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Kaltes Bad wegen Putins Krieg? Gasnetzbetreiber unternehmen erste Schritte in Richtung Notfallplan

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Von: Volker Heyn

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Falls es kommenden Winter zu Einschränkungen der Gasversorgung kommen sollte, um so weitere Sanktionen gegen das Krieg führende Russland zu betreiben, könnte das mit Gas beheizte Werdohler Hallenbad ganz kalt bleiben.
Falls es kommenden Winter zu Einschränkungen der Gasversorgung kommen sollte, um so weitere Sanktionen gegen das Krieg führende Russland zu betreiben, könnte das mit Gas beheizte Werdohler Hallenbad ganz kalt bleiben. © Heyn, Volker

Ist das Hallenbad eine soziale Einrichtung oder eher ein verzichtbares Vergnügen? Neben anderen wird sich in letzter Konsequenz auch diese Frage stellen, wenn es dazu kommt, dass Deutschland aus Russland kein Gas mehr bezieht.

Um Putins Krieg in der Ukraine zu stoppen und um unabhängiger von Gaslieferungen aus Russland zu werden, wird dann vielleicht auch das Ütterlingser Hallenbad kalt bleiben müssen. Denn der Betrieb eines Schwimmbads ist sicher eher ein Draufgabe als eine vollkommen unverzichtbare Einrichtung wie ein Krankenhaus.

Zu dieser Einschätzung kommt Frank Schlutow, Geschäftsführer der Werdohler Stadtwerke und gleichzeitig der Chef der Werdohler Bäderbetriebe. Was jetzt noch ein wenig konstruiert wirkt, könnte durchaus Wirklichkeit werden. Allerdings nur dann, so schätzt Schlutow, wenn Deutschland seine Abhängigkeit von russischem Gas plötzlich beendet und es schnell keinen Ersatz gibt. Damit rechnet Schlutow nicht, erstmal hofft er auf steigende Außentemperaturen und mehr Wind. „Irgendwas wird uns schon einfallen“, meint er und hofft, dass die Folgen eines Gasboykotts rechtzeitig abgefedert werden können.

Post vom Fernleitungsbetreiber

Genauso wie viele andere Verteilnetzbetreiber hat Schlutow für die Stadtwerke Werdohl einen Brief vom Fernleitungsbetreiber Westnetz bekommen. Der RWE-Betrieb ist seit vielen Jahren Partner der Stadtwerke, deshalb habe Westnetz als einziger der Ferngasleitungsnetzbetriebe die Stadtwerke über die Notfallgaspläne der Bundesregierung informiert. OpenGrid zum Beispiel ist auch ein Ferngasleitungsnetzbetrieb, die haben aber keine Infoschreiben an die Stadtwerke versandt.

Die RWE-Tochter Westnetz betreibt in der Lothmecke eine Gasdruckregelanlage. Dort wird das unter hohem Druck stehende Gas aus den Fernleitungen in das Verteilnetz der Werdohler Stadtwerke mit niedrigerem Druck eingeleitet.
Die RWE-Tochter Westnetz betreibt in der Lothmecke eine Gasdruckregelanlage. Dort wird das unter hohem Druck stehende Gas aus den Fernleitungen in das Verteilnetz der Werdohler Stadtwerke mit niedrigerem Druck eingeleitet. © Westnetz

Im Kern geht es ausschließlich darum, dass zu den kleineren Industriekunden, die am Verteilnetz der Stadtwerke hängen, ein Kontakt aufgebaut wird. Für den Notfall, dass die Gaszufuhr über das Leitungsnetz gedrosselt oder gestoppt wird, brauchen die Stadtwerke Ansprechpartner in diesen Industriebetrieben. Im Ernstfall würden sich dann die Gasnetz-Techniker der Stadtwerke mit den Verantwortlichen in den Firmen absprechen.

Stadtwerke haben keine Großgaskunden

Direkte Netzkunden der Stadtwerke sind in Werdohl aber nur sieben oder acht Betriebe. Großgaskunden wie Vossloh oder VDM in Werdohl gehören nicht dazu. Solche Betriebe haben direkte Anschlüsse an die Hochdruckleitungen der Ferngasnetze und beziehen ihr Gas überdies über eigens abgeschlossene Sammelverträge von verschiedenen Anbietern. Bei so großen Betrieben wie Vossloh und VDM gibt es ganze Abteilungen, die sich mit der Beschaffung von Energie befassen. Die Stadtwerke sind viel zu klein, um Großbetriebe versorgen zu können. Weder mit ihrem Niderdruck-Verteilnetz noch mit den Gasmengen.

Die erste Stufe des Notfallplans der Bundesregierung wurde vor wenigen Tagen von Bundeswirtschaftsminister Habeck als Vorsichtsmaßnahme verkündet. Westnetz als Ferngasnetzbetrieb gab diese Informationen lediglich als Service an die Stadtwerke weiter. Stadtwerke-Verantwortliche wie Schlutow lesen ihre gesetzlichen Verpflichtungen im Energiewirtschaftsgesetz. Im § 53a geht es um die „Sicherstellung für Haushalte und soziale Einrichtungen“. Für die Wohnungsbeheizung und den Betrieb von Krankenhäusern und Schulen werden die deutschen Vorräte ganz sicher bis mindestens kommenden Winter ausreichen, weiß Schlutow.

Kommunikationswege werden hergestellt

Bei der Stromversorgung gebe es schon lange solche Notfallpläne, so Schlutow. Dort seien Netzabschaltungen technisch wesentlich einfacher als bei der Gasversorgung. Wenn es nun aber doch zu Engpässen bei der Gasversorgung komme, müssten die Industriekunden nicht nur technisch gut vorbereitet sein. Die erforderlichen Kommunikationswege zu den Unternehmen würden deshalb gerade hergestellt.

Frank Schlutow abschließend: „Das klingt alles gerade noch sehr abstrakt. Aber vor einem halben Jahr hätte ich auch noch gegen jede Wette gehalten, dass Putin Krieg gegen die Ukraine führen wird.“

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