Kinderarztpraxis in Werdohl schließt: Eigentümer sucht Nachfolger

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Dr. Zati Altay hat in seiner Praxis noch eine Unterdruckkammer, in der früher Kinder mit Keuchhusten behandelt wurden. Die Eigentümergemeinschaft Imöhl will die Räume nach dem Auszug von Altay modernisieren.

Werdohl - Der Werdohler Kinderarzt Dr. Mohammet Zati Altay gibt seine Praxis an der Freiheitstraße 27 zum Jahresende auf. Der Mietvertrag und die Mitarbeiterinnen sind gekündigt. Die Patienten sind darüber noch nicht informiert.

Damian Imöhl, Sohn des früheren Kinderarztes Dr. Rudolf Imöhl und Besitzer der Immobilie, sucht mit allen Mitteln nach einem Nachfolger für die Praxis. 

Damian Imöhl („Ich heiße so wie der Schutzpatron der Ärzte.“) ist Chefredakteur der Schwäbischen Post in Aalen. In diesen Tagen war er immer wieder in seiner Heimatstadt Werdohl, um sich um die gelbe Villa „San Lorenzo“ zu kümmern. Imöhl will das Haus und die Praxis im Sinne seines Vaters und im Interesse der Stadt Werdohl in gute Hände geben. 

Schon länger spricht der 69-jährige Dr. Zati Altay vom Ruhestand, jetzt macht er nach 27 Jahren endgültig Schluss. Die Praxis im Erdgeschoss hat er von Imöhl gepachtet, der Vertrag ist zum Jahresende gekündigt. In der Wohnung über der Praxis hatte Dr. Rudolf Imöhl noch bis zu seinem Tod im Dezember 2016 gewohnt, die Wohnung steht leer. Dr. Altay wohnt an anderer Stelle in Werdohl. 

Mehr als genug Patienten 

Schon seit langer Zeit suchen Imöhl und Altay nach einem Nachfolger für die Praxis. „Wir haben alles versucht“, so Imöhl. Ärztekammer, persönliche Kontakte, Kinderkliniken, Anzeigen und Foren seien bemüht worden. Die Praxis laufe sehr gut, Patienten gebe es mehr als genug. Aber es sei eben auch sehr viel Arbeit: „Das hier ist eine lukrative Mühle.“ Auch die Arbeit mit sehr großer ausländischer Klientel müsse man können und mögen. Hinzu kommt, dass eine sauerländische Kleinstadt wie Werdohl nicht das attraktivste Pflaster für einen niedergelassenen Arzt ist. 

Imöhl will das Haus nicht einfach an irgendwen verkaufen. Anfragen für den Kauf des denkmalgeschützten Hauses mit dem riesigen Garten dahinter, schräg gegenüber dem Brüninghaus-Platz gelegen, habe es schon gegeben. 

„Es ist uns eine Herzenssache“ 

Damian Imöhl und seiner Schwester Dr. Lioba Imöhl gehört die Immobilie, und die beiden ehemaligen Werdohler wollen es nicht „einfach so verkaufen.“ Es sei eine „Herzenssache“, wieder eine Kinderarztpraxis in das Haus zu bekommen. „Der Standort ist 1a mit Stern“, weiß Imöhl. „Und wenn wir nicht wieder eine Kinderarztpraxis hineinbekommen, dann soll es etwas sein, was der Stadt dienlich ist.“ 

Damian Imöhl gehört das denkmalgeschützte Gebäude mit der Kinderarztpraxis im Erdgeschoss. In der Wohnung über der Praxis ist er aufgewachsen. Der Journalist lebt in Schwaben, für den scheidenden Kinderarzt Dr. Zati Altay sucht er einen Nachfolger. 

Nach dem Tod des Vaters hat Imöhl begonnen, so nach und nach die Wohnung auszuräumen. Einige Renovierungen sind schon in Angriff genommen, nach der Schließung der Praxis müssten diese Räume saniert werden. 

Erinnerungen sind noch frisch

Damian Imöhl erinnert sich noch genau, dass das Wartezimmer der Praxis für ihn und seine drei Schwestern das Spielzimmer war. „Mit zwei hatte ich schon alle Kinderkrankheiten durch“, lacht der Wahl-Schwabe mit westfälischer Herkunft. Seine Mutter war Ferdinande Imöhl, sie war damals Rektorin der katholischen Grundschule. Das ärztliche Umfeld war nichts für ihn, Imöhl wurde Journalist und ging über Stationen bei Bild im Ruhrgebiet und den Kölner Express in die Chefredaktion in Schwaben. 

Als sein Vater die Praxis aus gesundheitlichen Gründen aufgeben musste, fand sich eine Übereinkunft mit Dr. Zati Altay. Das ist immerhin auch schon 27 Jahre her. Imöhl wird kurz nachdenklich: „Ich habe durch den Tod meines Vaters festgestellt, woher ich komme.“ 

Das neben der Villa sehr versteckt liegende Haus Freiheitstraße 29 gehörte übrigens auch Imöhl. Nach Klärung von komplizierten Besitzverhältnissen innerhalb der Familie hatte es Damian Imöhl übernommen und im vergangen Jahr an zwei von außerhalb stammende Männer verkauft. 

Villa erinnert Altay ans Elternhaus in Ankara 

Dr. Zati Altay fühlte sich vor einem Vierteljahrhundert von der „Villa San Lorenzo“ angezogen. Der Charme des Hauses mit den hohen Decken habe maßgeblich dazu beigetragen, dass der Assistenzarzt aus Hannover nach Werdohl kam und die Kinderarztpraxis übernahm. „Vielleicht, weil mich die Villa an mein Elternhaus in Ankara erinnerte“, erklärte Zati Altay die Entscheidung, die er nie bereut habe: „Ich bin unendlich dankbar, dass ich nach Deutschland und ins Sauerland gekommen bin.“ 

Altay hat neben Medizin auch Grafik studiert. In mehreren Ausstellungen in Werdohl zeigte er seine Arbeiten.

Damian Imöhl ist per E-Mail unter d.imoehl@sdz-medien.de zu erreichen.

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