Alexander Butzelar spricht über das erste Jahr der Kinderfeuerwehr

„Kindergeburtstag“ mit Minister: Herbert Reul kommt zum Einjährigen der Kinderfeuerwehr

Jugendfeuerwehr
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Eine Jugendfeuerwehr gibt es in Werdohl schon einige Zeit. Vor einem Jahr wurde auch eine Kinderfeuerwehr gegründet – mit großem Erfolg.

Die Kinderfeuerwehr feiert am Sonntag, 12. September, ihren ersten Geburtstag. Vor genau zwölf Monaten hatte sich die neue Abteilung in der Werdohler Feuerwehr gegründet.

Um zu gratulieren, kommt mit NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) am Sonntag auch ein besonderer Gast nach Werdohl. Im Interview mit Maximilian Birke spricht Alexander Butzelar, Initiator der Kinderfeuerwehr, über das erste Jahr unter Corona-Bedingungen und die Feier am Sonntag.

Herr Butzelar, vor genau einem Jahr hat sich die Kinderfeuerwehr in Werdohl gegründet. Was ist seitdem geschehen?
Nach der Gründung im September 2020 haben wir uns als Gruppe kennengelernt. Es gab vier Dienste, an denen die Kinder teilgenommen haben. Danach kam Corona dazwischen und hat alles platt gemacht.
Wie gestalten sich die Dienste, die die Kinder leisten?
Das ist natürlich ganz unterschiedlich. Bei den Diensten, die bislang stattgefunden haben, ging es ums Kennenlernen und die Gruppenstärkung. Darüber hinaus hatten wir einen Dienst, bei dem es um Hydranten ging. Wo findet man sie? Wie benutzt man sie? Und während des Lockdowns haben wir uns bemüht, Alternativangebote zu schaffen: Die Kinder haben sich mit Knoten und Stichen beschäftigt, mit dem Retten und Selbstretten und außerdem gab es Bastelaufgaben für zu Hause.
Welches Feuerwehr-Thema erwartet die Kinder als nächstes?
Beim nächsten Dienst soll es um Schläuche gehen. Wie man sie richtig ausrollt und wie man sie aneinander kuppelt. Wir verwenden dabei D-Rohre. Die sind dünner und leichter als C-Rohre und deshalb besser für die Kleinen geeignet. Allgemein kann man sagen, dass die Kinder zuerst das kleine Feuerwehr-Einmaleins lernen.
Sie sprachen gerade schon kurz Corona an. Wie sehr hat die Pandemie die Kinderfeuerwehr getroffen?
Tatsächlich hat es uns sehr stark getroffen, dass man sich eine Zeit lang nur sehr eingeschränkt treffen konnte. Die Kinder sollten sich ja richtig kennenlernen, stattdessen mussten sie aber Distanz halten.
Dabei braucht man doch gerade in der Feuerwehr einen starken Teamgeist oder?
Ja, absolut. Die kleinste Einheit in der Feuerwehr besteht aus zwei Mann, das ist der Angriffstrupp. Man arbeitet also immer im Team. Es gibt keine Aufgabe, die man alleine lösen kann, außer man leitet eine Gruppe. Deshalb ist es wichtig, einen guten Zusammenhalt in der Gruppe zu haben.
Wie groß ist die Kinderfeuerwehr inzwischen?
Wir sind mit einer Gruppenstärke von 21 Personen gestartet, haben die Zahl aber inzwischen auf 30 erhöht – damit sind wir voll. Bei den Diensten hatten wir eine Beteiligung von im Schnitt 28. Es kann immer sein, dass jemand krank ist oder eine andere Verpflichtung hat.
Dass das Interesse so groß ist, ist für uns ein schönes Zeichen. Auch, dass wir eine so lange Warteliste haben, obwohl noch gar nicht so viele Dienste stattgefunden haben.
Wie war das Feedback für das Angebot bislang?
Die Erwartungen aller wurden übertroffen. Das Feedback war wirklich sehr positiv. Die Kinder sind total begeistert und euphorisch, die Atmosphäre ist gut, wenn wir uns treffen. Außerdem interessieren sie sich. Bei dem Brandalarm in Osmecke in dieser Woche kam auch ein Kind zur Einsatzstelle und hat sich alles genau angeguckt. Wir kriegen auch oft Nachrichten von Eltern, die sehr dankbar sind. Zum Beispiel, wenn sie gerade zu Hause grillen und die Kinder sich dabei verantwortungsbewusst und gut verhalten, weil sie das bei uns gelernt haben. Die Kinder macht das natürlich total stolz. Auch dass sie eine eigene Uniform zu Hause haben.
Die Kinderfeuerwehr ist eine Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr Werdohl. Gibt es da viele Berührungspunkte, zum Beispiel mit den Kräften im aktiven Einsatzdienst?
Auf jeden Fall. Einige Kinder sprechen uns an, wenn sie uns im Einsatz sehen. Sie passen gut auf, denn sie wollen das ja auch später machen. Wenn wir die Kinder unterwegs treffen, sprechen wir sie umgekehrt auch an.
Kann man also sagen, dass das Nachwuchsproblem in Werdohl erst mal gelöst wurde?
Das glauben wir schon. So viel Nachwuchs wie jetzt da ist, geht es gar nicht mehr anders. Für die Jugendfeuerwehr wird es eine große Aufgabe, diejenigen aufzunehmen, die aus der Kinderfeuerwehr herauswachsen. Wir werden eine starke Jugendfeuerwehr haben, wenn die Kinder übertreten.
Das ist sicherlich wichtig oder?
Ja, das ist auch im Brandschutzbedarfsplan so vorgesehen. Und natürlich gibt es ein gutes Gefühl: Wenn alle Plätze besetzt sind, sind wir im Einsatzfall schneller. Unsere Aufgaben wachsen. Es gibt heute deutlich mehr Einsätze als vor zehn Jahren. Ich würde schätzen, in Werdohl hat sich die Zahl verdoppelt.
Worauf ist das zurückzuführen?
Auf technischen Fortschritt wie Rauchmelder und Brandmeldeanlagen, die manchmal auch ohne einen realen Brand auslösen. Und auch wetterbedingte Einsätze durch Sturm und Hochwasser nehmen weiter zu.
Mit welchem Gefühl blicken Sie dem ersten Geburtstag der Kinderfeuerwehr entgegen, gerade vor dem Hintergrund, dass Innenminister Herbert Reul kommt?
Dass Herr Reul vorbeikommt, ist ein großer Ausdruck der Wertschätzung und Anerkennung – allerdings nicht für mich, sondern vor allem für die Kinder. Ohne die Kinder wären wir nämlich nur Arbeitsgruppe. Ich sehe den Termin am Sonntag deshalb wie einen Kindergeburtstag. Herr Reul wird wohl auch einige Sachen mitbringen, die er den Kindern übergeben möchte.

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