Nach langer Zwangspause

Kegeln unter Corona-Bedingungen: So läuft es in Werdohl

+
Kegelnachmittag mit Mundschutz und Desinfektionsmittel: Die Mitglieder des Clubs Grün-Weiß treffen sich nach dem Ende des Lockdowns wieder alle 14 Tage im Haus Werdohl.

Werdohl – Nur die heiß geliebten Frikadellen fehlten. Die werden im Haus Werdohl in Corona-Zeiten noch nicht wieder angeboten. Olaf Wosinksi bestellt also eine Portion Pommes – für ihn augenscheinlich bloß eine Notlösung.

Zusammen mit den anderen Männern des Kegelvereins Grün-Weiß kam er nach der langen Zwangspause in dieser Woche zum dritten Kegelabend seit dem Corona-Lockdown im Haus Werdohl zusammen. 

Gegründet wurde der Club bereits 1959. Das letzte Gründungsmitglied sei vor einem Jahr ausgeschieden, erinnert sich Manfred Greitemann. Er kegelt seit 2004 mit seinen Freunden alle 14 Tage im Lokal an der Neuenrader Straße. Komplett sind sie derzeit zu zwölft. Da Urlaubszeit ist, fehlten in dieser Woche allerdings vier Mitglieder, was aber der Stimmung keinen Abbruch tat. 

Gleich mit dem ersten Wurf "alle Neune"

Die kochte nämlich sofort, als Kegelbruder Udo gleich im ersten Wurf „alle Neune“ purzeln ließ. Dem wollte „Zausel“ – eigentlich Dirk Zausra – aber nicht nachstehen. Und so fegte er gleich zwei Mal alle Kegel von der Bahn. Manfred Greitemann, oder „Manni“, wie ihn hier alle nennen, erinnert sich: „Vor vier Wochen, als wir das erste Mal nach der Corona-Pause wieder kegeln durften, war es auch so.“ 

Kurz hätten sie sich am Monatsersten ausgetauscht, welche Regeln denn nun gelten in Bezug auf Masken, Desinfektionsmittel und Abstand. „Dann gab es aber so viel zu erzählen, da war das Virus kein Thema mehr“, erklärt Greitemann. Der letzte Kegeltermin zuvor lag immerhin Monate zurück. Anfang März war das. Dirk Kölsche indes findet auch jetzt, beim dritten Mal nach der Zwangspause: „Es ist schon sehr anders, mit all den Einschränkungen.“ Und die fehlenden Buletten meint er damit sicher nicht allein, zeigt er doch auf seine Gesichtsmaske. „Aber so ist es ja besser als nix“, fügt er hinzu. 

Häufiger in Kleingruppen getroffen

Manfred Greitemann ist mit seinen 16 Jahren Vereinszugehörigkeit einer der alten Hasen. Nur Werner Bruns und Joachim „Jockel“ Schmitz waren schon vor ihm Teil der Truppe. Olaf Wosinski bekommt derweil seine Fritten und wird von den anderen als „Neuer“ begrüßt – schließlich hat er bei den letzten Terminen vor dem Lockdown gefehlt. Er sagt selbst: „Ich muss erst wieder reinkommen.“ 

Greitemann erzählt: „Eigentlich hatten wir keine Entzugserscheinungen. Das hielt sich alles im Rahmen. Wir haben uns in den vergangenen Monaten ja immer mal wieder zum Kaffeetrinken getroffen. Dann aber natürlich in kleinen Gruppen.“ So seien am Vatertag gleich vier Teilgruppen von ihnen getrennt beieinander gesessen. Über WhatsApp hätten sie Fotos hin- und hergeschickt. Greitemann greift zum Handy, wischt ein wenig auf dem Smartphone und zeigt eine Aufnahme: Darauf sind alle Grün-Weiß-Mitglieder zu sehen. Ein Bild aus dem Jahr 2019. „Das waren noch Zeiten“, hat einer der Grün-Weißen darunter geschrieben. 

„Jockel“ Schmitz meldet sich zu Wort: „Das war schon eine Art Vereinsamung in der Lockdown-Zeit.“ Werner Bruns pflichtet ihm bei: „Es fiel ja sonst auch alles aus. Fußball war ja zum Beispiel auch nicht.“ Er seufzt: „Das hat schon alles gefehlt.“ Und schon ruft einer: „Dann lass uns jetzt auch mal wieder weiter kegeln.“ 

Bedienung ist allein an der Theke

Im Vorraum der Gaststätte steht Bedienung Nicole Hoffmann allein an der Theke. Außer der Kegeltruppe hat sie keine Gäste. „Gestern war am ganzen Abend nur ein Gast da“, unterstreicht sie, dass momentan häufiger nur wenig zu tun sei. Augenblicklich fehlt halt noch vieles – nicht nur Frikadellen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren: Auf come-on.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare