Kettensägen-Streit: Opfer zeigt Gericht die kalte Schulter

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Der Verletzte aus Schalksmühle wurde mit einem Rettungshubschrauber in einer Spezialklinik nach Dortmund gebracht, wo Ärzte seine Hände und Unterarme retten konnten.

Werdohl - Kein Interesse am Strafverfahren gegen den Werdohler (38), dessen Motorsäge ihm am 23. Februar 2017 fast beide Arme abgetrennt hatte, zeigte das heute 55-jährige Opfer dieses dramatischen Geschehens

„Er hat sich gemeldet und mitgeteilt, dass er nicht kommen will“, sagte Richter Andreas Lyra am Montag im Strafverfahren. Der Werdohler wurde wegen fahrlässiger Körperverletzung zu einer Geldstrafe verurteilt

Wie erging es aber jenem Mann, der zunächst als sogenannter „Reichsbürger“ gehandelt worden war? Schon seine Begründung für das Nichterscheinen als Zeuge deutete eine ungewöhnliche Weltsicht an: Er habe kein Interesse an diesem Strafverfahren im Amtsgericht Lüdenscheid, ließ er das Gericht wissen. Das sei eine Frage der Zuständigkeit: Er werde stattdessen zu gegebener Zeit eine Schadensersatzklage vor dem High Court in London einreichen. 

Ein wacher Blick nach England

Einen wachen Blick nach England hatte er bereits im ersten Wortwechsel mit dem 38-Jährigen offenbart, der angerückt war, auf dem von seiner Frau ersteigerten Grundstück einen Jägerzaun abzusägen: Wenn dieser Zaun falle, falle auch Deutschland an den König von England, soll er gesagt haben, bevor er einen Gummiprügel aus dem Haus holte und auf den Angeklagten einschlug. 

Hubschrauber-Einsatz nach Streit

Ein Polizist erinnerte sich daran, dass der 55-Jährige „uns sehr häufig auf der Polizeiwache besucht hat“. Da habe er Erb-Ansprüche im Osten Deutschlands angemeldet und auf sein adliges Blut verwiesen. 

Der Beamte, der nach dem Notruf des Angeklagten noch vor den Rettungskräften vor Ort war, half entscheidend mit, dem 55-Jährigen das Leben zu retten. „Er hatte bereits sehr viel Blut verloren und stand unter Schock.“ Stücke eines Besenstiels übten den nötigen Druck auf die Schlingenverbände aus, mit deren Hilfe die Ersthelfer den Blutfluss aus den Armen stoppten. Ein Rettungshubschrauber brachte den 55-Jährigen in eine Spezialklinik in Dortmund, wo beide Arme wieder angenäht wurden. 

Heilung grenze an ein Wunder

Der Entlassbericht hielt den Erfolg dieser Bemühungen fest: „Es gelang, beide Unterarme und Hände zu erhalten“, lautete das Fazit. Die Heilung grenze an ein Wunder, bemerkte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Weil der Verletzte schon seit Jahren keinen Krankenversicherungsschutz hatte, gab es einen Spendenaufruf zur Begleichung der Arzt- und Krankenhausrechnungen. 

Das Desinteresse des 55-Jährigen an dem Strafverfahren nahmen die Richter zur Kenntnis und verzichteten auf eine Vorführung. Mittlerweile wohne der 55-Jährige in Süddeutschland, teilte der Vorsitzende mit.

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