Erinnerungen werden wach beim Königinnen-Treffen im Versetal

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Zwölf Majestäten trafen sich am Samstag im Versetal. Für manche liegt die Zeit der Regentschaft schon lange zurück.

Werdohl - Zwölf Königinnen an der Kaffeetafel – das weckt Erinnerungen an herrliche Ballkleider, durchnässte Schleppen, Frisurentrends und den Thron. 1975 rief Elisabeth Wolf das erste Majestätentreffen des Versetaler Schützenvereins ins Leben. Auch die amtierende Königin Christina Sabanci-Henkes lud am Samstag wieder dazu ins Schützenheim ein.

Das Krönchen, ein fein gearbeitetes Schmuckstück, eint sie alle, obwohl mittlerweile schon drei Generationen am Tisch sitzen, wenn das Königinnentreffen im Versetal ansteht. Die jüngste ist 30, die älteste 88. Im Amt aber ist Margot Holthaus (83) die dienstälteste: Sie regierte 1960/61. „Aber es leben auch noch Vorgängerinnen von mir“, betont sie.

An der Zahl sind es noch genau 31 Versetaler Königinnen, die noch Erinnerungen an ihre Regentschaft haben. „Manche können tatsächlich aus Alters- und Gesundheitsgründen nicht mehr teilnehmen“, erklären die Damen. „Aber wir haben sie im Herzen immer bei uns, wenn wir uns treffen.“ Und natürlich auf Fotos, denn die Alben mit historischen und aktuellen Schützenfestimpressionen kommen immer mit auf den Tisch, wenn das Treffen stattfindet.

Manches ist im Laufe der Jahrzehnte gleich geblieben. Zum Beispiel die Präsenzpflicht bei allen Schützenfesten in Werdohl und Herscheid, beim Kreis- und Bundesschützenfest. Ob das amtierende Paar auch am Europaschützenfest teilnehmen kann und mag, ist ihm heute freigestellt.

Die Ex-Königinnen blätterten in alten Fotoalben und frischten so die Erinnerungen an vergangene Schützenfeste auf.

„Früher hatten die Adjutanten viel mehr zu sagen“, erinnern sich die Seniorinnen am Tisch. Sie achteten darauf, dass das Protokoll eingehalten wurde, insbesondere bei den Umzügen durchs Versetal, die nicht immer trocken abliefen. „Es hat manches Mal richtig geschüttet, nicht nur bei uns, auch beim Bundesschützenfest…“ Die weißen Hosen der Männer waren dann bis zu den Knien schlammbraun und die feinen Roben der Damen bis zu den Hüften durchnässt. Da war es gut, dass es Pflicht war, mindestens zwei Kleider zu besitzen, denn mit einem allein war ein Schützenfest unter solchen Umständen nicht zu bestreiten. Und auch ein paar Ersatzschuhe war lohnenswert, wenn sich nach einem langen Umzug die Absätze lösten und die Sohlen wellten…


Freie Paarwahl nicht selbstverständlich

Von Anfang an, das weiß Margot Holthaus noch, war auch die freie Paarwahl nicht selbstverständlich: In den ersten Jahren nach Vereinsgründung 1950 war der Ehepartner zur Bildung des Königspaars zu wählen. Das änderte sich erst in den 60er-Jahren. „Und man musste das Vorgängerpaar mit in den Hofstaat aufnehmen“, erinnert sich Margot Holthaus.

Diese Regeln sind mittlerweile gelockert, aber Königin Christina ist mit ihrem König verheiratet: Arif Sabanci lässt sich nicht lumpen, hat Kuchen gebacken, Kaffee gekocht und sorgt dafür, dass die Damen alle ein Gläschen Sekt bekommen, um auf ihr Wiedersehen anzustoßen. Auch er wirft einen Blick in die Fotoalben. Die Abendgarderobe der 80er-Jahre – ganz klar geprägt von den Puffärmeln des Brautkleids von Prinzessin Diana und auch ihre berühmte Außenwelle spiegelt sich in den Frisurentrends wider. Die 90er-Jahre: Geprägt von knalligen Farben. „Aber alles schick!

Viel voneinander gelernt

Königinnen und Hofstaat haben bei uns immer gut ausgesehen“, betonen die Damen und zücken die Bilder zum Beweis. Dazu hat natürlich auch beigetragen, dass die Vorgängerinnen ihren Nachfolgerinnen immer zur Seite gestanden haben: „Alle Königinnen haben sich immer gut verstanden.“ Das freut bis heute die junge Generation: „Wir haben viel voneinander gelernt“, erklären die jüngsten am Tisch. Und natürlich werden auch sie eines Tages ihr Wissen weitergeben an alle jungen Frauen, die das Versetal repräsentieren.

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