müssen in beiden Räten noch gefasst werden. Und nicht zuletzt braucht das Projekt auch noch die Zustimmung des Schulministeriums. „Wir sind noch ganz, ganz am Anfang“, sagte deshalb auch Grabs ganz zutreffend.

Offen blieb übrigens die Frage, was das alles eigentlich für die weitere Verwendung des seit Jahren leerstehenden Hauptschulgebäudes bedeutet.

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