Knapp am Zugunglück vorbei

Der Bahnübergang in Lengelsen. Inzwischen ist die Schranke wieder repariert.

WERDOHL ▪ Glück im Unglück hatte der durch sein Holzofenbrot bekannte Bäckermeister Hubert Deitmerg am Sonntagabend. Um ein Haar hätte sein Verkaufswagen auf der Ruhr-Sieg-Strecke am Bahnübergang Lengelsen ein unter Umständen folgenschweres Zugunglück verursacht.

Deitmergs Geistesgegenwart sorgte jedoch dafür, dass rechtzeitig genug eine Rettungskette in Gang gesetzt wurde und es bei dem Vorfall bei vergleichsweise geringem Schaden blieb.

Gegen 19.30 Uhr hatte er nach seiner Rückkehr vom Neuenrader Weihnachtsmarkt gerade den Bahnübergang Lengelsen überquert, als er wegen des tiefen Schnees an der Steigerung zu seinem Haus mit seinem Gespann nicht mehr weiterkam. Er koppelte den Verkaufswagen ab, doch der setzte sich trotz angezogener Bremse wieder in Bewegung – genau in dem Moment, als sich die Schranken wegen eines nahenden Zuges senkten.

Der Hänger durchbrach die Schranke auf der Lengelsen-Seite und blieb auf den Gleisen in Fahrtrichtung Werdohl stehen. Der Zug in Richtung Hagen riss die Rücklichter des Verkaufswagens ab.

„Um ein Haar“, so erinnerte sich Hubert Deitmerg, „hätte er den Wagen komplett mitgerissen.“ Ob es sich um einen Personen- oder Güterzug handelte, konnte Deitmerg vor lauter Aufregung nicht mehr sagen.

Unmittelbar danach alarmierte der Bäckermeister über Notruf die Polizei und verwies auf die gefährliche Situation, denn jederzeit hätte ein Zug in Gegenrichtung kommen können. Durch diese Geistesgegenwart, so betonte Andreas Grewe von der Pressestelle der Bundespolizeiinspektion Dortmund, habe rechtzeitig eine Rettungskette in Gang gesetzt werden können.

Um 19.38 Uhr sei die Ruhr-Sieg-Strecke in beiden Richtungen gesperrt worden, damit der Anhänger gefahrlos von den Gleisen geholt werden konnte.

Bilanz des Unfalls: Abgesehen von den zertrümmerten Rücklichtern entstand an der Schranke ein Schaden von rund 5 000 Euro. Die Polizei nahm diesen Teil des Unfalls auf und fertigte eine Strafanzeige.

Drei Züge hatten 41 Minuten Verspätung; für zwei Züge wurde ein Teilausfall gemeldet, zudem mussten zwei Ersatzzüge eingesetzt werden. Welche Forderungen sich daraus von Seiten der Bahn AG an den Bäckermeister ergeben, steht noch nicht fest und ist auch nicht mehr Sache der Polizei.

Rainer Kanbach

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