Keine Nachtruhe durch Lastwagen: Familie Hübner mit Nerven am Ende

+
Thomas Hübner steht auf dem Balkon seinen Wohnhauses an der Feldstraße und blickt auf den Firmenkomplex Im Ohl. Durch dessen Lage im Talkessel sind sogar Unterhaltungen, die dort auf dem Parkplatz geführt werden, in der Feldstraße zu hören.

Werdohl - „Wir sind mit den Nerven am Ende. Wenn man keine Nacht mehr in Ruhe schlafen kann, geht das an die Substanz“, sagt Thomas Hübner.

Der Werdohler wohnt mit seiner Frau Stephanie und Tochter Ann-Kathrin an der Feldstraße – und ärgert sich über Lastwagenfahrer, die nachts auf den Freiflächen des Firmenkomplexes Im Ohl rangieren oder den Motor laufen las sen. 

„Wir haben schon viele Gespräche geführt. Es ist nichts passiert, und jetzt wissen wir nicht mehr weiter“, erklärt Thomas Hübner, der sich deshalb hilfesuchend an die Redaktion dieser Zeitung gewandt hat. Der Werdohler erzählt: „Lastwagenfahrer, die zu Firma Menshen oder zu Firma Fahrner wollen und ankommen, wenn dort schon Feierabend ist, fahren auf das Gelände. Einige übernachten dort. Jede Nacht hört man Motorenlärm und den lauten Piepton, wenn die Lastwagen zurücksetzen. Es kommt auch vor, dass Fahrer eine halbe Stunde lang den Motor laufen lassen.“ 

Jede Nacht Motorenlärm 

Das kleine Schild auf dem Menshen-Gelände, das auf ein Parkverbot hinweise, sei nutzlos: „Einige der Fahrer, die nicht aus Deutschland kommen, können es gar nicht lesen, andere ignorieren es“, hat Hübner festgestellt. Er ärgert sich: „Das ist weder eine Raststätte noch ein Campingplatz.“ 

Dass es tagsüber zu Lärmbelästigung für die Anwohner komme, daran habe sich die Familie gewöhnt. „Im Ohl wird gearbeitet und durch die für uns ungünstige Lage der Firmen im Talkessel hören wir bei gekipptem Fenster sogar ganz deutlich, wenn sich auf dem Parkplatz Personen unterhalten“, beschreibt Thomas Hübner – und erinnert an eine Anwohnerkampagne im Jahr 2014. Damals hatten sich mehrere Werdohler zusammengetan und sich beschwert, dass es auf dem Menshen-Schrottplatz zu laut sei. Geschäftsführer Lutz Menshen hatte daraufhin auf eigene Kosten ein Gutachten in Auftrag gegeben – darin wurde bestätigt, dass die entsprechenden Grenzwerte eingehalten werden. 

Hübners wollen sich mit Störungen nicht abfinden

Mit den nächtlichen Störungen möchten sich die Hübners aber nicht abfinden. „Anfangs kam nur hin und wieder ein Lastwagen. Es war ein schleichender Prozess“, beschreibt Thomas Hübner die Entwicklung, die schließlich unter anderem zur Kontaktaufnahme mit der Bürgermeisterin, der Bezirksregierung und den Verantwortlichen der betroffenen Unternehmen geführt habe. „Alle haben Verständnis geäußert“, erklärt Hübner. Lutz Menshen habe alle betroffenen Unternehmen angeschrieben, um klarzustellen, dass nach 22 Uhr kein Lastwagen mehr auf dem Gelände fahren darf. „Aber genutzt hat das alles nichts.“ 

Lutz Menshen hat schnell reagiert 

Das bedauert Lutz Menshen. Er sagt: „Natürlich nehmen wir die Beschwerde ernst und haben schnell reagiert.“ Der Redaktion liegt das Schreiben vor, das der Unternehmer an alle Speditionen und Selbstabholer geschickt hatte, mit denen er zusammenarbeitet. Auf einer Karte ist der Seitenstreifen genau eingezeichnet, den die Fahrer für Ruhepausen zwischen 18 und 6 Uhr nutzen sollen. Weiter heißt es: „Aufgrund von Lärmschutz darf auf oder in der Nähe unseres Betriebsgeländes kein Motor in diesem Zeitraum laufen oder gestartet werden.“ Der Seitenstreifen direkt an beziehungsweise vor dem Betriebsgelände könne nur bis 18 oder ab 6 Uhr genutzt werden. 

Dieses Foto hat Thomas Hübner am späten Abend aufgenommen: Mehrere Lastwagen parken auf dem Gelände Im Ohl.

„Mehr können wir nicht machen“, sagt Menshen – und weist darauf hin, dass Lkw-Fahrer grundsätzlich überall dort parken dürften, wo kein Parkverbot oder ein spezielles Parkverbot für Lastwagen bestehe – also theoretisch auch direkt am Straßenrand im Wohngebiet. „Außerdem kann ich mir nicht vorstellen, dass viele der Fahrer, die über Nacht hier bleiben, zu uns wollen“, erklärt der Firmenchef. Er begründet seine Vermutung: „Die meisten Spediteure, die mit der Firma Menshen zusammenarbeiten, erreichen Werdohl innerhalb von einer Stunde Fahrzeit. Da lohnt sich keine Übernachtung.“ 

Bürgermeisterin zeigt sich überrascht

Der Geschäftsführer der Firma Fahrner, Axel Jakobi, war trotz mehrfacher Anfrage für die Redaktion nicht zu erreichen. 

Bürgermeisterin Silvia Voßloh zeigte sich verwundert, dass sich die Familie jetzt an die Zeitung gewandt hat. „Wir haben im April 2016 das letzte Gespräch geführt.“ Daraufhin sei ein nächtliches Parkverbot erlassen und die Beschilderung entsprechend geändert worden. „Danach haben wir nichts mehr gehört und dachten, das Problem wäre aus der Welt geschafft“, sagt Voßloh.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare

Ab dem 25.5.2018 gilt die Datenschutzgrundverordnung. Dazu haben wir unser Kommentarsystem geändert. Um kommentieren zu können, müssen Sie sich bei unserem Dienstleister DISQUS anmelden. Sollten Sie zuvor bereits ein Profil bei DISQUS angelegt haben, können Sie dieses weiter verwenden. Nutzer, die sich über den alten Portal-Login angemeldet haben, müssen sich bitte einmalig direkt bei DISQUS neu anmelden.