TV-Bilder aus der Werdohler Unterwelt

Mit einem Joystick steuert Jens Adamczyk den Roboter samt Kamera durch das Kanalrohr unter der Neuenrader Straße. Foto: Heinze

WERDOHL - Eigentlich schaut Jens Adamczyk am liebsten Actionfilme. Das was für ihn am Donnerstag in Werdohl über die Mattscheibe flimmerte, hatte mit atemberaubenden Stunts und tollen Effekten allerdings wenig zu tun. „Kanal TV“ stand für den Mitarbeiter der Herscheider Firma Neumann auf dem Programm. Mit Hilfe einer speziellen Roboter-Kamera verschaffte er sich im Auftrag der Werdohler Stadtverwaltung einen Überblick über den Zustand des Kanals in der Neuenrader Straße.

Der Landesbetrieb Straßen NRW wolle künftig die Hangbrücke der Neuenrade Straße sanieren. In diesem Zusammenhang solle auch die Asphaltdecke vom Haus Werdohl bis zur Einmündung Plettenberger Straße erneuert werden. „Wir prüfen nun den Zustand des Mischwasserkanals auf diesem Teilstück“, berichtet Thomas Schmidt, im Werdohler Rathaus zuständig für den städtischen Kanalbau, den Anlass für den Einsatz des Spezialgerätes. „Falls der Kanal Schäden aufweist, bietet es sich natürlich an, alle Arbeiten in einem Abwasch zu erledigen,“ so Schmidt.

Durch einen Revisionsschacht ließen die Experten den mit einer Kamera ausgestatteten Roboter in die Tiefe hinab.

„Zuvor ist der Kanal mit Hilfe eines Spülfahrzeuges gereinigt worden“, erklärt Adamczyk. Deshalb gibt es außer dem Inneren des Rohres auch nicht viel zu sehen. Ratten erscheinen höchstens dann auf dem Bildschirm, wenn er die Kamera anhalte, berichtet der Mitarbeiter der Herscheider Firma. Er sitzt im Inneren eines Bullis und steuert den 25 Kilogramm schweren Roboter mit einem Joysticks durch das Kanalrohr. Mit der Schwenkkamera, die auch über einen Zoom verfügt, kann Adamczyk jede Stelle des Rohres genau überprüfen. Langsam lässt er den Roboter das Rohr mit einem Durchmesser von 30 Zentimetern (DN 300 B) abfahren. Macht er eine auffällige Stelle ausfindig, betätigt er den Zoom.

„Bisher haben wir nur minimale Schäden festgestellt. Lediglich die Revisionsschächte sind sanierungsbedürftig“, resümierte Thomas Schmidt, nachdem 260 der 800 Meter langen Strecke abgefahren waren.

„Der Roboter lässt sich auch mit einem Autopilot steuern“, weiß Jens Adamczyk von den Vorzügen seines technischen Helfers zu berichten. Und während die Bilder der Kamera in das Innere des 180 000 Euro teure Fahrzeuges übertragen werden, protokolliert Adamcyk, der vor den Bildschirmen Platz genommen hat, was er auf den Kamerabildern erkennt: Rissbildungen, Wurzeln sowie Zuläufe und der Zustand der Rohrmuffen werden schriftlich festgehalten.

Zwischen 3000 und 4000 Euro zahlt die Stadt Werdohl für den Einsatz der Spezialisten. Im Preis inbegriffen ist eine CD mit dem Film, der die Kanalbereisung durch den Roboter genau dokumentiert. Auch der Bericht, in dem genau festgehalten ist, an welcher Stelle des Mischwasserkanals sich welche Schäden befinden, bekommt die Stadt im Anschluss des Einsatzes ebenfalls zur Verfügung gestellt.

Von Ute Heinze

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