Aufklärung statt Zwang

Impfpflicht für Kinder? So sieht es in Werdohler Kitas aus

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Schutzimpfung für Kinder

Werdohl – In Werdohl dürfen alle Kinder in die Kita - ob geimpft oder nicht. Dennoch schauen sie den Eltern genau auf die Finger.

Fünf Essener Kindertagesstätten in privater Trägerschaften nehmen nur noch Kinder auf, die einen Impfschutz vorweisen können, der von der ständigen Impfkommission (Stiko) des Robert-Koch-Institutes empfohlen wird. Eltern, die ihren Nachwuchs dort anmelden wollen, müssen den Impfpass vorlegen. 

Für diese Entscheidung hat die Betreiberin bundesweit viel Lob geerntet. Aber auch Kritiker melden sich zu Wort. Denn bisher gibt es in Deutschland keine Impfpflicht. 

Kitas in Werdohl setzen auf Aufklärung

In Werdohl verzichten die Träger der Kindertagesstätten auf Zwang – und setzen weiterhin auf Aufklärung. „Wir können aus unserem Selbstverständnis heraus keine Impfpflicht einführen, da es diese auch bundesweit nicht gibt. Bei uns gilt weiterhin die Selbstbestimmung der Eltern“, betont Iris Diedenhofen vom Zweckverband Katholischer Kindertageseinrichtungen im Bistum Essen. 

Allerdings werde in den katholischen Kitas St. Michael und St. Bonifatius in Werdohl vor der Aufnahme der Kinder überprüft, ob die Eltern eine Impfberatung in Anspruch genommen haben. „Diesen Nachweis können die Kitas aus den vorgelegten Daten der gelben Untersuchungshefte entnehmen“, sagt Diedenhofen. 

Ist kein Nachweis vorhanden, müssen sich Eltern beim niedergelassenen Kinderarzt oder beim Gesundheitsamt beraten lassen. „In diesen seltenen Fällen meldet die Kita-Leitung nach Paragraph 34 Infektionsschutzgesetz die fehlende Impfberatung dem Kinder- und Jugendärztlichen Dienst.“ 

Problematische Fälle sind nicht bekannt

Das Gesetz zum Schutz übertragbarer Erkrankungen mit erweiterter Meldepflicht, dass eine Impfberatung vor dem Kita-Eintritt vorschreibt, wurde am 1. Juni 2017 vom Bundestag verabschiedet und trat am 25. Juli 2017 in Kraft. 

Auch in den Einrichtungen des Unterbezirks der Arbeiterwohlfahrt (Awo) – unter anderem in der Kita Sonnenschein in Pungelscheid – wird dieses angewandt. Awo-Fachberatung Tina Reers erklärt: „Wir als Kindertageseinrichtung sind nach dem Infektionsschutzgesetz verpflichtet, die Eltern über die Wichtigkeit eines vollständigen Impfschutzes beim Kind aufzuklären.“ 

Der Awo-Unterbezirk betreibt im Märkischen Kreis und in Hagen insgesamt 26 Kitas. Im Rahmen der Aufnahmegespräche komme es vor, dass unvollständige Impfpässe vorgelegt würden. „Manchmal haben Eltern die Nachimpfung vergessen und sind für eine Erinnerung dankbar“, stellt Reers fest. Eine grundsätzliche Impfpflicht bestehe in den Awo-Kitas nicht, problematische Fälle seien nicht bekannt. 

Impfberatung in die Wege geleitet

Auch im evangelischen Familienzentrum Arche Noah und in der Kita Sternschnuppe werde jedes Kind auf genommen, betont Pfarrer Dirk Grzegorek. Auch dort wird gegebenenfalls die Impfberatung in die Wege geleitet. Sollten beispielsweise Masern auftreten, müsse jedes Kind, das nicht dagegen geimpft ist, 16 Tage zu Hause bleiben, erklärt Grzegorek. 

Kirsten von der Crone, Leiterin des Werdohler Jugendamtes, hat sich intensiv mit dem Thema befasst. Sie verweist auf ein umfangreiches Rechtsgutachten des Deutschen Institutes für Jugendhilfe und Familienrecht (DIJuF). Darin heißt es unter anderem: „Der Träger der öffentlichen Jugendhilfe ist verpflichtet, Kindern bei Bedarf Betreuungsplätze unabhängig von durchgeführten Impfungen zur Verfügung zu stellen.“ Selbstverständlich werde auch in den städtischen Kitas der Impfstatus kontrolliert, und im Zweifel sei eine Impfberatung erforderlich.

„Wenn die Eltern ihr Kind aber trotz Beratung nicht impfen lassen wollen, müssen wir das akzeptieren – und nehmen das Kind trotzdem auf“, sagt sie. Allerdings würden dann die Eltern aller Kinder der betroffenen Einrichtung schriftlich darüber informiert, dass ein Kind ohne Impfschutz aufgenommen wird. „Das ist beispielsweise auch für Schwangere wichtig, wenn sie ihre Kinder bringen oder abholen“, stellt die Jugendsamtsleiterin fest. Der Name des betroffenen Kindes werde aus Datenschutzgründen aber nicht genannt.

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