Kein Gemahl für den König

Das Versetaler Königspaar Bastian und Annika Häring feierten im vergangenen Jahr nach alter Tradition.

WERDOHL ▪ Auch wenn die beiden Schützenvereine in Werdohl nicht dem Bund der historischen Deutschen Schützenbruderschaften angehören – einen schwulen Schützenkönig, der mit seinem Lebensgefährten den Thron besteigt, können sich die Grünröcke in der Stadt an Lenne und Verse nicht vorstellen.

„Bei uns gehört zum König auch eine Königin. Diese Tradition wollen wir beibehalten“, sagte der Vorsitzende des Versetaler Schützenvereins, Manfred Kehr, auf Anfrage unserer Zeitung.

Wenn bekannt würde, dass ein homosexueller Schützenbruder auf den Vogel schießen wolle, würde der Verein darauf bestehen, dass der Regent eine weibliche Mitregentin auswähle, so Kehr weiter. In seinem Verein sei darüber noch nicht diskutiert worden. „Ich hoffe, dass das bei uns auch kein Thema wird“, erklärte Kehr.

Der Verein sei grundsätzlich liberal eingestellt: „Bei uns sind Frauen gleichberechtigt und dürfen mit um die Königswürde schießen. Aber gewisse Regeln gibt es eben auch bei uns“, gibt der Vorsitzende der Grünröcke aus dem Versetal zu bedenken. Die sexuelle Neigung seiner Mitglieder interessiere ihn nicht. Jeder könne König werden. Nur bei der Wahl der Königin sollte die Tradition aufrecht erhalten werden.

Andreas Schreiber, Vorsitzender der Werdohler Schützenvereins, sieht das ähnlich, auch wenn die neue Majestäten nach der Vereinstradition nicht ihre jeweiligen Partnerin zur Mitregentin wählen dürfen.

„Wer sich in einem Traditionsverein engagiert, der sollte nicht an diesen Traditionen rütteln“, sagt Schreiber. Er findet es übertrieben, dass die Frage bezüglich eines schwulen Königspaares vom Verband der historischen Deutschen Schützenbruderschaften geregelt wurde. Nach Schreibers Meinung sollten die Vereine selbst entscheiden, ob sie ihre zum Teil Jahrhunderte lange Tradition an die Gegebenheiten anpassen. Das sollte sich kein Schützenverein von einem Verband vorschreiben lassen, so der Vorsitzende. Ein schwuler Regent sei für ihn völlig in Ordnung. Wichtig sei die Einstellung des Aspiranten zur Tradition des Vereins. Falls er etwas an der Tradition ändern wolle, solle er sich dafür auch offen einsetzen. Die Holzhammer-Methode sei noch nie eine gute gewesen. Über gleichgeschlechtliche Paare im Hofstaat habe er sich noch keine Gedanken gemacht. Da müsste der Verein dann bei einer öffentlichen Versammlung mit den Mitgliedern beraten, so Schreiber.

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