Innovative Ansätze

Keine Gottesdienste: So reagieren die Kirchen in Werdohl und Neuenrade

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Die Evangelische Kirchengemeinde Werdohl wird ab Sonntag ermutigende Gebete, Gedanken und Musik über verschiedene Kanäle im Internet verbreiten. Pfarrer Dirk Grzegorek hat dazu schon Texte im Gemeinderaum der Friedenskirche in die Kamera eingesprochen. Ehrenamtliche helfen bei der digitalen Verbreitung.

Werdohl/Neuenrade – Ungewöhnliche Wege in Corona-Zeiten gehen die Protestanten in Werdohl: Pfarrer Dirk Grzegorek, der CVJM in Werdohl und ein Team von Ehrenamtlichen gehen ab Sonntag mit einem eigenen Gottesdienst-Kanal online.

Die ersten Gebete und Texte sind schon eingesprochen. 

Mit Hilfe eines Teams von technisch versierten jungen Erwachsenen und Experten aus dem IT-Bereich stellt die Kirchengemeinde seit Anfang der Woche Mut machende Video-Beiträge mit christlichen Inhalten zusammen. Diese Botschaften sollen ab Sonntag zur üblichen Gottesdienst-Zeit auf der Video-Internetplattform Youtube veröffentlicht und über die Social-Media-Kanäle wie Facebook und Instagram verbreitet und geteilt werden. 

Im Gemeinderaum der Friedenskirche hat sich bereits ein kleines Team unter Einhaltung der Hygienevorschriften getroffen, um Dirk Grzegorek in Wort und Bild aufzunehmen. Vier Musiker, der Pfarrer, ein Bild- und ein Tontechniker haben Abstand gehalten und die ersten Aufnahmen gemacht. Grzegorekt hat Mut machende Worte und einen Teaser formuliert, dazu sollen noch Gebete vorgetragen werden. 

Interviews, Lesungen und Musikstücke

Der Inhalt soll am Sonntag ab 10.30 Uhr erstmals gestreamt werden, allerdings nicht live. Dieses Video soll immer wieder aktualisiert und erneuert werden. In Form von Interviews, Lesungen oder Musikstücken wollen die Protestanten vor allem eines: Mut machen. 

Außerdem baut die Evangelische Kirchengemeinde ein bereits bestehendes Gebetsnetzwerk weiter aus, um Gebetsanliegen abzustimmen. Die Idee ist, dass mit dem Mittagsläuten Christen ein gemeinsames Gebet sprechen, wo immer sie auch gerade sind. So könne eine Gebetsgemeinschaft entstehen, ohne dass sich die Menschen körperlich nahe kommen. 

Telefonische Seelsorgekontakte

Zudem organisiert die Kirchengemeinde telefonisch Seelsorgekontakte. Bereits bestehende E-Mail-Kontaktlisten werden benutzt, um Personen zu erreichen, die ihr Haus nicht verlassen dürfen und dennoch Seelsorge benötigen. Trotz geschlossener Kirchen und Gemeindehäuser und ohne Versammlungsmöglichkeiten der Gemeinde und ihrer Gruppen begreift Dirk Grzegorek seines Arbeitsauftrag als Hirte: „Meine Aufgabe als Pastor ist, die Herde auf ihrem Weg zu begleiten.“ 

Die Gemeinde sei gut vernetzt und technisch gut aufgestellt. Begeistert sei er von der Einsatzbereitschaft der Jüngeren, die Botschaft per Internet zu verbreiten: „Das ging ratzfatz, dass wir auf Social Media online waren.“ Viele Anregungen habe er sich bei „Kirche im Pott“ geholt. Das neue Angebot richte sich aber nicht nur an die jüngere, internetaffine Generation: „Das darf auch gerne die ältere Generation für sich entdecken.“ Auch die Evangelische Kirche von Westfalen mache viele digitale Angebote in Corona-Zeiten. 

Seniorenzentren kontaktlos erreichen

Die Gemeinde versuche auch, die Seniorenzentren kontaktlos zu erreichen. Hier könne vielleicht etwas über die Audioanlagen der Häuser übertragen werden, denkbar sei auch die Verbreitung von Gebetsanliegen in Papierform. 

Und noch eine Sache ist für Grezgorek klar: „Nach dem Aktionismus der ersten Tage müssen wir uns jetzt bereit machen, auf die längere Strecke zu gehen.“ 

Beerdigungen unter Corona-Bedingungen

Pfarrer Buschhaus von der Evangelischen Kirchengemeinde hat heute die ersten zwei Beerdigungen unter Corona-Bedingungen zu betreuen. Die Vorgaben für Bestattungen kommen vom Evangelischen Friedhofsverband Lüdenscheid-Plettenberg. Geschäftsführer Detlev Trester hat auf Anweisung der Landesregierung Trauerhallen und Grabkammern geschlossen, die Friedhöfe sind allerdings weiterhin geöffnet. Trester: „Ich habe nicht das Recht, Menschen von den Gräbern fern zu halten.“ 

Trester ist auch für die Friedhöfe in Werdohl und Neuenrade zuständig. Eine offene Aufbahrung ist natürlich nicht mehr möglich, die Bestatter bringen und holen Sarg oder Urne aus den Gebäuden. Eine Beschränkung durch Benennung einer genauen Personenzahl am Grab gibt es bei den evangelischen Friedhöfen nicht. Trester spricht vom „engsten Familienkreis“ und überlässt die genauere Ausgestaltung der Verantwortung von Bestattungsunternehmen und Geistlichen. 

Nur zwei oder drei Angehörige

Pfarrer Buschhaus hat die ersten Erfahrungen gemacht: Bei den beiden Urnenbestattungen werden jeweils er und der Bestatter sowie zwei oder drei Angehörige am Grab stehen. „Die Angehörige haben Verständnis für die Situation gezeigt.“ Für alle sei es eine unangenehme Situation, aber er denke, dass auch mit diesen geringen Mitteln ein würdevoller und einigermaßen erträglicher Abschied von den Verstorbenen möglich sei. 

Die katholische Pfarrei St. Michael geht eher in die Innerlichkeit. Die vier Franziskaner-Minoriten feiern einmal am Vormittag – ohne Publikum – in der Pfarrkirche die Eucharistie für alle Betroffenen der Corona-Krise. Nur für das Sterbesakrament verlasse einer der drei Priester Irenäus, Kamil oder Paul-Maria das Kloster: „Sonst gehen wir nirgendwo hin.“ Das Gemeindeblatt „Einblick“ werde nicht gedruckt, die Internetpräsenz der Pfarrei sei in der Umbauphase. Die Gemeinde sei nicht in der Lage, qualitativ ausreichende Video-Botschaften zu produzieren: „Ich halte keinen Vortrag vor der Kamera.“ Wojtko verweist auf die Angebote des Bistums. 

Fastentag zur Corona-Krise

Am 24. März wollen die Brüder im Kloster einen Fastentag zur Corona-Krise veranstalten. Es soll dabei um Solidarität mit Kranken und Opfern gehen.

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