Bürgermeisterin bittet um Verständnis

Kinderärztin kommt doch nicht nach Werdohl - Stadt sagt nicht warum

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Die von der Bürgermeisterin für 2019 angekündigte Ansiedlung eines neuen Kinderarztes in der Stadt hat sich zerschlagen.

Werdohl - „Landarzt gesucht – auch in Werdohl“. Mit diesem Titel ist die Verwaltungsvorlage überschrieben, die als Beratungsgrundlage für die Kommunalpolitiker dienen soll

Die Mitglieder des Sozialausschusses wollen sich während der nächsten Sitzung dieses Gremiums am kommenden Dienstag, 7. Mai (17 Uhr im Sitzungsraum der Märkischen Werkstätten, Gewerbestraße 10), mit dem aktuellen Stand der ärztlichen Versorgung in Werdohl beschäftigen. 

Diese Bestandsaufnahme ist allerdings mit einer schlechten Nachricht verbunden: Aus der erhofften Ansiedlung einer neuen Kinderarztpraxis in der Stadt wird in diesem Jahr nichts. „Die Aussicht auf eine Kinderarztnachfolge hat sich leider nicht positiv entwickelt“, heißt es in der Vorlage der Verwaltung. 

Gründe für Absage sind nicht bekannt

Noch Ende 2018 hatte Bürgermeisterin Silvia Voßloh in einem Interview zum Jahreswechsel gegenüber der Redaktion erklärt, sie sei sehr glücklich darüber, dass sich 2019 eine neue Kinderärztin in der Stadt ansiedeln werde. 

Auf Nachfrage erklärte sie jetzt, ihr sei erst kürzlich mitgeteilt worden, dass es doch nicht dazu kommen werde. „Ich war sehr überrascht und natürlich enttäuscht“, unterstrich Voßloh. Warum die Medizinerin nicht nach Werdohl kommen wird, wollte die Bürgermeisterin nicht sagen: „Es sind sehr sensible Gründe, deshalb bitte ich um Verständnis.“ 

Allerdings bestehe noch Kontakt zu einer weiteren Kinderärztin, die bereits eine Hürde genommen habe, um sich in Werdohl ansiedeln zu können. „Sie hat den Sprachtest bestanden. Wir werden uns in Kürze erneut hier im Rathaus treffen, um die weitere Vorgehensweise zu besprechen.“ Die Ansiedlung solle so schnell wie möglich erfolgen, wobei damit in diesem Jahr wohl nicht mehr zu rechnen sei, so Voßloh. 

Versorgung grundsätzlich gewährleistet

Grundsätzlich sei die ärztliche Versorgung in Werdohl zudem gewährleistet – auch dank des besonderen Engagements der Werdohler Haus- und Fachärzte. „Aber auch Werdohl ist bereits unterdurchschnittlich mit Hausärzten versorgt und auch die Altersstruktur der hier tätigen Ärzte sieht deutlich schlechter aus als in anderen vergleichbaren Regionen“, stellt die Verwaltung fest. 

Deshalb sei die Stadt bereits 2016 in das Hausarzt- Förderverzeichnis der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) aufgenommen worden. Somit werde unter anderem die Neuniederlassung eines Hausarztes mit bis zu 50 000 Euro unterstützt. Bürgermeisterin Silvia Voßloh habe sich dafür eingesetzt, dass die Stadt auch bezüglich einer Kinderarzt-Neuansiedlung entsprechend finanziell gefördert werde; das sei gelungen: „Ende 2018 ist Werdohl in das Verzeichnis aufgenommen worden.“ 

Viele Fachärzte in der Stadt

Dagegen sei die Versorgung mit allgemeinen Fachärzten in der Stadt sehr gut. Von fast jeder Facharztgruppe ist derzeit ein Vertreter in Werdohl tätig. „Für diese Größenordnung eine Ausnahme“, lautet das Fazit. Die unterdurchschnittliche Hausarztversorgung könne durch diese Situation noch etwas relativiert werden. 

Grundsätzlich sei die vertragsärztliche Versorgung der Bevölkerung zwar die Aufgabe der KVWL, doch Bürgermeisterin Voßloh habe die Situation seit geraumer Zeit im Blick – und zur Chefsache erklärt. Es finde ein regelmäßiger Austausch mit Werdohler Medizinern und KVWL-Vertretern statt, auf den die Verwaltungschefin großen Wert lege. Darüber hinaus bestünden Kontakte zur Bezirksregierung, Ärztekammer sowie zum Städte- und Gemeindebund: „Hier ist inzwischen ein gutes Netzwerk mit persönlichen Ansprechpartnern entstanden.“ Auch Fachtagungen zur ärztlichen Versorgung und Angebote des Märkischen Kreises würden von Vertretern der Stadt wahrgenommen. 

Entscheidung gegen Werdohl

Die Online-Börse der KVWL wurde ebenfalls von der Verwaltung genutzt, um Ärzte für Werdohl zu gewinnen. Im Juli 2018 sei ein Online-Inserat geschaltet worden, das dann zu Kontakten mit zwei Interessenten geführt habe: „Ausführliche, zunächst vielversprechende persönliche Gespräche, waren letztlich aber erfolglos.“ 

Und auch an anderen Stellen zeigt sich, dass es trotz der Bemühungen nicht einfach ist, Mediziner für die Stadt an der Lenne zu begeistern: „Eine interessierte Hausärztin hat sich für eine Stelle in einer anderen Stadt des Märkischen Kreises entschieden.“ Außerdem konnten weitere Werdohler Ärzte bisher keinen Nachfolger finden.

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