Silvia Voßloh das prominenteste Opfer

Kommunalwahl in Werdohl: Zwei hauchdünne Entscheidungen

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Die Werdohler CDU verfolgte in der Gaststätte Zum Spiegel die Auszählung der Stimmen bei den Kommunalwahlen. Angesichts der Niederlage von Bürgermeisterin Silvia Voßloh (CDU) wollte da natürlich keine gute Stimmung aufkommen.

Werdohl – Die Kommunalwahl am Sonntag hat für einige neue Gesichter im Werdohler Stadtrat gesorgt. Einige der bisherigen Mandatsträger hatten ihre Posten freiwillig geräumt und waren nicht mehr zu Wahl angetreten, für andere kam das Aus mehr oder weniger überraschend.

Das wohl prominenteste Opfer der Wählerentscheidung ist Bürgermeisterin Silvia Voßloh, die ihren Posten an den SPD-Kandidaten Andreas Späinghaus verlor (wir berichteten). Sie holte 102 Stimmen weniger als bei der Bürgermeister-Stichwahl vor sechs Jahren, während SPD-Kandidat Späinghaus diesmal 561 Stimmen mehr holte als der damalige SPD-Mann Matthias Wershoven in der Stichwahl hinter sich vereinigen konnte. So ergab sich am Ende ein Drei-Prozent-Vorsprung für den Herausforderer, der in der Ratssitzung am 2. November seinen Amtseid ablegen wird. 

Auf Seiten der CDU gab es aber noch weitere Kandidaten, die die Wähler aus dem Rat befördert haben. Kerstin Bathe verlor den Wahlbezirk 160 (Grundschule Königsburg), obwohl die SPD mit Kandidatin Nadine Kuschmiersz dort gegenüber der vorherigen Wahl gut 15 Prozent weniger holte. Allerdings legte die WBG mit ihrem neuen Bewerber Andreas Wäscher ordentlich zu und holte fast zehn Prozent mehr. Bathe war auf der CDU-Reserveliste auf Platz 16 zu schlecht abgesichert, um dennoch den Sprung in den Rat zu schaffen. 

CDU: Reserveliste zieht nur bis Platz zwölf

Noch knapper verpasste Uwe von Malotki den Wiedereinzug in den Rat. Im Wahlbezirk 130 (Pungelscheid, Awo-Turnraum) traf er ausgerechnet auf den bei dieser Wahl erfolgreichsten SPD-Mann: Jürgen Henke. Der konnte das Ergebnis seiner Partei um gut 15 Prozent verbessern und damit der CDU das Direktmandat wegschnappen. Doppelt unglücklich für von Malotki: Weil sein über die Liste schlechter abgesicherter Parteikollege Andreas Holthaus ein Direktmandat holte, „zog“ die CDU-Reserveliste nur bis Platz zwölf, von Malotki steht jedoch auf Rang 13. Er wäre wohl der erste Nachrücker, wenn im Laufe der Wahlperiode ein CDU-Platz im Rat neu besetzt werden müsste. 

Mehr zur Kommunalwahl in Werdohl lesen Sie hier.

Aus den Reihen der bisherigen SPD-Ratsfraktion wird es in der neuen Wahlperiode kein Wiedersehen mit Volkmar Güldner-Rademacher, Gülcan Kiraz und Wolfgang Tigges geben, die allesamt nicht wieder kandidiert hatten. Sicherlich nicht geplant war das Aus dagegen für Björn Walocha. Er verlor im Wahlbezirk 120 (Freizeittreff Pungelscheid) relativ deutlich gegen Christoph Plaßmann von der CDU, und Platz 15 der SPD-Reserveliste reichte nicht für den Ratseinzug durch die „Hintertür“. 

SPD: Ein Nachrücker über die Liste

Der Ausgang der Bürgermeisterwahl hatte übrigens Folgen für die SPD-Reserveliste. Weil der zum Bürgermeister gewählte Andreas Späinghaus auch seinen Wahlbezirk (Grundschule Kleinhammer) direkt gewonnen hatte, wird er nun sein Ratsmandat niederlegen, denn als Bürgermeister gehört er dem Rat in Zukunft ohnehin an. Der nächste Kandidat ohne Mandat auf der SPD-Liste ist Jan Vidal Canas, der im Wahlbezirk 50 (Stadtmuseum) dem CDU-Kandidaten Dirk Middendorf den Vortritt hatte lassen müssen. Nach Aussage des SPD-Vorsitzenden Böhme wird Vidal Canas aber das über die Reserveliste errungene Mandat annehmen und damit die SPD-Fraktion im neuen Rat komplettieren. 

