Mühsames Nachdenken über St. Michael

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Auch Pater und Verwaltungsangestellte saßen im Publikum.

Werdohl/Neuenrade - Was soll bleiben, was soll werden, damit deutlich wird – das ist christliches katholisches Leben? Ein Plakat mit dieser Frage leitet im großen Pfarrsaal der Kirchengemeinde St. Michael einige Arbeitspapiere zur Zukunft der Kirche ein.

Erste Vorschläge zur Verbesserung der Gemeindearbeit stehen darauf, die zumeist der Linie folgen: Was ist leicht umzusetzen? Doch es geht bei dem Klärungsprozess unter dem Titel „Kirche neu denken“ um mehr als ein paar organisatorische Verbesserungen.

Unter dem Druck sich verkleinernder Kirchengemeinden und rückläufiger Kirchensteuereinnahmen sucht das Ruhrbistum das Gespräch mit den Gläubigen. „Es wird nicht alles bleiben können, wie es ist“, sagte Ina Kramer, die die Gemeinde im Auftrag des Ruhrbistums pastoral begleitet.

Wie mühsam das Nachdenken über die Kirche von Morgen sein kann, zeigte sich am Mittwochabend bei einer Versammlung jener Gemeindemitglieder, die sich durch ihre Anwesenheit bereit zeigten, diesen Prozess konstruktiv zu begleiten. Prof. Peter Vieregge aus Plettenberg präsentierte zunächst seine Auswertung eines Fragebogens, der sich nicht nur an Gemeindemitglieder gewandt hatte.

Beantwortet hatten ihn 441 Teilnehmer aus jener Generation, die auch in der Versammlung vertreten war: 40plus. Lediglich etwa 30 Rückläufer gab es von jüngeren Teilnehmern im Alter zwischen 14 und 30 Jahren – zuwenig für eine seriöse Auswertung. „Die Masse derer, die gesagt hat, was Jugend will, ist 60“, hieß es aus dem Plenum.

Der Fragebogen zielte auf eine Erkundung dessen, was Menschen von heute wichtig an der Kirche ist: Was verbinden Sie mit dem Begriff „Kirche“? Wie nehmen Sie Kirche in Ihrer Region wahr? Welche kirchlichen Angebote sind Ihnen wichtig? Welche Traditionen sind Ihnen wichtig? Wonach sehnen Sie sich, wenn Sie an Kirche denken? Nur wenige bekannten, Kirche sei ihnen egal. Zur Ruhe kommen, Geborgenheit und Glaubenserfahrung waren die Favoriten bei den Antworten auf die Frage nach den Sehnsüchten.

Taufe, die großen christlichen Feiertage, Beerdigung und Hochzeit sind die Spitzenreiter bei der Frage nach wichtigen Traditionen. Fronleichnamsprozession, Beichte und Wallfahrt rangierten am Ende dieser Hitliste. Hinter der Frage nach der Bedeutung kirchlicher Angebote lauert die Möglichkeit zukünftiger Einsparungen: Jugendgruppen rangierten hier ganz oben und verwiesen die Kirche als Gottesdienst und Versammlung, Friedhof und Kindergarten auf die nachfolgenden Plätze.

Die Bücherei auf dem letzten Platz dieses Rankings deutet auf eine Veränderung der Lesegewohnheiten hin – Literatur ist wohlfeil und über das Internet teilweise fast kostenfrei verfügbar. Aber kann eine Gemeinde durch die Auflösung ihrer Bücherei viel einsparen?

Die Einsortierung der Chöre und des Ferienspaßes auf den vorletzten Plätzen machte stutzig – eine Kirchengemeinde ohne Chor? Und wie verträgt sich das relative Desinteresse für den Ferienspaß mit der hohen Bedeutung, die die Teilnehmer der Jugendarbeit zumaßen?

Peter Vieregge skelettierte die vorhandenen Ergebnisse eher, als dass er sie wirklich zum Sprechen brachte. Statistik gibt erste Hinweise, scheint in diesem Fall aber nur wenig hilfreich für den anstehenden Klärungsprozess zu sein.

Die Diskussion war entsprechend mühsam und drehte sich immer wieder um das bisherige und weitere Vorgehen anstatt um die Sache. Pater Irenäus hatte deshalb allen Grund zu fragen, was diesen Prozess lebendiger machen könne. Und es passte gut zur relativen Ratlosigkeit, dass er sich in seinem Schlussgebet an eines der Gesichter des dreieinigen Gottes wandte und darum bat, „dass der Heilige Geist uns leiten möge“.

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