Westfalen 445

Kaninchenzuchtverein feiert 100 Jahre Vereinsgeschichte: Enkelin der Gründer berichtet

Gerda Engelhardt und ihr Sohn Detlev mit einem der Kaninchen. Etwa eine Stunde Zeit investieren die Züchter täglich in ihr Hobby.
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Gerda Engelhardt und ihr Sohn Detlev mit einem der Kaninchen. Etwa eine Stunde Zeit investieren die Züchter täglich in ihr Hobby.

Genau vor 100 Jahren wurde der Kaninchenzuchtverein W445 im Versevörder Hof gegründet. Mit beteiligt waren Heinrich und Katharina Filthaus – die Großeltern der heute 86-jährigen Gerda Engelhardt. Sie lebt noch immer in Werdohl und kann vieles aus der Vereinsgeschichte berichten.

Werdohl – Ein Leben ohne Kaninchen kann sich Gerda Engelhardt nicht vorstellen. Die 86-jährige Werdohlerin ist mittlerweile seit 65 Jahren Mitglied im Lennetaler Rassekaninchen-Zuchtverein W445, der am Sonntag, 21. September, genau vor 100 Jahren im Versevörder Hof gegründet wurde.

Das hat Gerda Engelhardt selbst natürlich nicht miterlebt, dennoch ist ihr Leben mit dieser Vereinsgründung eng verknüpft: „Meine Großeltern Heinrich und Katharina Filthaus haben den Verein gemeinsam mit Theo Lander und Arnold Trappe ins Leben gerufen.“

Sie selbst hat die Verbundenheit zu diesen Tieren quasi von den Großeltern geerbt, war jahrzehntelang selbst im Vereinsvorstand aktiv und züchtet noch heute Kaninchen; Wildfarbige Kleinwidder. An ihren Sohn Detlev – er wurde 2019 für 50-jährige Mitgliedschaft geehrt – hat sie wiederum Leidenschaft für dieses Hobby vererbt.

Gemeinsam kümmern sich Mutter und Sohn momentan immerhin noch um 14 Tiere („In Spitzenzeiten waren es 80“) , benötigen 30 bis 40 Ballen Stroh pro Jahr und müssen etwa 30 Ballen Heu heranschaffen, dazu jede Menge Kraft- und Grünfutter. Letzteres – Futterkohl – pflanzen die Engelhardts selbst auf ihrem Grundstück an. Löwenzahn findet sich dort auch. „Es ist schon viel Arbeit“, räumen die beiden ein, etwa eine Stunde Arbeit täglich müsse man rechnen, damit die Kaninchen optimal versorgt seien.

In Spitzenzeiten, so erinnert sich die Werdohlerin, hatte W445 – der Buchstabe W steht für Westfalen – etwa 80 Mitglieder. „Jeder, der Platz hatte, hatte damals einen Stall“, erinnert sich Gerda Engelhardt. Denn natürlich sei die Kaninchenzucht vor Jahren nicht nur ein Zeitvertreib gewesen. „Das Fleisch wurde gegessen und die Felle wurden verwertet.“

Katharina und Heinrich Filthaus, die Großeltern von Gerda Engelhardt, sind Mitbegründer des Rassekaninchenzuchtvereins W445. Sie haben den Verein am 21. September vor 100 Jahren gemeinsam mit Theo Lander und Arnold Trappe aus der Taufe gehoben.

Die Werdohlerin erzählt von der Frauengruppe des Vereins W445, die Kissen, Decken, Mäntel und vieles mehr aus den Fellen genäht hat. „Ich habe mir mal eine Jacke genäht und 45 Felle verarbeitet.“ Eine Pelznäherin leitete die Gruppe an, die fertigen Erzeugnisse wurden von einer Jury bewertet. „Es durfte aber nichts mit der Maschine genäht werden, alles ist reine Handarbeit.“

Gerda Engelhardt schwärmt von dem guten Klima im Verein, „wie in einer großen Familie“.

Waren Eltern oder Großeltern Vereinsmitglieder, „waren die Kinder automatisch auch mit dabei“. Jeweils Totensonntag organisieren die W445-Mitglieder eine Ausstellung – normalerweise. „Durch Corona konnte sie nicht stattfinden, und auch in diesem Jahr müssen wir darauf verzichten“, bedauert Gerda Engelhardt.

60 Jahre hatten die Rassekaninchenzüchter dazu jeweils ins Haus Werdohl eingeladen, 38 Jahre fand die Ausstellung in der Jahnturnhalle statt. Nach deren Abriss fanden die Aktiven in der Städtischen Realschule eine neue Präsentationsmöglichkeit, die „hoffentlich im kommenden Jahr wieder genutzt werden kann“.

Ein Erfolgserlebnis hätten die Werdohler Züchter in diesem Jahr allerdings schon verbuchen können, berichtet Gerda Engelhardt. „Der Verein hat an einer Ausstellung in Drüpplingsen teilgenommen und sehr gut abgeschnitten.“ Die 86-Jährige selbst konnte, ebenso wie viele andere Werdohler, mir ihren Kaninchen auch in der Vergangenheit schon oft die Jury überzeugen.

Doch die Werdohlerin bleibt ihrem Hobby vor allem treu, „weil es wirklich unheimlich liebe Tiere sind“. Gerade die Rasse Kleinwidder hat es Gerda Engelhardt angetan, nachdem die Familie zuvor viele Jahre lang sogenannte Hasenkaninchen züchtete. „Ich habe eine Beziehung zu den Tieren. Wenn ich morgens in den Stall gehe, freue ich mich, wenn alle da sind. Sie sitzen dann dort und warten, dass sie gestreichelt werden.“ Auch einen besonderen Liebling hat Gerda Engelhardt.

Aber auch dieses Kaninchen bekommt keinen Namen. Warum das so ist, erklärt Detlev Engelhardt: „Wenn wir damit anfangen würden, den Tieren Namen zu geben, dann würden wir es wohl nicht mehr übers Herz bringen, sie zu schlachten.“

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