Oase ostpreußischer Töpferei auf den Höhen Werdohls

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Im Wohnzimmerschrank stehen die fertigen Arbeiten Lasdehner Keramik. Das sind vor allem Tassen, Becher, Kännchen und Krüge, es gibt aber auch Spezialitäten wie zum Beispiel das Zwiebelglöckchen.

Werdohl - Kerstin Weber – geborene Wunderwald, verwitwete Warschun – pflegt seit Jahrzehnten das Erbe der einzigartigen Lasdehner Keramik. Ihre Werkstatt hat sie in Werdohl, am äußersten Südwestrand des Stadtgebietes.

Im ostpreußischen Lasdehnen gründeten zwei Frauen 1932 eine Keramik-Werkstatt für Geschirr mit ausgewählten Kornblumen-Mustern und tränenden Herzen. Weber ist heute die einzige Töpferin, die den originalen Lasdehnen-Stempel besitzt, hütet und benutzt. Ein Besuch bei der 54-Jährigen in ihrem Haus am Eschen fördert eine wunderbare Geschichte zutage.

Kerstin Weber stammt aus Lüdenscheid und interessierte sich schon als Jugendliche für das Malen und das Töpfern. Bei der VHS belegte sie bei Kurt Kornmann einen Kursus. Kornmann ist heute ein Nachbar von Weber, der frühere Lehrer lebt als freischaffender Künstler auf der Brenge.

Töpferausbildung und Fachabitur

Oft kam sie nicht an die einzige Töpferscheibe beim VHS-Kurs, doch das reichte zum Wunsch, daraus einen Beruf zu machen. Nach der mittleren Reife zog sie nach Rheinbach bei Bonn und absolvierte eine Ausbildung zur Keramikerin. „Ich sage heute lieber Töpferin, weil Keramik so nach Zahnarzt oder Sanitärbetrieb klingt“, lacht Kerstin Weber.

Nach der Ausbildung ging sie noch einen Schritt weiter und legte an den gewerblichen Schulen in Dortmund ihr Fachabitur für Design ab.

Schon zu dieser Zeit gab es erste Verbindungen zur Lasdehner Keramik. Großmutter und Mutter Wunderwald stammten aus Ostpreußen. Um die Erinnerung an die alte Heimat hochzuhalten, kauften sie immer mal wieder Gebrauchsgeschirr bei Renate Hohrath in Hagen.

Weiße Glasuren auf rotem Ton

Renate Vesper und Eva Danielczick waren Freundinnen, die im Jahre 1932 die originale Töpferei Lasdehnen gegründet hatten. Die beiden jungen Frauen stellten zunächst in der elterlichen Ziegelei Vasen, Becher, Töpfe, Schalen und Paartöpfe nach ostpreußischer Art her. Gebrauchsgeschirr für die Leute in der Umgebung war das, eine industrielle Fertigung gab es noch nicht.

Kerstin Weber an der Töpferscheibe, auf der die eigentliche Form des späteren Produkts entsteht.

Renate und Eva hatten Ausbildungen in Meißen und Bunzlau gemacht und waren schnell so weit, dass sie ihre Arbeiten in eigener Werkstatt zum Verkauf anbieten konnten. Die beiden entwickelten ihren eigenen Stil, die Lasdehner Keramik: Weiße Glasuren auf dem schönen roten Ton aus der Gegend, bemalt mit Motiven wie Kornblumen, tränenden Herzen, Elchen, Kurkähnen und Stinten.

Lasdehner Erbe nach Werdohl

Die Zeit in der eigenen Werkstatt dauerte nicht lange. Beide Frauen heirateten und zogen als Frau Hartmann nach Schwelm und als Frau Hohrath nach Hagen. Renate führte das Werk aus Lasdehnen in einer Hagener Wohnung weiter, wo die junge Kerstin Weber aus Lüdenscheid zum ersten Mal mit ihr in Kontakt kam. Als Renate Hohrath im Sterben lag, übergab sie ihre Werkstatt und ihr gesamtes Lasdehner Erbe – inklusive des einzigen Stempels – an die Töpferin aus dem Sauerland. „Meine damaligen Arbeiten kamen der Lasdehner Art am nächsten“, erzählt Kerstin Weber. Deshalb sei sie von Renate Hohrath als Erbin ausgewählt worden.

Keramik vom Lande

Seit mehr als 20 Jahren wohnt sie nun am sehr ländlichen Eschen auf den Höhen Werdohls. Aus reinem Hobby produziert sie auf Bestellung originale Lasdehner Keramik. Das meiste seien Geschenke oder Nachkäufe. Dazu hat sie eine eigene Linie namens „Keramik vom Lande“ entwickelt. 16 Jahre stellte sie beim jährlichen Museumsmarkt des ostpreußischen Landesmuseums in Lüneburg aus, bis sich der Aufwand nicht mehr lohnte.

Erstmals sind ihre Arbeiten im heimischen Raum bei einer Hobbykunstausstellung in Kierspe am 11. und 12. November zu sehen.

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