„Mir kommen die Tränen - oberrattenscharf“

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Niklas Turmann von Chrystal Breed scheint eine Liebesbeziehung mit seinem Instrument zu haben. ▪

WERDOHL ▪ Corvin Bahn lächelt vor sich hin. Der Keyboarder wird offensichtlich von seiner eigenen Musik in den Zustand der Seligkeit versetzt – und nicht nur er. Auch das Publikum in der Musikkneipe Alt Werdohl japst vor Begeisterung nach Luft. Und Wirt Jürgen „Pöngse“ Krutzsch steht hinter der Theke, strahlt und ruft dann aus: „Mir kommen fast die Tränen – oberrattenscharf.“

Seit Jahr und Tag veranstaltet Pöngse in seiner Kult-Kneipe Konzerte, manchmal auch zwei in der Woche. Viele davon sind gut, manche weniger. Doch hin und wieder sind alle Rockfans gestraft, die zu Hause geblieben sind. Am Donnerstag war wieder solch ein Abend. Das Hannoveraner Quartett Crystal Breed machte ihn für die, die den Weg an die Freiheitstraße gefunden hatten, unvergesslich.

Corvin an den Tasten und Gitarrist Niklas Turmann teilten sich die Aufgabe des Frontmannes. Auch am Mikrofon wechselten sie sich ab. Texte und Kompositionen der eigenen Songs stammen auch von dem Duo. Die beiden Musiker sind Könner und scheinen fast eine Liebesbeziehung mit ihren Instrumenten zu führen.

Erst seit 2008 existiert das Quartett. Inspiriert seien sie stilistisch, „von der musikalischen Sozialisation im Elternhaus“, erklärt Drummer Thorsten Harnitz: Pink Floyd und Queen sind Bands, die er in diesem Zusammenhang nennt. Aber auch modernere Bands wie Dream Theater hätten Spuren bei ihnen hinterlassen. Alles Bands, die verschachtelt und aufwändig komponieren, deren Songs nicht zwangsweise nach viereinhalb Minuten enden müssen.

Und so spielen auch Crystal Breed – mit Michael Schugardt am Bass – kunstvolle Lieder. Die klingen aber keineswegs abgehoben und elitär. Nein, sie sprühen vor Lebendigkeit und sind mit pfeffrigem Rock‘n’Roll gewürzt.

Als die Menge im Alt Werdohl am Ende das Quartett nicht von der Bühne gehen lassen wollte, fegten die Hannoveraner kurzerhand mit dem „Highway Star“ von Deep Purple durch den Saal. Der Coversong wirkte dabei fast wie ein Eigengewächs der „kristallenen Brut“, wie der Bandname übersetzt lautet. - Michael Koll

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