Kampf gegen die Schädlinge: Neues Holzlager in Werdohl

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Den Holzumladeplatz auf dem Gelände der Firma Menshen schauten sich Revierförster Frank Bossong, Menshen-Betriebsleiter Thomas Leiendecker, Geschäftsführer Lutz Menshen sowie Revierförster Kevin Hauser und sein Praktikant Tobias Voß (von links) an.

Werdohl - Sie haben unverfängliche Namen wie Buchdrucker oder Kupferstecher, aber den Waldbesitzern und Forstleuten in der Region bereiten sie derzeit schlaflose Nächte.

Als Schädlinge vernichten sie und ihre Verwandten derzeit ganze Waldbestände. Der Abtransport des noch verwendbaren Holzes erfolgt auch über Werdohl. Dort stellt die Firma Menshen einen Umschlagplatz zur Verfügung. 

Für Unternehmer und Geschäftsführer Lutz Menshen war es keine Frage, als ihn der Hilferuf des NRW-Landesbetriebs Wald und Holz erreichte. „Ich bin ja selbst Waldbesitzer, da ist es selbstverständlich, dass man hilft“, sagt er. Konkret sieht seine Hilfe so aus, dass er für die Verladung von Fichtenstämmen mit Käferbefall einen Teil seines Betriebsgeländes Im Ohl zur Verfügung stellt. 

Rund 300.000 Festmeter Schadholz

Die Dimension des Schadens, den die Borkenkäfer derzeit in den Wäldern der Region anrichten, ist immens: Von etwa 300 000 Festmetern Schadholz gehen die Revierförster Kevin Hauser und Frank Bossong allein im Märkischen Kreis aus. Ihre und die Aufgabe des Landesbetriebes Wald und Holz ist es, die gefallenen Stämme aus den Wäldern abzufahren und möglichst noch zu vermarkten. Der heimische Markt ist jedoch gesättigt, Sägewerke in der Region und darüber winken ab, wenn ihnen Fichtenholz angeboten wird. Deshalb wird das Nadelholz aus dem Sauerland mittlerweile nach Übersee verschifft, oft nach China und Korea. In begasten Containern übrigens, damit neben den Stämmen nicht auch noch die lebenden Schädlinge auf den anderen Kontinent exportiert werden. 

Das Holz aus dem Wald auf ein Schiff zu bringen, ist allerdings eine logistische Herausforderung. Denn die befallenen Stämme sollen einerseits so schnell wie möglich aus dem Wald heraus, damit sich die darin nistenden Schädlinge nicht noch weiter ausbreiten und weitere Bäume befallen können. Andererseits braucht die Verladung der Stämme in Seefracht-Container Zeit. Die Lösung ist ein Umladeplatz, auf dem 1500 bis 2000 Festmeter Holz vorübergehend gelagert werden können. „Dann können die Container optimal ausgelastet werden“, erklärt Bossong, dass das Beladen der Großraumbehälter einige Zeit in Anspruch nehme, weil die Baumstämme darin möglichst dicht übereinander gestapelt werden müssten. 

Menshen hat auf seinem Gelände ausreichend Platz

Den benötigten Umschlagplatz für die Holzverladung haben Bossong und Hauser nun auf dem Gelände der Firma Menshen in Werdohl gefunden. „Wir haben auf unserem Gelände genug Platz dafür“, sagt Geschäftsführer Lutz Menshen mit Blick auf ein Areal am östlichen Ende des Firmengrundstücks. Für die beiden Revierförster liegt der Platz nahezu ideal in der Nähe des Kreuzungspunktes der beiden Bundesstraße 236 und 229. Denn das Käferholz, das dort zwischengelagert und verladen werden soll, kommt nicht nur aus Werdohl. Auch aus Neuenrade und Altena sowie aus Teilen von Plettenberg und Lüdenscheid sollen Stämme über Werdohl den Weg in den Antwerpener Hafen und von dort nach Asien antreten. Die ersten Stämme liegen dort bereits, angeliefert aus Nachrodt-Wiblingwerde. 

Es werden aber noch viele weitere folgen. Bis zu 10 000 Festmeter könnten in den nächsten Wochen über den Umschlagplatz in Werdohl an- und abtransportiert werden. Das wird für zusätzlichen Verkehr und Lärm sorgen, manchmal vielleicht auch noch bis in die Abendstunden. Thomas Leienecker, Betriebsleiter bei der Firma Menshen, hofft, dass die Anwohner dafür Verständnis aufbringen. „Was wir derzeit im Wald erleben, ist eine absolute Ausnahmesituation“, gibt er zu bedenken. 

Hoffen auf viel Niederschlag

Kevin Hauser und Frank Bossong hoffen wie auch viele Waldbesitzer, dass es tatsächlich eine Ausnahmesituation bleibt. Zumindest Bossong ist aber skeptisch. Er habe die Befürchtung, „dass dieser Mist noch nicht aufhört“, sagt er mit Blick auf die durch trockene Witterung begünstigte massenhafte Vermehrung der Borkenkäfer. „Was kurzfristig hilft, ist nur ergiebiger Regen“, bringt er es auf eine einfache Formel. Langfristig könne der Aufbau eines Mischwaldes eine Lösung sein, um das Risiko eines Schädlingsbefalls zumindest zu streuen. „Und wir denken mittlerweile klimadynamisch“, erklärt Bossong, dass sich die Forstwirtschaft veränderten Klimabedingungen anpassen müsse. „Wir müssen für die Zukunft Bäume finden, die Trockenheit und Stürme besser aushalten.“

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