Kamera auf dem Klo: Mann filmt Töchter von Freunden

Werdohl - Richter Dirk Reckschmidt wird selten laut. Das verstörende Verhalten eines 35-jährigen Werdohlers lieferte allerdings gute Gründe, dass alle professionellen Prozessbeteiligten im Amtsgericht Altena mehr taten, als verständnislos mit dem Kopf zu schütteln.

Der Mann hatte offenbar regelmäßig drei Töchter von Freunden in seiner Wohnung zu Besuch. Irgendwann vor dem 9. September 2013 muss er dann die Idee gehabt haben, eine Kamera in seinem Badezimmer zu installieren, um die Kinder dort beim Umkleiden und auf der Toilette zu filmen.

Er hatte Glück, dass er strafrechtlich gesehen dabei nicht noch in ganz andere Regionen vorstieß: „Ein bisschen anderer Winkel, eine etwas andere Einstellung – dann ist das Kinderpornographie“, warf der aufgebrachte Richter dem Angeklagten vor.

So blieb es bei dem Tatvorwurf der „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“, den der Paragraph 201a des Strafgesetzbuches so gefasst hat: „Wer von einer anderen Person, die sich in einer Wohnung oder einem gegen Einblick besonders geschützten Raum befindet, unbefugt Bildaufnahmen herstellt oder überträgt und dadurch deren höchstpersönlichen Lebensbereich verletzt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe bestraft.“

Der Angeklagte gab sich äußerst kleinlaut. Über seinen Anwalt Dirk Löber ließ er erklären, dass die Vorwürfe der Anklageschrift den Tatsachen entsprechen. „Es war eine Dummheit“, ergänzte er diese Erklärung auf Nachfrage, was das denn sollte.

„Der Vorwurf ist außergewöhnlich. Kann es sein, dass Sie irgendwie Hilfe brauchen?“, zeigte sich Staatsanwalt Bußmann besorgt und erntete ein schlichtes „Nein!“ Richter Reckschmidt schloss sich der Aufforderung zu therapeutischer Hilfe an: „Gehen Sie zum Arzt!“

Für die Verletzung der Intimsphäre durch Bildaufnahmen gab es schließlich eine Geldstrafe von 50 Tagessätzen zu je 60 Euro. Außerdem zog die Staatsanwaltschaft die Tatwerkzeuge von der Kamera bis zur Computer-Festplatte ein.

Positiv wirkte sich das umfassende Geständnis aus, aufgrund dessen die Kinder vor Gericht nicht gehört werden mussten. Ihre Eltern zogen ihrerseits die Konsequenzen aus den Vorfällen: „Die haben den Kontakt komplett abgebrochen“, bedauerte der Angeklagte.

Der Richter stellte eine Rückfrage, die der 35-Jährige auch unbeantwortet hätte lassen können: „Wundert Sie das?“

Von Thomas Krumm

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das Login-Formular anmelden.
Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare