Keine Tiere unterm Baum: Tierschutzverein vermittelt nicht über Weihnachten

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Brigitte Meinen (links) und Marlies Ruth (rechts) vom Tierschutzverein schauen ganz genau hin, wenn kurz vor Weihnachten noch jemand eine Katze oder ein anderes Tier „adoptieren“ möchte.

Werdohl - Der Weihnachtsbaum ist schön geschmückt, die Geschenke werden ausgepackt und eine kleine süße Katze kommt zum Vorschein – für viele Kinder wäre der Stubentiger das schönste Geschenk. Doch wenn dann das Katzenklo regelmäßig gesäubert werden muss und sich die nun schon etwas größere Mieze nicht immer streicheln lassen möchte, landet das Tier häufig wieder im Tierheim. Um das zu verhindern, hat der Tierschutzverein Werdohl-Neuenrade einen Vermittlungsstopp über Weihnachten eingeführt.

Gibt es auch Ausnahmen?

„Es gibt grundsätzlich keine Katzen von uns als Weihnachtsgeschenke“, stellt Marlies Ruth, Vorsitzende des Tierschutzvereins fest. Der Vermittlungsstopp könne in Einzelfällen jedoch aufgehoben werden. So gebe es Menschen, die nicht viel Wert auf Weihnachten legen und bei denen daher nicht viel Trubel an den Feiertagen sei. „Wenn man sich gerade in dieser Zeit Urlaub nehmen kann, damit sich die Katze eingewöhnen kann“, dann sei das etwas anderes, sagt Ruth. Mit Vermittlungen am Jahresende, die lediglich zufällig in diesen Zeitraum gefallen seien, habe der Verein generell gute Erfahrungen gemacht. Komme nun allerdings eine große Familie mit Kindern, müsse der Tierschutzverein die angehenden Tierhalter bis nach Silvester vertrösten. „Der Lärm ist auch viel Stress für die Katzen“, erklärt Brigitte Meinen, Geschäftsführerin des Vereins.

Kann man ein Tier „reservieren“?

Angst, dass man ein Tier ins Herz schließt und es durch den Vermittlungsstopp dann nicht bekommt, muss jedoch niemand haben. „Wir lassen die Leute noch kommen, sie können die Tiere kennenlernen und auch für die Zeit nach den Feiertagen reservieren. Vermittelt werden sie aber nicht über Weihnachten“, sagt Ruth.

Bringt die Maßnahme denn etwas?

Den vielen Vorsichtsmaßnahmen hat es der Tierschutzverein vielleicht auch zu verdanken, dass kurz nach Weihnachten nicht mehr Tiere als üblich abgegeben werden. „Das verteilt sich eher über das ganze Jahr“, sagt Brigitte Meinen. Wenn das Tier ein Notfall sei und schnell abgegeben werden müsse, sei auch eher ein Tierheim die erste Anlaufstelle. Schutzverträge schließe der Verein jedoch ab. Das bedeutet „wenn ein Tier von uns vermittelt wird muss es, falls mal etwas sein sollte, auch wieder bei uns abgegeben werden“, erklärt Meinen.

Dafür, dass Tiere abgegeben werden, zeigen die Vorsitzende und die Geschäftsführerin des Vereins wenig Verständnis. „Es war noch niemand dabei, der sein Tier unter Tränen abgegeben hat. Die meisten machen es sich scheinbar leichter als es für mich ist“, glaubt Marlies Ruth. Auch Brigitte Meinen betont: „Wenn ich ein Tier habe und umziehe, achte ich doch darauf, dass das Tier in der neuen Wohnung auch noch erlaubt ist.“

Wer betreut die Tiere über Weihnachten?

Dennoch werden immer wieder Tiere abgegeben, die dann in der Auffangstation oder in Pflegestellen versorgt werden müssen. Insgesamt kümmert sich der Verein momentan um 15 Katzen und vier Hasen.

Nach Weihnachten würde sich auch Kater Nando über ein Zuhause freuen. Seine Fellfarbe ist laut Marlies Ruth nicht beliebt, weshalb er schon lange im Tierheim wartet.

Betreut werden die Katzen in der Auffangstation von vielen Helfern, die auch über die Feiertage ihre normalen Schichten antreten. „Jeder hat da seinen festen Tag“, erklärt Ruth. An den Feiertagen gebe es allerdings keine Besonderheiten für die Tiere. „Die Zeit, um sich um die Tiere zu kümmern, ist viel wichtiger als Geschenke oder ein Leckerli“, findet die Vorsitzende.

Wie kann man sich im Tierschutzverein engagieren?

Wie viele andere Vereine ist auch der Tierschutzverein auf der Suche nach neuen Unterstützern. „Wer helfen möchte, wird von uns zunächst angelernt. Viele kommen aber schon nach ein paar Besuchen nicht mehr wieder“, bedauert Ruth.

Wie kann man sonst noch helfen?

Neben Helfern werde momentan besonders Futter benötigt. „Die Futterspenden haben seit etwa einem Jahr nachgelassen, das beklagen auch andere Tierschutzvereine“, sagt die Vorsitzende. Spenden können in den Futterboxen im WK-Warenhaus in Werdohl und im Hagebaumarkt und Rewe in Neuenrade abgegeben werden. Auch Geldspenden hätten nachgelassen, sagt Ruth: „Wir haben zwar unsere festen Spender aber es war auch schon mal mehr.“ Deshalb freut sich der Verein umso mehr über eine vorweihnachtliche Überraschung. „Eine Helferin hat Schlüsselbänder genäht und den Erlös gespendet. Davon konnten wir neue Kratzbäume und Stoffhäuser anschaffen“, erzählt Ruth von einem frühen Weihnachtsgeschenk.

www.tierschutzverein-werdohl-neuenrade.de

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