Martinsumzüge auf der Kippe

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Den Martinszug in Werdohl hat 2019 Stefanie Starbatty im Namen des Stadtelternrates organisiert. Auch in diesem Jahr möchte Starbatty den Umzug durchführen – allerdings mit einem durchdachten Hygienekonzept.

Werdohl/Neuenrade/Balve Sind Martinsumzüge in Zeiten der Corona-Pandemie vertretbar oder stellen sie ein zu großes Infektions-Risiko dar? Bei der Beantwortung dieser Frage kommen die Organisatoren solcher Veranstaltungen in Werdohl, Neuenrade und Balve zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Stefanie Starbatty ist zuversichtlich, dass sie die entsprechend Genehmigung erhält und der große Werdohler Martinsumzug stattfinden kann. Die Werdohlerin hatte die Organisation des Umzuges in der Innenstadt 2018 übernommen, nachdem die Verantwortlichen des Stadtmarketings angekündigt hatten, die Veranstaltung nicht mehr durchführen zu wollen. „Ich denke, es wird schon klappen“, sagt Starbatty im Gespräch mit der Redaktion. Sie unterstreicht: „Auch die Kinder haben in der Corona-Zeit schon auf so vieles verzichten müssen. Man kann ihnen doch nicht alles wegnehmen.“ 

Sie stecke bereits mitten in den Planungen für die Veranstaltung, berichtet die Werdohlerin. Selbstverständlich habe sie sich angesichts steigender Infektionszahlen viele Gedanken gemacht – auch wenn der Martinsumzug unter freiem Himmel stattfinde und das Risiko, sich mit dem Virus zu infizieren, deshalb ohnehin geringer sei als bei Veranstaltungen in geschlossenen Räumen.

„Ich möchte die Jugendfeuerwehr mit ins Boot holen.“ Diese könne mit auf die Wahrung der Mindestabstände achten. Die Teilnehmerzahl zu begrenzen, das sei dagegen praktisch nicht umsetzbar. „Ich stelle mir vor, dass die Teilnehmer in Zehnerblöcken im Zug mitgehen könnten.“ Die Abstände von 1,5 Metern müssten eingehalten werden, und auch das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes sei für Erwachsene und Kinder ab sechs Jahren Voraussetzung, um dabei sein zu dürfen. 

Für Martinsbrezeln möchte die Werdohlerin ebenfalls sorgen. Sie verspricht: „Es gibt Brezeln – und wenn ich sie selbst backen muss.“ Zwei mögliche Termine hat Stefanie Starbatty für den Martinszug im Blick: den 7. oder den 14. November, jeweils ein Samstag. 

Dagegen ist beispielsweise der Martinsumzug in Eveking abgesagt. „Aufgrund der Corona-Pandemie haben wir uns dazu entschlossen, auf die Veranstaltung zu verzichten“, sagt Helma Neuberger, die Leiterin der Kita St. Bonifatius. Für die Mädchen und Jungen der Einrichtung sei aber ein besonderes Angebot rund um den Martinstag am 11. November geplant. „Wir sind allerdings noch in den Planungen“, so Neuberger. Mit dem Laternenbasteln haben die Kinder dagegen bereits begonnen. 

Auch im Gemeindehaus der Christuskirche soll gebastelt werden. Die EC Jungschar sowie das Teams der Kindergottesdienst der Evangelischen Kirchengemeinde Werdohl möchten außerdem einen Laternenumzug in Kleingruppen anbieten. Am Samstag, 7. November soll von 16 bis 19 Uhr am und im Gemeindehaus ein Nachmittag mit Spielen, einer Geschichte, Laternenbasteln, und einem kleinen Umzug stattfinden. Auch Martinsbrezeln soll es geben. Eingeladen sind alle Kinder im Alter von drei bis zwölf Jahren, die für diesen Zeitraum ohne einen Erziehungsberechtigten in ihrer Gruppe bleiben können. 

Wichtig für das Planungsteam ist eine verbindliche Anmeldung unter kigo@ekg-werdohl.de mit Angabe des Namens, der Adresse, der Telefonnummer eines Erziehungsberechtigten, des Alters des Kindes sowie möglichen Unverträglichkeiten. Eine Mund-Nase-Bedeckung sowie der Teilnehmerbeitrag in Höhe von einem Euro müssen dann am 7. November mitgebracht werden. 

In Neuenrade werden in diesem Jahr keine Martinsumzüge stattfinden. „Ich habe im Vorfeld Gespräche mit allen Organisatoren geführt“, berichtet Bürgermeister Antonius Wiesemann, der das Thema quasi zur Chefsache erklärt hat. „In Zeiten steigender Infektionen dürfen wir nichts riskieren. Es wäre einfach zu schwierig, den Mindestabstand sicherzustellen“, erklärt das Stadtoberhaupt. Das habe er den Entscheidungsträgern – auch den Organisatoren der Umzüge in den Ortsteilen – vermitteln können. 

Von einem Umzugs-Verbot könne aber nicht die Rede sein. „Alle waren einsichtig. Würde aber ein Antrag für einen Umzug vorliegen, müssten wir genau überlegen, ob wir das genehmigen würden.“ Wiesemann bedauert, dass auch dieser Verzicht notwendig sei. „Für die kleinen Kinder ist es eine große Enttäuschung. Aber in den einzelnen Kindergartengruppen kann ja etwas für die Mädchen und Jungen geplant werden. Dennoch: Es fällt uns allen schwer, aber wir müssen vernünftig sein.“ 

Die CDU-Frauenunion, die traditionell den größten Umzug in der Hönnestadt organisiert, hatte sich schon Anfang des Monats entschieden: „Angesichts der steigenden Zahlen möchten wir nicht dafür verantwortlich sein, dass sich womöglich jemand ansteckt“, unterstreicht die Vorsitzende Kristina Jürgens. „Wir geben ja traditionell auch Brezeln und Punsch aus, dadurch wäre das Ganze nicht einfach geworden.“ 

In Balve und Garbeck ist das letzte Wort zum Thema Martinsumzüge noch nicht gesprochen. Nachdem der Männergesangverein Amicitia Garbeck erklärt hatte, die Verantwortung für die Organisation des Umzugs in Garbeck nicht übernehmen zu wollen, könnten andere einspringen: Der Familienliturgiekreis, der Musikverein Amicitia und die Feuerwehr überlegen, ob sie gemeinsam ein Konzept auf die Beine stellen können, dass der außergewöhnlichen Situation gerecht wird. Der Männergesangverein hat für diesen Fall Unterstützung zugesagt. 

Von der St.-Sebastian-Schützenbruderschaft, die den Umzug in Balve organisiert, war zu erfahren, dass man sich mit einer Entscheidung schwer tue und zunächst die weitere Entwicklungen abwarten wolle.

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