Kirchen winken ab, jetzt soll Stadt den Friedwald tragen

Der Kirchhundemner Forstwirt Christoph Hupertz (kariertes Hemd) stellte dem Ausschuss für Umwelt und Stadtentwicklung seine Idee von einem Friedwald vor. Bestatter Josef Schütte (Mitte, mit Hut) und Hupertz möchten, dass die Stadt die Trägerschaft übernimmt. Die private Kapelle bei Distelnblech soll auf jeden Fall im Mai eingeweiht werden.

WERDOHL ▪ Die Stadt soll die Trägerschaft über einen privaten Friedwald in einem Waldstück zwischen Ludemert und Distelnblech übernehmen. Diese Anfrage richten ein Forstwirt aus Kirchhundem und der Werdohler Bestatter Josef Schütt an die Verwaltung.

Dienstagnachmittag haben sich die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und Umwelt die Kapelle in Distelnblech und das angrenzende Waldstück angesehen. Die Kapelle hat der Waldbesitzer Christoph Huperts aus privaten Mitteln errichten lassen. Die Kapelle ist innen noch nicht eingerichtet und soll am 8. Mai eingeweiht werden. Dass die Kapelle dauerhaft geöffnet bleiben kann, ist angestrebt, muss aber abgewartet werden. Hupertz und Schütt hatten schon im Mai vergangenen Jahres dem Ausschuss im nicht-öffentlichen Teil ein Friedwald-Konzept vorgelegt. Es sieht vor, dass die Urnen Verstorbener in der Natur unter einem Baum bestattet werden. Es gibt bundesweit zwei große Organisationen, die solche Naturbestattungen anbieten: Die FriedWald GmbH Griesheim und die RuheForst GmbH Erbach. Schütt und Hupertz haben sich diese Modelle angeschaut, um daraus ein eigenes Konzept zu entwickeln.

Rein privat darf niemand einen Friedhof betreiben, die Trägerschaft muss eine öffentliche Institution übernehmen. Evangelische und katholische Kirche waren ebenso wie die Zeugen Jehovas angefragt worden, alle hatten aus unterschiedlichen Gründen abgelehnt.

Jetzt soll als letzte Möglichkeit die Stadt die Trägerschaft übernehmen. Die Ausschussmitglieder waren am Dienstag eher zurückhaltend. Unter anderem FDP-Fraktionsvorsitzender Hermes sah eine „direkte Konkurrenz zu den Kirchen“ und einen Interessenskonflikt von Ratsmitgliedern, die sich einer Konfession zugehörig fühlten. Die Ratsmitglieder würden dadurch in einen „Konflikt-raum“ hineingezogen.

Bürgermeister Griebsch sagte, dass das Bestattungswesen zur Daseinsvorsorge gehöre und damit auch eine kommunale Aufgabe sei. Die Stadt unterhält keinen Friedhof, in Werdohl unterhalten bekanntlich die Kirchen die Friedhöfe.

Hupertz ist der Ansicht, dass bei einer städtischen Trägerschaft keinerlei Kosten oder Belastungen auf die Kommune zukämen. Der Friedwald bleibe praktisch in privater Hand. Nur bei einem möglichen Konkurs würde der Waldbesitz an die Stadt fallen.

Kunden des Friedwalds müssen einen Baum erwerben, der Besitz wird ins Grundbuch eingetragen. Auf dem zwei Hektar großen Grundstück stehen zwischen 300 und 400 Eichen und Buchen, zwischen 100 und 120 Jahren alt. Pro Baum könnten mehrere Urnen beigesetzt werden.

Der Ausschuss wird die Anfrage in seiner nächsten Sitzung beraten. Hupertz gab den Politikern mit auf den Weg: „Wenn es Werdohl nicht macht, wird es eine andere Stadt übernehmen.“

Von Volker Heyn

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