Kickerinnen „sind alle zu 100 Prozent ehrgeizig“

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Volker Oßenberg erklärt Technik und Taktik des Fußballspiels, seine Schülerinnen haben sichtlich Spaß, das alles umzusetzen.

WERDOHL - „Mädchen spielen gerne Fußball – aber nicht mit Jungs zusammen. Die kicken, im Vergleich zu ihnen, „zu körperbetont“, berichtet Volker Oßenberg von dem, was „seine“ Mädels gar nicht so gerne haben. Da lag die Idee nahe, ein Fußballtraining ausschließlich für Nachwuchskickerinnen auf die Beine zu stellen.

Tatkräftige Unterstützung bekommt Oßenberg seit dem Start der FuRobic-Gruppe im September vergangenen Jahres von seiner Frau Eva. Sie übernimmt den Aerobic-Teil des Trainings, denn „es gibt nichts Besseres für die Koordination“, weiß das Trainerpaar.

Diese Erkenntnis sei sogar schon beim DFB angekommen. „Aerobic und Fußball passen vom Bewegungsablauf super zusammen. Auch für den Cool-Down. Das ist sogar wissenschaftlich untermauert worden. Allerdings ist Aerobic nicht ‚cool‘ – das ist das Problem“, beschreibt Volker Oßenberg, weshalb vor allem Jugendliche aber auch Senioren des Öfteren die Nase rümpfen, wenn Aerobic mit ins Spiel kommt.

Nicht so die Mädchen der FuRobic-Mannschaft – sie lieben Musik, Aerobic und Fußball und kommen somit während des etwa einstündigen Trainings voll auf ihre Kosten. Dass sich aus dem FuRobic-Schnuppertag im vergangenen Jahr mehr entwickeln würde hatten die Initiatoren Eva und Volker Oßenberg zwar gehofft, mit derartig viel Zuspruch dann aber doch nicht gerechnet.

„Von den elf Mädels des ersten Trainings sind immer noch acht dabei“, freut sich Volker Oßenberg. Vier „neue“ Fußballerinnen haben sich kurze Zeit später angemeldet. „Vor allem habe ich aber nicht mit einer derart großen Trainingsbeteiligung gerechnet“, gibt der Trainer zu.

In der FuRobic-Stunde powern jede Woche 90 Prozent des „Kaders“. Selbst Geburtstage müssen da schon mal hinten anstehen. „Mama, Papa, Oma und Opa mussten mit der Feier warten, bis unser Training zu Ende war“, erzählt Oßenberg über einen eifrigen Schützling.

Mittlerweile hat die Mädchenmannschaft eigene Trikots – zwar eher durch Zufall, aber doch so ganz im Sinne des Trainerpaars: „Wir haben von vornherein gesagt: ‚Wir sind alle gleich‘.“ Das dunkelgrüne Outfit war ursprünglich für eine Jungenmannschaft des TuS Versetal bestimmt. „Doch der komplette Trainingssatz wurde zu klein geliefert“, freuen sich Eva und Volker Oßenberg über das einheitliche Auftreten der Mädels.

Und die Spielerpässe, die demnächst eintreffen sollen, ermöglichen endlich eine Wettkampfteilnahme, auf die schon lang hingefiebert wird. „Wir melden uns aber erstmal nur für den Freundschaftsspielbereich“, so Volker Oßenberg. Die U-10-Mannschaft soll in Absprache mit anderen Mädchenteams ohne Verpflichtung oder Regelmäßigkeit in wettkampfähnlichen Situationen Spielpraxis sammeln können.

Erste spielerische Fortschritte lassen sich bereits erkennen, betont der Trainer. „Es hat schon was mit Fußball zu tun“, bescheinigt er seinen Kickerinnen. Die Taktik spielt allerdings noch eine untergeordnete Rolle. „Wir spielen auf Positionen, damit sich die Mädchen in allen Bereichen entwickeln können.“

Die ein oder andere gute Technikerin mit einem guten Auge hat Oßenberg in seiner Mannschaft bereits ausgemacht. Allerdings gibt er zu: „Wir wissen noch nicht, wo wir stehen.“ Als Verlierer vom Platz zu gehen, sei deshalb keine Schande. „Aus Niederlagen kann man viel lernen“, macht er deutlich und weiß um die wohl wichtigste Charaktereigenschaft seiner Mädels: „Sie alle sind zu 100 Prozent ehrgeizig.“

Von Susanne Riedl

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