"Grün statt Grau": Kampf gegen Schottergärten

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Dieses Foto zeigt einen besonders ausgeprägten Schottergarten: Steine, so weit das Auge reicht.

Werdohl – "Grün statt Grau" lautet der Titel eines Flyers, den die Klimaschutzmanagerin konzipiert hat. Er richtet einen eindringlichen Appell an alle Gartenbesitzer.

Das noch vor Wochen alles beherrschende Thema Klimaschutz ist durch die Corona-Pandemie vollkommen an den Rand gedrückt worden. Auch die Werdohler Klimaschutz-Managerin Meike Majewski ist weitgehend auf die Ausarbeitung von Projekten und Öffentlichkeitsarbeit beschränkt. 

Majewski hat einen Flyer „Grün statt Grau“ erstellt, der die Vorteile naturnaher Vorgärten darstellt und der sich gegen die immer beliebter werdenden Schottergärten ausspricht. Der Flyer ist schon seit einigen Wochen fertig gedruckt, konnte aber bislang nicht verteilt werden. 

Im Augenblick findet er als Download auf der Homepage der Stadt Werdohl nur eine geringe Verbreitung. Mit der Öffnung vieler kleiner Einzelhandelsgeschäfte in Werdohl gibt es auch wieder Auslagestellen für die Flyer. Meike Majewski will versuchen, die Blätter im Laufe dieser Woche unter die Leute zu bringen. 

Insgesamt ist das der vierte Flyer des Klimamanagements, drei stammen von Vorgängerin Farima Tehranchi, für Majewski ist es der erste. Die Vorlage kommt vom Städte- und Gemeindebund, Majewski ließ die lokalen Kontaktdaten einpflegen und das Blatt in Werdohl herstellen. 

Arbeit mit Schotter nicht unterschätzen

Konkret geht es darum, die Vorteile eines naturnahen Vorgartens für die Umwelt aufzuzeigen. Das der Schottergarten dabei nicht gut wegkommt, liegt auf der Hand. Der Flyer polarisiert nicht, sondern hält die vermeintlichen Vorteile eines Stein- oder Kiesgartens für überschätzt. 

Schottergärten machten auf lange Sicht viel Arbeit, auch wenn das Grün am Emporkommen durch Vlies oder Folie gehindert wird. Majewski schreibt: „Unkraut, Algen, Flechten und Moose siedeln sich auch auf Steinen an. Kies und Schotter davon zu befreien, ist viel aufwendiger als ein mit Stauden besetztes Beet zu säubern. Weil der Boden abgedeckt ist, kann im Schottergarten kein Regenwasser versickern. Das Wasser fließt direkt in die Kanalisation oder staut sich an der Hauswand. Im schlimmsten Fall dringt das Wasser ins Gemäuer ein.“ 

Ökosystem erhalten

Ein naturnah angelegter Vorgarten hingegen schaffe Freiräume und Lebensqualität für Menschen und Tiere. Als intaktes Ökosystem trage er dazu bei, die Artenvielfalt zu erhalten. Insekten, Vögel und Kleintiere würden sich über diesen Lebensraum freuen. 

Dieses steinerne Monument erinnert eher an ein Mahnmal für Soldaten oder Kriegsopfer als an einen Vorgarten.

Insekten seien vom Aussterben bedroht, weil sie keine Nahrung mehr finden. Schon eine kleine Wiese mit Blumen und Kräutern sei für Insekten eine Art Paradies. Ein grüner Vorgarten müsse auch nicht viel Arbeit machen. 

Viele heimische Pflanzen bräuchten nur ein Minimum an Pflege. Gehölze wie Buchsbaum, Stechpalme und Rhododendron seien auch im Winter grün. Stauden wüchsen problemlos in jedem Vorgarten und müssten nur einmal im Jahr geschnitten werden. Zu den heimischen Sorten zählen Königskerze, Veilchen, Primeln oder Sonnenhut. Storchschnabel, Thymian, Schafgarbe oder Johanniskraut sind Bodendecker und im Garten beliebte Helfer, weil sie das Unkraut begrenzten und nur wenig Platz ließen. 

Das minimiere den Pflegeaufwand. Verschiedene Mulcharten auf den Gartenbeeten verhinderten ein Verschlämmen und Verdichten des Bodens. Der Boden könne so mehr Wasser aufnehmen und besser halten. Im Sommer müssten solche Beete seltener gegossen werden.

Gärten des Grauens 

Seit Anfang 2019 postet der Botaniker und Biologe Ulf Soltau auf seinem Blog „Gärten des Grauens“ fast täglich Bilder zur Kiesgartenkultur in Deutschland. Er bittet darum, Fotos „pittoresker Gärten“ per E-Mail an gaertendesgrauens@gmx.de zu senden. Soltau veröffentlicht die Fotos mit ironischen Kommentaren.

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