Kaninchenzuchtverein: „Unsere bringen keine Eier“

Gar nicht so leicht zu finden – ein Strohberg in der hintersten Ecke des Stalls diente dem süßen Kaninchennachwuchs als sicheres Versteck. Peter Jacoby musste lange suchen, bis er alle kleinen Langohren beisammen hatte.

WERDOHL ▪ Wenn Peter Jacoby seinen Keller betritt, wird er schon sehnsüchtig erwartet. Fünf Häsinnen, drei Rammler und einige junge Kaninchen liegen auf der Lauer – zum Sprung auf die frisch servierten Möhren bereit. Zu Ostern gibt es davon auch schon einmal eine Extraportion.

Während in den Geschäften in diesen Tagen schokoladige Langohren die Regale erobern, tummeln sich bei Peter und Petra Jakoby Farbzwerge Havanna, Schwarze-Loh, Weißgrammen und Zwergwidder Weiß-Rotaugen in den Boxen. „Unsere Hasen bringen keine Eier“, stellt Petra Jacoby lachend klar. Und doch haben die Zuchttiere etwas mit dem Osterhasen gemeinsam. Denn: Gerade jetzt zur Osterzeit verstecken die Kaninchen gerne ihren Nachwuchs in den hintersten Ecken der Ställe. Mit viel Stroh bedeckt, ist es für Herrchen und Frauchen gar nicht so einfach, alle Neuankömmlinge sofort zu entdecken. „Wie viele Jungtiere es sind, kann ich gar nicht sagen“, muss Peter Jakoby eingestehen.

Seit 47 Jahren schlägt sein Herz für die Kaninchenzucht. Seither hegt und pflegt er seine flauschigen Vorzeigeobjekte. Speziell vor Wettbewerben muss sich der 64-Jährige mächtig ins Zeug legen, um seine Tiere ordentlich in Form zu bringen. Hilfe bekommt der Werdohler dabei von Ehefrau Petra. Bevor sie ihren Mann kennenlernte, war Kaninchenzucht kein Thema für die 63-Jährige. „Irgendwann bin ich dann mitgegangen. So bin ich schließlich dazugekommen“, erinnert sich Petra Jacoby. Zahlreiche Pokale an der Wohnzimmerwand und im Hobbyraum erzählen die Erfolgsgeschichte des Züchterpaares. „Wenn eine Schau ist, fangen wir drei Wochen vorher an, die Tiere darauf vorzubereiten“, erklärt Petra Jacoby. Es gilt Krallen zu schneiden, Haare zu zupfen und Fell zu striegeln.

Die Preisrichter nehmen die Langohren genau unter die Lupe. „Da muss alles stimmen“, weiß Peter Jacoby. Neben Gewicht und Körperform kommt es auf den Pflegezustand und die Färbung der Tiere an.

Sogar die Enkelkinder des Paares sind schon vom „Kaninchenzuchtvirus“ befallen. Vier weiße Schlappöhrchen zählen zum Bestand der neunjährigen Lisa. Auch Enkelsohn Kevin ist mit von der Partie. Ebenso wie Lisa und die Großeltern ist auch der 14-Jährige Mitglied im Kaninchenzuchtverein W445 Werdohl.

Zum Vereinsleben gehört neben den Schauwettbewerben auch das Aussortieren „schlechter“ Tiere: Wer keine Preise holt wird verkauft oder landet im Kochtopf. Bei Familie Jacoby steht Kaninchenbraten allerdings nur bei Peter Jacoby auf dem Speiseplan. Der Rest der Familie kann sich nicht überwinden, die Tiere zu essen. „Schließlich pflegt und streichelt man sie ja vorher. Da kann ich sie später nicht essen. Das bringe ich nicht übers Herz“, erklärt Petra Jacoby.

Namen bekommen die Kaninchen übrigens nicht. „Sonst wird die Bindung zu groß“, gibt Peter Jacoby zu. Auch wenn es an Ostern bei den Jacoby’s ein Festmahl gibt, Kaninchenbraten gehört nicht dazu. Dank des Nachwuchses werden die Tiere derzeit nämlich nicht geschlachtet.

Wie in vielen Familien werden auch bei den Kaninchenzüchtern Eier und Süßigkeiten für die Kinder versteckt. Und so begibt sich die kleine Lisa immer gerne auf die Suche. Wer weiß, wo sie fündig wird. „Vielleicht im Kaninchenstall“, verrät Petra Jacoby mit einem Augenzwinkern.

Wer Lust hat, sich dem Kaninchenzuchtverein W445 Werdohl anzuschließen, kann sich unter der Telefonnummer 02 39 2/ 73 34 oder 0 23 92 /1 27 44 melden.

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