Die WBG hatte eine eigene Wahlergebnispräsentation im Haus Werdohl eingerichtet.

Bei der SPD kommt damit – Späinghaus herausgerechnet – die Hälfte der neuen Ratsmitglieder als direkt gewählte Kandidaten ins Amt, die andere Hälfte erhält das Mandat über die Reserveliste. Bei der CDU ist das Verhältnis neun Direktmandate zu vier Listenplätze. Die WBG konnte ebenso wie die FDP erwartungsgemäß kein Direktmandat holen. Die fünf WBG-Kandidaten und die beiden FDP-Ratsmitglieder rücken also über die jeweilige Reserveliste in den Rat. 

Königsburg: Nur zwei Stimmen Unterschied

In zwei Wahlbezirken war die Entscheidung über das Direktmandat äußerst knapp. Auf der Königsburg (Familienzentrum Arche Noah) reichten Andreas Holthaus (CDU) zwei Stimmen Vorsprung vor Stefanie Starbatty (SPD). Außerdem verlor erneut Udo Böhme (SPD) wie schon vor sechs Jahren (gegen Detlef Seidel) den Wahlbezirk 150 (Schulzentrum) Riesei mit zwei Stimmen Rückstand an die CDU, diesmal an Lutz Hoffmann. 

Bei der WBG wird es übrigens auch einige neue Gesichter geben. Der ehemalige Fraktionschef Volker Oßenberg hatte der WBG ja schon während der laufenden Wahlperiode den Rücken gekehrt und als fraktionsloses Ratsmitglied weitergearbeitet; logisch, dass er nicht mehr für die WBG kandidiert hatte. Zudem hatten sich mit Ulrich Hüsmert und Christian Klepatz zwei weitere Ratsmitglieder nicht mehr aufstellen lassen. Für das Trio rücken nun über die Reserveliste Ole Warschun, Leif Schröder und Peter Jung in den Rat. Fraktionschef Thorsten Hänel und Klaus-Dieter Frick haben über denselben Weg wieder den Sprung in den Rat geschafft. 

Einzig bei der FDP tut sich personell nichts

Personell unverändert tritt einzig die FDP zur neuen Wahlperiode an. Wie schon letzt werden die Liberalen von Friedhelm Hermes und Alexander Lilienbeck vertreten. Lilienbeck äußerste sich ein wenig enttäuscht, dass sich für seine Partei das Plus in Prozenten (+ 2,4 Prozent) nicht auch in einem Zuwachs von Ratsmandaten ausgezahlt habe. Vor allem bereite ihm aber die geringe Wahlbeteiligung Sorgen, sagte der FDP-Ortsverbandsvorsitzende. Das sei zwar sicherlich auch auf die Corona-Pandemie zurückzuführen, die eine direkte Begegnung der Kandidaten mit der Bevölkerung sehr erschwert habe. „Wir werden uns aber alle überlegen müssen, wie wir die Wahlbeteiligung wieder verbessern können“, sah er für die Zukunft eine Aufgabe der Parteien darin, wieder mehr Wähler an die Urnen zu bringen. 

Dass sich an der Wahl des Rates nur 42,8 Prozent der Wahlberechtigten – und damit noch einmal sieben Prozent weniger als vor sechs Jahren – beteiligt hatten, stieß auch Wahlleiterin Vanessa Kunze-Haarmann sauer auf. „Andere Menschen kämpfen für dieses demokratische Grundrecht, bei uns wird es nicht ausgeübt“, zeigte sie sich verständnislos dafür, dass deutlich mehr als die Hälfte der wahlberechtigten Werdohler keinen Einfluss auf die Zusammensetzung des Rates genommen hatte. 

Frauenquote erhöht sich leicht

Was die Verteilung der Geschlechter angeht, hat sich die Zusammensetzung des Rates übrigens etwas zugunsten der Frauen verändert. Dem alten Rat gehörten sechs Frauen (2 CDU, 4 SPD) an, demnächst werden sieben Frauen (1 CDU, 6 SPD) ein Mandat haben. Der SPD-Ortsvereinsvorsitzende Udo Böhme freute sich darüber, dass es seiner Partei gelungen sei, die im SPD-Statut festgelegte Frauenquote zu erfüllen: Die Hälfte der zwölf Ratsmitglieder der SPD-Fraktion sei weiblich. Mit einem Frauenanteil von 21,2 Prozent liegt Werdohl unter dem NRW-Landesdurchschnitt (24 Prozent).

Mehr zur Kommunalwahl im Märkischen Kreis lesen Sie hier.

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