Sparkasse greift Kirchen in den Klingelbeutel

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Für die Einzahlung von Münzen aus dem Klingelbeutel müssen die Kirchengemeinden bei der Sparkasse wie alle anderen Kunden Gebühren zahlen.

Werdohl - Die Kirchengemeinden ärgern sich über die Gebühren, die die Vereinigte Sparkasse im Märkischen Kreis seit dem 1. November für Bareinzahlungen mit Münzgeld erhebt. Immerhin sammeln sich in den Klingelbeuteln und Kollektenkörben der Gemeinden regelmäßig ziemlich viele Münzen an, die anschließend auf ein Bankkonto eingezahlt werden müssen. Die Sparkasse verlangt für diese Dienstleistung 2 Prozent des Einzahlungsbetrages, mindestens jedoch 2 Euro (wir berichteten).

In den Wochen um den Jahreswechsel erreichen die Kollekten in den Gemeinde traditionell Höchststände. Bei der Sonderkollekte für das Lateinamerika-Hilfswerk Adveniat und bei der Sternsinger-Aktion Anfang Januar sind die Menschen ebenso freigebig wie bei den Sammlungen für das evangelische Hilfswerk Brot für die Welt, für das traditionell an Heiligabend gesammelt wird und das Projekte in Afrika, Asien, Lateinamerika und Osteuropa unterstützt.

Geld fehlt für soziale Projekte

„Das tut schon weh. Das Geld fehlt uns natürlich für unsere sozialen Projekte“, beklagt Klaudia Grobel, Verwaltungsleiterin bei der katholischen St. Michael-Gemeinde, dass die Sparkasse von dem gesammelten Geld Gebühren abziehen will. Zudem entstehe durch die Gebühren, die erst nachträglich erhoben werden, ein Problem beim Führen des Kollektenbuches, in das alle Kollektenbeträge eingetragen werden müssen. „Dafür suchen wir noch nach einer Lösung“, sagt Grobel.

Weniger emotional reagiert Dirk Grzegorek, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde: „Wir müssen mit dem Umstand klarkommen, dass jetzt 2 Prozent einbehalten werden“, sagte er. „Ich jubele zwar nicht darüber, nehme das aber zur Kenntnis.“

Sparkasse macht keine Ausnahme

Einen Versuch, die Sparkasse zu einem Verzicht auf die Gebühren zu bewegen, haben die Kirchengemeinden dennoch unternommen. Mit einem gemeinsamen Schreiben haben sie sich an die Sparkasse gewandt und darum gebeten, die Einzahlungen aus den Kollekten wie bei anderen Banken durchaus üblich gebührenfrei vornehmen zu können – ohne Erfolg. Es gebe keine Möglichkeit, für die Kirchengemeinden eine Ausnahme zu machen, teilte das Geldinstitut mit.

Sachlich könne er die Haltung der Sparkasse nachvollziehen, räumte Pfarrer Grzegorek ein. „Wir gehen jetzt auch nicht in den Verweigerungswiderstand“, sagte er und meinte damit, dass zumindest die Evangelische Kirchengemeinde ihr Kleingeld nicht bei einer anderen Bank einzahlen werde. Diese Möglichkeit kommt auch für Klaudia Grobel von der St. Michael-Gemeinde nicht infrage. Am Ort käme ohnehin nur die Volksbank als Alternative in Betracht. „Von dort haben wir aber auch nicht die Zusicherung erhalten, dass die Einzahlung von Münzen dauerhaft gebührenfrei bleibt“, erklärte die Verwaltungsleiterin der katholischen Gemeinde.

Vorbild Schweden?

Vielleicht wäre Schweden ein Vorbild für die Kirchen? In dem skandinavischen Land, das sich seit Jahren auf dem Weg in die bargeldlose Gesellschaft befindet, steht in fast jeder Kirche ein Kollektomat: Mit der Kreditkarte können Kirchgänger hier bargeldlos spenden, sogar zielgerichtet für bestimmte Projekte, wie etwa die Anschaffung einer neuen Orgel oder die Aids-Hilfe. Die schwedischen Kirchengemeinden berichten von deutlich gestiegenen Summen bei den sonntäglichen Kollekten, seit die Geräte vor fast neun Jahren eingeführt worden sind.

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