Kochen lernen beim Projekt „Tischlein deck’ dich“

13 Jugendliche haben sich zum gemeinsamen Kochen eingefunden – überwiegend Jungs. Am ordentlich gedeckten Tisch finden am Ende alle Platz, um ihr Drei-Gänge Menü mit Pizzabrötchen, Bärlauchbutter, Tomaten-Mozzarella-Salat, Spaghetti Arrabbiata und Himbeer-Mascarpone-Traum gemeinsam zu genießen. - Fotos: Weiland

WERDOHL -  Mit einem „platsch“ spritzt ein Klecks Mascarpone-Creme an die Wand. Mücahit grinst, schaltet den Mixer schnell wieder aus und greift zum Lappen – das übt er lieber nochmal. Seit Anfang April wird im JBZ an der Schulstraße regelmäßig gemeinsam gekocht und gegessen. „Tischlein deck’ dich“ nennt sich das Projekt.

Von Laila Weiland

„Astrid, wie muss ich das schneiden? Astrid, ist das so richtig? Astrid, irgendwie riecht es hier verbrannt...“ Zwischen den vielen Fragen und Hilferufen bemüht sich Jugendzentrums-Mitarbeiterin Astrid Bauriedel, die Ruhe zu bewahren. 13 Jugendliche sind heute gekommen. „Das ist ein neuer Rekord“, sagt sie, greift in eine Schublade und zieht ein Messer hervor. „So, wer ist heute dran mit Zwiebeln schneiden?“

Damit alles seine Ordnung hat und sich niemand vor der Arbeit drückt, gibt es eine Arbeitsliste: Dort steht, wer den Tisch deckt, wer schneidet und – besonders wichtig – wer hinterher abspült. „Die Jugendlichen sollen hier nicht nur eine warme Mahlzeit bekommen, sondern auch lernen, sie zuzubereiten“, sagt Bauriedel, die das Projekt ins Leben gerufen hat. „Außerdem sollen sie Verhaltensregeln verinnerlichen und lernen, dass zum Essen auch gutes Benehmen und anschließendes Aufräumen gehört.“

Nachdem sich alle die Hände gewaschen haben, geht es los: Als Vorspeise soll es Pizzabrötchen mit Bärlauchbutter und Tomaten-Mozzarella-Salat geben. Armin, Anesti und Björn sind für die Pizzabrötchen zuständig. Den Teig hat Astrid Bauriedel bereits vorbereitet, nun liegt es an den Jungs, Herr über die klebrige Masse zu werden. Am Nachbartisch sitzen Evin und Kiymet-Naz. Die beiden Mädchen schneiden sorgfältig Bärlauchblätter in kleine Streifen. „Ich finde es gut, dass ich hier mitmachen darf und dann auch umsonst essen darf“, sagt Evin. Die Achtjährige ist regelmäßig im Jugenzentrum zu Gast. Mansur und Zeradischt bereiten derweil den Salat vor. Anfangs scheinen sie noch nicht so recht zu wissen, was sie nun mit der Mozzarella-Kugel anstellen sollen, aber mit etwas Starthilfe von Astrid Bauriedel klappt auch das bald. Am Ende kann sich der Teller durchaus sehen lassen – sogar an die Dekoration mit Basilikumblättern haben die Jungs gedacht.

In der Küche herrscht derweil reges Treiben: Für die Hauptspeise müssen kiloweise Spaghetti gekocht werden. Für die Tomatensoße müssen außerdem Zwiebeln geschnitten werden. Diese unbeliebte Aufgabe wird Muhitdin zuteil. Vor den vorprogrammierten Tränen kann er sich erfolgreich drücken – dafür fallen die Zwiebelstücke am Ende eben etwas großzügiger aus. Damit die Küche keinem Schlachtfeld gleicht, hat sich Mohammed einen Besen geschnappt. Während um ihn herum noch fleißig geschnippelt und gerührt wird, wetzt der 11-Jährige von einer Seite auf die andere und beseitigt jegliche Spuren.

Für die Königsdisziplin Nachtisch ist Mücahit eingetragen. Er soll aus den bereitgestellten Zutaten einen Himbeer-Mascarpone-Traum zaubern – und vor allem schön anrichten. Nach anfänglichen Problemen mit dem Mixer entsteht eine weiße, zuckersüße Creme. Und wo sollen jetzt die Himbeeren hin? „Nicht einfach reinschmeißen, sondern schön schichten“, erklärt Küchenchefin Astrid. Gesagt getan. Und das Ergebnis ähnelt tatsächlich den Fotos auf dem Rezeptzettel.

„Essen ist fertig“, hallt es durch das Jugendzentrum. Die Jungköche nehmen am gedeckten Tisch platz und können es kaum erwarten, zuzuschlagen. Trotzdem bemühen sie sich, die Regeln einzuhalten und erst dann anzufangen, wenn jeder etwas auf dem Teller hat. Nur das ein oder andere Pizzabrötchen muss schon vorher probiert werden – ein echter Koch kostet schließlich vor.

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