Vom klobigen Hörrohr zum Miniaturgerät

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Nicole Trester zeigt Lichtsignal- und Vibrationsanlagen, die Schwerhörige ohne Hörgerät vor Gefahren warnen oder wecken.

Werdohl - Seit 40 Jahren gibt es das Hörakustik-Geschäft Köttgen. Grund genug für die Mitarbeiter, mit ihren Kunden zu feiern und dabei auch einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, in der es viele Veränderungen im Bereich der Hörgeräte gegeben hat.

Astrid Spieß, Nicole Trester und Dieter Mechalak gehören zum Team der Werdohler Filiale, die ihren Anfang vor 40 Jahren an der Schulstraße nahm. „Damals gab es nur einen Raum“, erklärt Mechalak. In einer angrenzenden Garage habe sich die Anpasskabine befunden. In den 80er-Jahren erfolgte der Umzug an die Bahnhofstraße. Dort stehen nun mehrere Räume zur Verfügung.

Aber nicht nur die Größe der Filiale hat sich im Laufe der 40 Jahre geändert, auch Hörgeräte haben eine Entwicklung durchgemacht. Ganz früher habe es Hörrohre gegeben. Irgendwann habe die Technik Einzug gehalten. Genauer gesagt, die Transistortechnik. Dabei handelte es sich um Taschengeräte mit Batterien, erklärt Mechalak.

Der Verstärker sei über einen Transistor gelaufen, was große Gehäuse nötig machte. Diese hätten sich in einer Tasche befunden. Dort sei der Ton angekommen, verstärkt und über einen langen Schlauch ans Ohr übertragen worden. Die Distanz sei nötig gewesen, um eine Rückkopplung und ein damit verbundenes Pfeifen zu verhindern. Ältere Kunden erinnerten sich heute noch an damals, als besonders bei Umarmungen das Hörgerät laut angefangen habe zu pfeifen, erzählt Astrid Spieß.

„Dann kam zunehmend die Miniaturisierung“, sagt Mechalak. Die Geräte seien immer kleiner geworden. Zudem mache es ein dialoges System heute möglich, alle Bestandteile in einem Gehäuse zu verstauen. Nach wie vor sei die Hemmschwelle, sich für ein Hörgerät zu entscheiden, immer noch größer als zum Beispiel bei der Anschaffung einer Brille, sagt Spieß. Dabei seien die Hörgeräte heute teilweise so klein, dass sie von außen gar nicht mehr wahrnehmbar seien.

Durch eine große Auswahl an Farben und die Möglichkeit, ein Gerät auch mit Strasssteinen zu verzieren, könnten Hörgeräte auch als Accessoire angesehen werden.

Neben der veränderten Größe der kleinen Helfer, habe auch deren Funktion eine Veränderung durchgemacht. Nachts bräuchten die Ohren eine Pause, weshalb die Geräte herausgenommen werden müssten. Je nach Schwere der Hörbehinderung berge dies eine Gefahr für den Betroffenen, da er seine Umwelt unter Umständen gar nicht mehr akustisch wahrnehmen könnte. Insbesondere bei Feuer könnte das lebensgefährlich sein.

Für solche Fälle gebe es inzwischen Empfänger, die mit Rauchmeldern verbunden werden. Beim Auslösen des Melders würde der Betroffene durch Vibrationen oder Lichtsignale auf die Gefahr aufmerksam gemacht. Eine solche Verbindung sei auch mit Telefonen, Babyfonen und Weckern möglich. Und die Technik entwickele sich stets weiter. So sei eine Verknüpfung über Bluetooth stark im Kommen. Damit könnten zum Beispiel Fernseher oder Handys besser gehört werden.

Die Mitarbeiter im Geschäft Köttgen machen ihre Arbeit gern, sagen sie. Ihr Beruf als Hörgeräteakustiker sei abwechslungsreich und anspruchsvoll. Und auch das Handwerk käme nicht zu kurz, da die von einem Labor gelieferten Rohlinge von Hand mit der Frese angepasst werden müssten. Im Gegensatz zu einigen anderen Handwerksberufen, sei die Ausbildung zum Hörgeräteakustiker immer beliebter geworden. So habe sich die Anzahl der Auszubildenden seit den 90er-Jahren verdoppelt, sagt Mechalak.

Von Jana Peuckert

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