Dr. Kohl stuft die Lambertuskirche als Eigenkirche ein

Dr. Rolf Dieter Kohl hat ein Ziel vor Augen: Der ehemalige Kreisarchivar möchte ein Stadtgeschichtliches Buch über Affeln verfassen.

NEUENRADE - Das Affelner Retabel beschäftigt die Historiker seit langem. Der ortsansässige Friedhelm Grote hat seinen Fokus auf den außergewöhnlichen Klappaltar gerichtet, es ist aber nicht der einzige, der fleißig recherchiert.

Neben Dr. Niklas Gliesmann, der seine Doktorarbeit über Retabel verfasste, zählt natürlich auch Dr. Rolf Dieter Kohl zu den Kapazitäten auf diesem Gebiet.

Dem Auge des Fachmanns entgeht fast nichts. Gliesmann deutet auf einen unscheinbaren Zweig aus Blei, dessen untypische Lage auffällig ist. Weil er aus Blei ist, vermutet der Kunsthistoriker, dass er im Laufe der Jahre seine Lage „eigenständig“ verändert hat – nach und nach aus der Vertikalen in die Horizontale kippte. Es sei aber auch durchaus möglich, dass er ursprünglich an ganz anderer Stelle positioniert war. Allein das Material gibt weitere Informationen preis. Auf der Rückseite sind verschiedene Marken ins Holz geschlagen, die über die Herkunft der Hölzer Auskunft geben. Gliesmann erklärt hierzu, dass mittels moderner Analysemethoden, das Alter und die Herkunft des Holzes ziemlich genau bestimmt werden könne. Der Altar in Affeln wird die Historiker wohl noch Jahre beschäftigen, bis er all seine Geheimnisse lüftet – wenn überhaupt. Interessant und spannend bleibt die Suche nach den Wahrheiten aber auf jeden Fall.Dass der aus Eslohe stammende Crato de Marpe einer der Stifter ist, hatte Dr. Rolf Dieter Kohl im August vergangenen Jahres veröffentlicht. Grote gibt hierzu den Stand der Forschung wieder: Krato oder Crato (de) Marpe hatte die Stelle als Pfarrer in der Zeit von 1520 bis 1558 inne. Auf Krato de Marpe folgte Johann von Hatzfeldt im Jahre 1559. Von Hatzfeldt war allerdings Laie und verzichtete auf die Pfarrstelle. Bis 1605 fungierte dann Bernhard Marpe sechs Jahre lang als Pfarrer in Affeln. Zuvor war er als Vikar tätig.

Grote verschaffte sich dann einen persönlichen Eindruck und besuchte das Rittergut der von Marpe, das in Niedermarpe (HSK) liegt. „Heute bewirtschaften Frau Lucie Dünnebacke-Conductor und ihre Tochter das Anwesen als Gutshof“, weiß Grote. Zum Hof gehört eine Kapelle, die dem Heiligen Vincenz geweiht ist. „Ist es ein Zufall oder gibt es einen Zusammenhang zwischen der Darstellung eines Stifterehepaares in einem kleinen Gefach unter der Skulptur des Heiligen Sankt Lambertus“, fragte sich Grote, der erkannte, dass zwischen ihnen der Diakon St. Vincentius von Saragossa zu sehen ist. „Auf jeden Fall ist es eine neue Spur, der man nachgehen kann“, freut sich Friedhelm Grote auf die Jagd nach der Wahrheit. „Zu meiner Überraschung fand ich dann eine Quelle, aus der ich entnehmen konnte, dass die von Marpe nur bis zur Mitte des 15. Jahrhunderts auf ihrem Rittergut waren. Danach wurden andere Familien vom Erzbischof von Köln mit dem Gut belehnt.

Dr. Kohl, der nur zu gerne am Treffen mit Grote und Dr. Gliesmann in der Affelner Kirche teilgenommen hätte, beschäftigt sich mittlerweile seit mehr als zwei Jahrzehnten mit der Affelner Geschichte und hat eine Vielzahl von Informationen zusammengetragen. Unter anderem hat er einen lückenlosen Katalog aller Affelner Bürgermeister in der Zeit von 1466 bis 1810 erstellt, der rund 470 Namen enthält.

Dr. Kohl plant, neben den typischen Veröffentlichungen in den einschlägigen Fachmagazinen, ein Stadtgeschichtliches Buch über Affeln zu verfassen – von der Verleihung der Freiheit im Jahre 1492 über die erstaunliche wirtschaftliche Entwicklung und die vielfältigen Verbindungen des Ortes zur Hanse im 14. bis 16. Jahrhundert bis zur Bedeutung des Orts im 19. Jahrhundert. Um sein Buch zu verfassen, möchte Dr. Kohl aber erst alle Informationen gesichert wissen. Deshalb möchte der Historiker viele Details noch zurückhalten. „Es sind noch Reisen in die Niederlande nötig. Dort ist ein wichtiger Schlüssel bezüglich weiterer Stifter verborgen“, sagt der ehemalige Kreisarchivar und meint damit nicht nur Antwerpen, wo der Altar als Auftragsarbeit für Affeln entstand. In einer Szene, die den Altar schmückt, ist ein Stifterpaar zu sehen, dass neben dem Heiligen St. Vincentius von Saragossa kniet. „Sie tragen außergewöhnlich kostbare Kleidung, Adeligen der damalige Zeit vergleichbar“, erklärt Dr. Kohl, der bedauert, dass keinerlei Wappen zu erkennen sind, die die Recherche vereinfachen würden. Er geht sogar so weit, zu behaupten, dass es sich bei der Affelner Kirche um eine so genannte Eigenkirche handelt – eine Kirche, die herrschaftlichen Privatpersonen gehörte. Eine Empore für zwei Personen (Stifterpaar) würde darauf hindeuten. Weil die Kirche und ihr Altar mehrfach restauriert wurden, gingen viele Informationen verloren. In diesem Zusammenhang präsentiert Dr. Kohl ein Foto des demontierten Mittelteils des Altars, der im Rahmen einer Restaurierung gänzlich von allen Farben befreit wurde. Kohl schätzt, dass die Aufnahme um 1930 entstand.

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