Lockerungsmaßnahmen

Kitas: Viele Stimmen gegen baldige Öffnung

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Wann Kitas wieder für alle Kinder öffnen ist noch ungewiss (Symbolfoto).

Werdohl/Neuenrade/Balve - Bund und Länder haben sich gestern auf erste Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen verständigt, Kindertagesstätten sollen davon aber noch ausgenommen bleiben. Sie sollen wie auch Schulen und Universitäten deutschlandweit noch bis mindestens zum 3. Mai geschlossen bleiben, damit sich das Coronavirus nicht über diese Wege wieder stärker ausbreiten kann. Wie die Träger der Kitas mit diesen Regelungen der Regierung umgehen werden, war am Abend noch nicht klar.

Auf Nachfrage hieß es beim Evangelischen Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg, dass man vor Freitag wohl keine Äußerungen dazu abgeben werde, wie Dirk Cechelius als Geschäftsführer des Trägerverbundes sagte. „Wir warten das ab – auch händeringend – und sind an die Entscheidungen gebunden“, erst danach werde man sich zusammensetzen und besprechen.

Zurückhaltend äußert sich auch der Zweckverband für die katholischen Kindergärten im Bistum Essen. Es müsse abgewartet werden, wie die Regelungen im Detail aussehen sollen, sagte dessen Pressesprecherin Wiebke Neumann auf Anfrage. Dann müsse intern darüber beraten werden, wie sie in die Praxis umgesetzt werden könnten. Deshalb könne sich der Zweckverband frühestens heute konkret dazu äußern, wie es in seinen Einrichtungen weitergehen soll, sagte sie und wies auf einen weiteren wichtigen Punkt hin: „Wir müssen uns auch Gedanken darüber machen, wie wir die Mitarbeiter in den Einrichtungen schützen können“.

Werdohler Jugendamt nicht erreichbar

Das Jugendamt der Stadt Werdohl war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Auf dem neuesten Stand über die Umsetzung der am Mittwoch beschlossenen behördlichen Verordnungen sind die Balver Kindertageseinrichtungen und die Stadtverwaltung. Im Gespräch mit unserer Zeitung sagte gestern der Allgemeine Vertreter des Bürgermeisters, Michael Bathe: „Wir haben am Morgen getagt, um über Schülerbeförderung, Hygiene und auch die Öffnung von Klassen zu beraten. Weitere Gespräche werden wir am Donnerstag mit den Schulleitungen, den Verkehrsunternehmen und der Reinigungsfirma führen, wie all diese getroffenen Entscheidungen umzusetzen sind.“ 

Vorbereitet hat sich auch der evangelische Kindergarten Arche Noah in Balve, wie deren Leiterin Anja Sanden erzählte: „Bei uns wurde alles in die Wege geleitet, damit wir uns und die Kinder schützen.“ Allerdings fände sie es besser, „in Etappen“ anzufangen, und zunächst die angehenden Schulkinder wieder zu betreuen. Diese 15 Mädchen und Jungen wären besser in Kleingruppen aufzuteilen, als alle 47 Kinder. „Aber wie auch immer – wir sind bereit“, sagte sie.

Kita-Leiterin hält Betrieb derzeit für undenkbar

Dass der Kita-Betrieb wieder losgehen soll, ist aktuell unter den vorgegebenen Rahmenbedingungen für alle Fachleute undenkbar: So sagte Judith Lehmkuhl, die Leiterin der katholischen Kita St. Georg in Küntrop, welche zum Bistum Paderborn gehört, dass für sie eine Öffnung undenkbar sei. Kinder und Erzieherinnen mit Schutzmasken, das gehe gar nicht. „Die Kinder bekommen ja Angst.“ Das Schutzmaskenkonzept könne man daher gar nicht einhalten. „Die Kinder sind sozial nicht ausgereift, so dass man auch nichts erklären kann.“

Zudem würden die Kleinen viel durch Mimik lernen, die aber dann hinter Masken verborgen sei. Das alles könne Ängste hervorrufen. Für die Leiterin käme eine baldige Öffnung daher viel zu früh. Gleichwohl müsse man natürlich die staatlichen Vorgaben im Fall der Fälle berücksichtigen.

Neuenrades Kämmerer bremst

Kathrin Schoch, eine Fachfrau aus dem Evangelischen Kindergarten Hummelnest, kann sich die Öffnung der Kita für alle Kinder ebenfalls nicht vorstellen. „Das Risiko ist zu groß.“ Abstand könne kaum gewahrt werden. Auch könne sie sich jetzt nicht vorstellen, wie man den Kindern beispielsweise Hilfestellung leisten soll. Händewaschen einüben, würde ja noch funktionieren, aber sonst...

Neuenrades Kämmerer Gerhard Schumacher, in dessen Ressort auch die städtischen Kitas gehören, sagte gestern, dass hier die exakten Beschlüsse und Durchführungsanweisungen abgewartet werden müssten. Dass die Kitas bald geöffnet würden, kann er sich nicht vorstellen. Es gelte ja auch Desinfektionsmaßnahmen durchzuführen und räumliche Gegebenheiten der Situation anzupassen.

Alle Informationen rund um das Coronavirus im Märkischen Kreis gibt es hier.

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