Stadt jetzt in der Pflicht

Kleines Kulturforum: Im Jubiläumsjahr droht das Aus

Volles Haus im Kleinen Kulturforum im Bahnhofsgebäude: Die Vernissage Anfang 2020 zur Ausstellung über den Maler Werner Turk war coronabedingt bislang eine der letzten Veranstaltungen des Vereins.
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Volles Haus im Kleinen Kulturforum im Bahnhofsgebäude: Die Vernissage Anfang 2020 zur Ausstellung über den Maler Werner Turk war coronabedingt bislang eine der letzten Veranstaltungen des Vereins.

Im kommenden Jahr feiert das Kleine Kulturforum in Werdohl 20-jähriges Bestehen. Das Jubiläumsjahr könnte dann aber zugleich auch das letzte sein, denn der beliebten Kultureinrichtung droht das Aus.

Kurz vor dem Ende der Jahreshauptversammlung ließ Heinz Rohe die Bombe platzen. Der Vorsitzende des Kleinen Kulturforums (KKF), teilte mit, dass die Kleinkunst-Einrichtung im kommenden Kalenderjahr nicht nur einen runden Geburtstag zu feiern hätte, sondern möglicherweise auch ihr Ende erleben könnte.

Am 15. April 2002 wurde das Kleine Kulturforum einst gegründet. Rohe erinnerte: „Ursprünglich sollten wir die Kulturarbeit der Stadt lediglich koordinieren. Doch im Laufe der Jahre traten wir zunehmend auch selbst als Veranstalter auf. Das haben wir zwar gerne gemacht. Doch über das Jubiläumsjahr 2022 hinaus wird kein Mitglied des aktuellen Vorstands mehr zur Verfügung stehen.“

Stadt soll wieder mehr Verantwortung übernehmen

Der KKF-Vorsitzende appellierte an die Stadt sowie das Stadtmarketing, sollten keine Nachfolger für die Führungsriege des Kulturforum-Vereins gefunden werden, die Kulturarbeit wieder mehr in die eigenen Hände zu nehmen. Bürgermeister Andreas Späinghaus (SPD) sicherte zu, dies zu tun. Auch Lutz Hoffmann (CDU), Vorsitzender des städtischen Kulturausschusses, pflichtete ihm bei.

Späinghaus sagte: „Die Stadt will die Kultur neu denken. Hier haben wir aber noch nichts Konkretes zu vermelden.“ Fest stehe nur, seit dem 1. August sei Reinhild Wüllner-Leisen in der Verwaltung nicht mehr für den Kulturbereich zuständig. Das Stadtoberhaupt sagte: „Ich bleibe jetzt bewusst im Ungefähren. Doch wir werden nicht mehr ganz so lange brauchen, bis wir Ergebnisse präsentieren können.“

Wunsch nach einer Schnittstelle

Die beiden KKF-Mitglieder Rüdiger Schmale (evangelischer Pfarrer im Ruhestand) und Heiner Burkhardt (Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins) mahnten an, dass im zukünftigen Konstrukt der Werdohler Kulturarbeit eine Schnittstelle zwischen Stadt und Ehrenamtlichen eingerichtet werden sollte.

Heinz Rohe, Annette Wolf (Mitte) und Martina Kluge wollen im KKF-Vorstand nur noch bis Ende 2022 weitermachen.

Darauf reagierte Kulturausschuss-Vorsitzender Hoffmann. Er erklärte: „Es wäre sinnvoll für eine Neuaufstellung, erst einmal eine Bestandsaufnahme zu machen: Welche Vereine und welche sonstigen Kulturschaffenden sind bereit, etwas öffentlich in der und für die Stadt zu machen?“

Auch der Kulturverein hat Probleme

Bürgermeister Späinghaus ergänzte, dass die Stadt Werdohl mit Ende 2022 aus dem Stärkungspakt heraus sei. Peter Kölsche, Vorsitzender des Kulturvereins „Werdohl heute“, fügte an: „Ich bin Optimist. Und nur deshalb kündige ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Auflösung des Kulturvereins an.“ Doch in dessen Vorstand sehe es ähnlich aus wie beim KKF.

Vor dieser grundsätzlichen Zukunftsdiskussion ging es zunächst um die üblichen Regularien einer Jahreshauptversammlung. Den 22 Anwesenden erläuterte Vorsitzender Rohe: „Wir haben coronabedingt unsere Arbeit im vorigen Jahr auch eingestellt. Die KKF-Aktivitäten sind zum Stillstand gekommen.“

Bislang letzte Ausstellung „ein voller Erfolg“

Er zählte auf: „Wir mussten Künstlern absagen, Veranstaltungen verschieben und einige am Ende sogar komplett absagen.“ Zumindest seien dem Verein bei diesem ganzen Hin und Her aber fast keine Kosten entstanden. Vor den Pandemie-Einschränkungen im Februar und März 2020 habe es zuletzt noch die Ausstellung über den heimischen Maler Werner Turk gegeben. Diese sei „ein voller Erfolg“ gewesen. Nun habe er manche seiner Vorstandskollegen schon lange nicht mehr gesehen, sagte Rohe und bilanzierte: „So ein Jahr verändert einen ganz schön, habe ich heute festgestellt.“

Der Kassenbericht von Susanne Gräser fiel entsprechend positiv aus, wobei Gräser erklärte, der Verein könne der Stadt zu dem finanziellen Zuschuss für das Jahr 2020 keine Verwendungsnachweise erbringen. Es sei also denkbar, dass diese Zuwendung noch zurückgefordert werde. Zu dieser offen formulierten Frage äußerte sich der Bürgermeister nicht. Die Zahl der Mitglieder, so Gräser, sei stabil bei 116.

Bei den Wahlen wurden Geschäftsführerin Annette Wolf und Schriftführerin Martina Kluge im Amt bestätigt. Zustimmung gab es auch für die Berufung der Beisitzer Petra Kulack, Inge Kropp, Thomas Jung und Wolfgang Thomzik.

Ausstellung „Werdohler Köpfe“

Annette Wolf ging noch auf die bevorstehende Ausstellung „Werdohler Köpfe“ ein. In den Monaten September, Oktober und November gebe es um diese Ausstellung herum noch einige Begleitveranstaltungen – auch an anderen Standorten als dem Kleinen Kulturforum am Bahnhof.

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