Kein Safari-Urlaub in Tansania

Pfarrer Dirk Grzegorek (links) und Daniel Hüsmert freuen sich auf ihre Reise nach Tansania. Das kisuahelische Wort Mchungaji auf Grzegoreks Namensschild heißt zu Deutsch Pfarrer.

WERDOHL ▪ Außerhalb Europas waren sie beide noch nie. Doch am 3. Juli machen sich Pfarrer Dirk Grzegorek und sein Gemeindemitglied Daniel Hüsmert auf den Weg nach Tansania. „Das Kribbeln im Bauch wird stärker“, gibt Hüsmert zu. Von Michael Koll

Auch der evangelische Geistliche räumt ein: „Ich habe riesigen Respekt vor der Reise. Aber Angst habe ich keine.“ Er schmunzelt: „Meine hohen Ansprüche an sanitäre Anlagen werde ich dort wohl zurückschrauben müssen.“

Ende 2010 entschied sich Grzegorek zu der Reise, denn zwischen dem Evangelischen Kirchenkreis Lüdenscheid-Plettenberg und dem im tansanischen Missenye besteht seit 1984 eine Undugu, was das kisuahelische Wort für Partnerschaft ist.

Im Frühjahr vergangenen Jahres besuchte Hüsmert einen Polterabend. Dort traf er auf Grzegorek und Ta Festo Paulo, den Leiter des M.O.S.S.-Projektes – einem Schülerstipendienfonds in Missenye. „Ich habe nicht einmal eine Minute überlegt, dann war klar: Ich fahre mit.“

Hüsmert ist merklich aufgeregt. Der 25-jährige Student der Angewandten Informatik freut sich „auf eine ganz andere Kultur. Eine solche Gelegenheit bekommt man ja nicht alle Tage.“ Mit den beiden reisen werden die 20-jährige Sarah Tripp aus Plettenberg und Jessica Kriegesmann aus Lennestadt-Kirchhundem. Die 32-Jährige war bereits vor vier Jahren einmal in der tansanischen Partnergemeinde.

Grzegorek verspürt „eine Sehnsucht nach Afrika“. Der Handy-Verweigerer hat sich für den Trip aber schon ein Mobiltelefon besorgt. Darüber hinaus will er mit seiner Familie in Werdohl über Skype Kontakt halten.

Viel Zeit wird ihm dazu nicht bleiben: „Wir machen keinen Safari-Urlaub“, weiß der Pfarrer. „Uns erwarten dreieinhalb Wochen straff organisiertes Programm.“ Die fünf Hauptgemeinden von Missenye werden sie besuchen und einen Großteil der 33 Filialgemeinden. Zudem überprüfen sie in Tansania den Fortgang der Förder-Programme. So werden etwa Solarkollektoren installiert, damit nächtliche Geburten nicht mehr – wie bis vor Kurzem noch – im Lichtschein einer Kerze oder mit einer Petroleumlampe durchgeführt werden müssen.

Untergebracht werden die vier Sauerländer in unterschiedlichen Gastfamilien. „Damit wir die psychische Belastung minimieren“, erläutert Hüsmert, „haben wir uns vorgenommen, uns wenigsten einmal am Tag zu viert zu treffen.“

Das Sauerland sei Grzegorek vertraut. Neugierig sei der Pfarrer nun auf „die anderen Gemeinde-Strukturen in Tansania. Mit diesen Erfahrungen möchte ich einen kritischen Blick auf die Kirche hier in Deutschland werfen“. Viele, die schon einmal in Afrika gewesen seien, hätten ihm prophezeit: „Du wirst verändert zurück kommen.“

Wie einschneidend so ein Erlebnis sein kann, hat Grzegorek im vergangenen Jahr mit ansehen können. Da war Adonia, ein Farmer aus Missenye, für eine Woche zu Gast bei ihm im Pfarrhaus: „Der hatte so eine Bescheidenheit und Unsicherheit.“ So sei der afrikanische Gast überrascht gewesen, „jeden Tag duschen zu dürfen, ohne zu überlegen, woher das Wasser kommt“.

Hüsmert und Grzegorek wünschen sich, das Leben in Tansania durch eigene Erfahrung kennen zu lernen. So wollen sie gerne auf einer Bananenplantage mit anpacken oder eine Unterrichtsstunde in einer Schule selbst geben.

Los geht es für Hüsmert und Grzegorek am 3. Juli, 11 Uhr, ab Frankfurt. Das Flugzeug landet am 4. Juli, 14.50 Uhr, in Bukoba, der Hauptstadt der Region Missenye.

Missenye

Tansania liegt in Ostafrika und ist bei einer Fläche von 945 000 Quadratkilometern etwa drei Mal so groß wie Deutschland. Rund 40 Prozent der 33 Millionen Einwohner sind Christen. Der Kirchenkreis Missenye befindet sich westlich des Viktoriasees. Der Sitz befindet sich in der Stadt Bukoba. Das Gebiet ist belastet durch Unruhen in den Nachbarländern Ruanda und Burundi. Die Bevölkerung gehört zum Volk der Haya. Kihaya ist ihre Muttersprache. Kisuaheli, die offizielle Landessprache, beherrschen nicht alle von ihnen. Viele arbeiten in den Shambas, den Bananenplantagen. Alle zwei Jahre gibt es Besuche zwischen den Partnerkirchenkreisen.

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