Komasaufen ist in Werdohl die Ausnahme

WERDOHL ▪ Sogenanntes Komasaufen bleibt weiterhin ein deutschlandweites Problem, allerdings nicht in Werdohl. Gestern veröffentlichte das Statistische Bundesamt (Destatis) in einer Pressemitteilung Zahlen aus dem Jahr 2010 zum Alkoholmissbrauch bei Kindern und Jugendlichen.

„Das ist bei uns nicht auffällig“, sagte dazu Dr. Christoph Solbach, Klinikdirektor für Innere Medizin an der Werdohler Stadtklinik. Genaue Zahlen konnte Solbach gar nicht benennen. „Das Thema ist bei uns kaum existent“, betonte der Arzt und merkte zudem an, dass auch aus Neuenrade nur sehr selten alkoholisierte Kinder oder Jugendliche ins Werdohler Krankenhaus eingeliefert werden. „Eventuell zum Jahreswechsel könnte es einen kleinen Schub geben“, ergänzte Solbach aus eigener Erfahrung.

Diesen Aussagen stimmt auch die Werdohler Polizei zu. Pressesprecher Dietmar Boronowski erklärte das die Beamten in Werdohl und Neuenrade sehr eng mit dem Ordnungsamt zusammenarbeiten. Bei großen Feierlichkeiten wie dem Schützenfest oder dem Neuenrader Getrüdchen würden die Jugendlichen schon vor dem Betreten des Festgeländes kontrolliert, sagte Boronowski. „Diese Vorgehensweise hat sich bewährt“, erklärte der Pressesprecher und erläuterte weiter, dass dabei den jungen Leuten der Alkohol abgenommen werde. „Klar haben wir schonmal angetrunkene Jugendliche“, betonte Dietmar Boronowski auch, aber diese würden dann direkt den Eltern übergeben. Volltrunkene Jugendliche oder gar Kinder seien in Werdohl und Neuenrade eine Ausnahme.

Was passiert, wenn Kinder in so einem Zustand ins Krankenhaus eingeliefert werden, erläuterte Oberarzt Dr. Holger Frenzke von der Kinderklinik in Lüdenscheid. „Da machen wir eine ausführliche Einschätzung zur vitalen Bedrohung“, erklärte Frenzke, die Untersuchung der Betroffenen, die häufig Stürze hinter sich hätten oder in dieser Jahreszeit eine Unterkühlung davontrügen. In jedem Fall werden immer die Eltern informiert, die ihr Kind mitnehmen können, falls es der Zustand zulasse. Dabei erfolge immer ein Gespräch, indem aber nicht der moralische Zeigefinger gehoben werde, betonte der Oberarzt. Zu weiteren Maßnahmen, wie einer Information des Jugendamtes, sind die Ärzte allerdings aufgrund ihrer Schweigepflicht nicht befugt.

Für seine Klinik konnte Frenzke eine gefühlte Verschiebung des Problems in die Altersklasse der zehn- bis 15-jährigen feststellen. Dem widerspricht die Statistik, die dort nach vielen Jahren wieder einen Rückgang von 5,5 Prozent verzeichnete. ▪ ds

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