Kontovollmacht ausgenutzt: Ehepaar bereichert sich um mehr als 9000 Euro

Werdohl - Um mehr als 9000 Euro bereicherte sich ein Ehepaar aus Werdohl, dem 2013 die Vollmacht über das Konto eines älteren Ehepaares übertragen worden war.

Gut drei Jahre danach mussten sich die beiden am Dienstag wegen Untreue und gewerbsmäßiger Untreue im Amtsgericht Altena verantworten. Einmal 2000 und zweimal 2500 Euro hob die heute 48-jährige Angeklagte im April und Mai 2013 vom Konto der alten Leute ab – insgesamt 7000 Euro. 

Den wahren Zweck verschleierte sie durch einen erfundenen Verwendungszweck – angeblich die Renovierung einer Wohnung, aus der die Geschädigten ausgezogen waren. 

Auch Ehemann nutzt Kontovollmacht aus

Im Sommer 2013 ging die Kontovollmacht auf ihren Mann (59) über, der bei der Höhe der abgehobenen Beträge etwas bescheidener war: Sieben Abbuchungen zwischen 100 und 650 Euro summierten sich dennoch auf einen Gesamtbetrag von 2150 Euro. Auch er gab bei den Abbuchungen erfundene Verwendungszwecke an: Kleidung, Schuhe, Hygieneartikel und Tapeten. 

Über ihre Anwälte gaben beide Angeklagten die Taten uneingeschränkt zu und bedauerten das Geschehene. In einem zuvor getroffenen zivilrechtlichen Vergleich hatten sie sich schon 2014 verpflichtet, monatlich 150 Euro der Schadenssumme zurückzuzahlen. 

Geschädigten mittlerweile verstorben

Davon hatten die alten Leute aber nicht mehr viel, da sie mittlerweile verstarben: „Sie zahlen das Geld zurück, was den Geschädigten nichts nützt“, stellte Richter Dirk Reckschmidt fest. Da offenbar jegliche Erben fehlen, geht das Geld derzeit an einen Vermögensverwalter. Sollte niemand gefunden werden, ginge das Geld wohl an das verarmte Land NRW. 

„Das war eine ganz unschöne Geschichte, die altersbedingte Hilflosigkeit der Geschädigten auszunutzen“, sagte Oberstaatsanwalt Bernd Maas in seinem Plädoyer und beantragte fünf Monate Haft auf Bewährung für die Angeklagte. Wegen des sehr kompakten Tatzeitraums ging auch Richter Dirk Reckschmidt bei ihr nicht von einer gewerbsmäßigen Untreue aus. Schon die Mindeststrafe pro Tat hätte dann bei sechs Monaten gelegen.

Moralischer Verantwortung nicht nachgegangen 

Stattdessen blieb er bei den beantragten fünf Monaten. Anders war die Situation bei dem Angeklagten: Er hatte das Konto fast zwei Monate lang mit seinen Abbuchungen gequält. Dafür gab es – gemäß dem Antrag des Oberstaatsanwalts – 14 Monate auf Bewährung wegen gewerbsmäßiger Untreue. 

Statt höflich nach einem Kredit oder einer Zuwendung zu fragen, hätten die Angeklagten Mitmenschen ausgeplündert, denen gegenüber sie eine rechtliche und moralische Verantwortung gehabt hätten, sagte Richter Dirk Reckschmidt. 

Als Bewährungsauflage verordnete er dem Ehepaar während der dreijährigen Bewährungszeit die Fortsetzung der bereits laufenden Zahlungen von 150 Euro pro Monat, um den Schaden an dem einstigen Vermögen wiedergutzumachen.

Rubriklistenbild: © dpa-avis

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