„Der falsche Ritter“ in der Christuskirche

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So ein Reformator hat es nicht immer leicht. Eine Lehrerin schlüpfte für das Musical in Martin Luthers Gewänder.

Werdohl - Nach der Schlussszene wollten die Zuschauer in der Christuskirche gar nicht so recht klatschen. Gebannt schauten alle auf den zur Bühne umfunktionierten Altarraum und warteten offenbar auf die Fortsetzung der Geschichte Martin Luthers. Erst als ein hörbar begeisterter kleiner Junge zu klatschen begann, applaudierten auch die übrigen Gäste für die Kinder der Martin-Luther-Grundschule – und hörten dann eine ganze Weile nicht mehr auf.

Rund 60 Mädchen und Jungen aus den Klassen zwei bis vier hatten das Musical „Der falsche Ritter“ von Andreas Hantke auf die Bühne gebracht. Es erzählt einen Ausschnitt aus der Lebensgeschichte des Reformators.

Nachdem Martin Luther in Wittenberg seine Thesen verbreitet hat, wird er zu seinem eigenen Schutz entführt. Er versteckt sich als „Junker Jörg“ auf der Wartburg und übersetzt die Bibel ins Deutsche. „Das wird ein Hit, das verspreche ich euch“, preist der Reformator sein Großprojekt an.

Unterstützt von den Chorleiterinnen Marion Jeßegus und Sonja Fessel sowie einem Ensemble der Musikschule Lennetal trugen die kleinen Darsteller abwechselnd Sprechszenen sowie Chor- und Solostücke vor. Nicht nur die zeigten, wieviel Herzblut alle in die Vorbereitung gesteckt hatten. Auch das Bühnenbild und vor allem die stilechten Gewänder trugen zum gelungenen Auftritt bei.

Sichtlich Spaß machten den Zuschauern außerdem die pfiffigen Texte über den Namensgeber der Ütterlingser Grundschule. „Der Kirchenmüll wird weggefegt mit einem Eisenbesen“, das ist einfach eine schöne Beschreibung der Reformation. „Wir beginnen den Tag mit einer Pause“, sagt Luther in einer anderen Szene über den Gottesdienst am Sonntag. „Gott hat es lieber, wenn wir nicht den ganzen Tag arbeiten.“ So gab es für Darsteller und Zuschauer nebenbei auch ein bisschen Religionsunterricht.

Das Musical endet damit, dass Martin Luther von der Wartburg aufbricht. Er will zurück nach Wittenberg, denn dort „ist die Hölle los“, wie ein aufgeregter Bote berichtet. Die Thesen des Reformators haben einiges durcheinander gebracht und Luther will den Menschen den richtigen Weg zeigen.

Gerne hätten die Zuschauer in der Christuskirche gesehen, wie er das macht. „Ich verstehe, warum Sie mit dem Applaus gewartet haben“, wandte sich Schulleiterin Britta Schwarze nach der einstündigen Vorstellung ans Publikum. „Sie haben wie ich gehofft, dass das jetzt ewig so weitergeht.“ Damit konnte der Chor zwar nicht dienen – über die Zugabe freuten sich die Gäste aber auch. - von Constanze Raidt

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