Kinder- und Jugendarzt Dr. Altay schließt seine Praxis nach knapp 30 Jahren

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Dr. Zati Altay fällt der Abschied von seinen Patienten nicht leicht. Der Kinder- und Jugendarzt ist inzwischen 69 Jahre alt – und sucht schon seit Jahren einen Nachfolger für seine Praxis. Jetzt ist er froh, dass sich eine Medizinerin für Werdohl interessiert.

Werdohl - „Wenn man schon die Oma und die Tochter behandelt hat, und jetzt das Enkelkind in die Praxis kommt, dann weiß man: Es ist an der Zeit, Abschied zu nehmen“, stellt Dr. Mohammet Zati Altay fest.

Knapp 30 Jahre war er als Kinder- und Jugendarzt in Werdohl tätig. Am 20. Dezember öffnet er die Tür seiner Praxis an der Freiheitstraße zum letzten Mal für seine Patienten. 

Im Alter von 69 Jahren verabschiedet sich Dr. Altay in den wohl verdienten Ruhestand. Wehmütig, aber mit einem guten Gefühl: „Ich bin wirklich überglücklich, dass es gelungen ist, eine engagierte Ärztin zu finden, die jetzt für die Kinder und Jugendlichen in Werdohl da ist“, stellt der Mediziner fest. Wäre ein Nachfolger zur Stelle gewesen, hätte Dr. Altay seine Praxis durchaus früher verlassen: „Ich bin eigentlich seit fünf Jahren in Rente. Aber ich konnte meine Patienten doch nicht im Stich lassen.“ Dass seine Nachfolgerin nicht die Praxis in der denkmalgeschützten Villa an der Freiheitstraße übernehmen wird, stört den Mediziner nicht. Er ist vielmehr froh, dass überhaupt jemand seinen Job übernimmt. 

Mehr als genug Arbeit

Denn Arbeit gebe es in Werdohl für einen Kinder- und Jugendarzt mehr als genug, erzählt der Mediziner. Das habe bisher auch etwaige Nachfolger abgeschreckt: „Die meisten Ärzte sind heute anders, als wir es früher waren. Sie wollen nicht mehr so viel arbeiten.“ Er selbst wisse manchmal allerdings auch nicht, wie er das Pensum in all den Jahren habe schaffen können. Doch hätten es junge Ärzte in der heutigen Zeit deutlich leichter noch als vor 30 Jahren. „Als ich hier angefangen habe, musste ich jeden Samstag und Sonntag im Notdienst arbeiten, und auch Erwachsene versorgen“, erinnert sich der 69-Jährige. Regelmäßige Hausbesuche bei den Patienten seien selbstverständlich gewesen. „Auch nachts“, sagt Dr. Altay. 

Doch nicht nur in dieser Beziehung habe sich das Berufsbild des Arztes verändert. „Leider habe ich immer wieder feststellen müssen, dass aus Medizinern inzwischen Kaufleute geworden sind.“ Doch wer junge Menschen behandeln wolle, für den dürfe nicht das Einkommen im Vordergrund stehen. „Wer als Kinderarzt arbeiten will, der muss Kinder lieben. Sie habeeine ganz besondere Antenne und merken sofort, wenn das Verhältnis zum Arzt nicht optimal ist“, sagt der Mediziner. 

"Im Laufe der Jahre hat sich vieles verändert"

Zudem sei es nicht leicht, als Kinderarzt in Werdohl tätig zu sein. „Es hat sich im Laufe der Jahre vieles verändert“, stellt Altay fest. Psychische Probleme durch Mobbing seien bei Kindern und Jugendlichen längst keine Ausnahme mehr. Und auch körperliche Leiden hätten bei jungen Menschen zugenommen. „Viele sitzen am liebsten nur noch vor dem Handy oder dem Computer. Sie bewegen sich nicht mehr und leiden schon in jungen Jahren unter starkem Übergewicht und den Folgen, die daraus resultieren“, berichtet der Werdohler. Um seinen jungen Patienten helfen zu können, habe er zusätzlich Verhaltenstherapie studiert. 

Doch natürlich erinnert sich Altay auch an die positiven Seiten seiner ärztlichen Tätigkeit. „Eine meiner Patientinnen, die ich von klein auf behandeln durfte, ist jetzt Ärztin. Ich bin sehr stolz auf diese junge Frau“, stellt er fest. 

In der Wahlheimat tief verwurzelt

Auch wenn sich Dr. Zati Altay jetzt von seinen Patienten verabschiedet – der Stadt Werdohl will er nicht den Rücken kehren. Denn in seiner Wahlheimat ist er tief verwurzelt. Im Kleinen Kulturforum hat er bereits einige seiner zahlreichen Karikaturen ausgestellt; eine weitere Ausstellung ist geplant. 

Zudem verbindet ihn mit vielen Werdohlern eine besondere Freundschaft, beispielsweise mit Pfarrer Martin Buschhaus und Mitgliedern der evangelischen Kirchengemeinde. „Deshalb habe ich für die Gemeinde und alle Werdohler eine Zeichnung angefertigt, die in die Weihnachtszeit passt. Es ist mein Abschiedsgeschenk“, sagt Dr. Altay, der tiefen Respekt vor dem christlichen Glauben hat.

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