Tierarzt, Buchautor und Krankenpfleger

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Kai-Uwe Brodersen feiert seinen 50. Geburtstag und hat in den vergangenen Jahrzehnten viel erlebt.

Werdohl/Hagen - Eine kleine, aber feine Wohnung an der Grenze zwischen Hagen-Vorhalle und Wetter an der Ruhr wird heute (27. Dezember) zum Schauplatz einer runden Geburtstagsfeier: In ihrem Mittelpunkt steht Kai-Uwe Brodersen, geboren 1966 in Werdohl und dort auch aufgewachsen. Seit 2013 lebt er im Ruhrtal – direkt neben der dazugehörigen Güterzugstrecke. Und zwischen den frühen Jahren an der Lenne und der Gegenwart an der Ruhr ist viel passiert, wie er berichtet.

2000 verließ er Werdohl endgültig – nach Jahren, auf die er durchaus freudig zurückschaut. Hier wuchs er in einem „Metzgerhaushalt“ an der Freiheitsstraße auf – nicht nur der Papa, sondern auch schon der Opa gehörten diesem robusten Berufsstand an.

Unvermeidlich war der Schulbesuch. Persönlichen Entscheidungen entsprangen hingegen der abgeleistete Zivildienst und ab 1986 das Studium der Geschichts- und Politischen Wissenschaften sowie der Philosophie in Bonn. 1989, im für so einen Job noch zarten Alter von 22 Jahren, zog er für die FDP in den Werdohler Stadtrat ein und brachte es schon bald bis zum Fraktionsvorsitzenden. Bis 2000 blieb er im Rat und errang in dieser Runde schließlich das Prädikat des dienstältesten Fraktionschefs.

Denkende Menschen können nicht AfD wählen

Heute sei er nicht mehr Mitglied der FDP, erzählt Kai Brodersen beim Gespräch in Vorhalle, fügt aber sogleich hinzu: „Ich bin Liberaler nach wie vor.“ Was das für ihn bedeute, möchte der Besucher wissen. Die Antwort kommt sofort: „Das politische Handeln soll dem Einzelnen und seinem Handeln die größtmöglichen Freiräume öffnen.“ Eher sozialliberal sei er zu seinen politischen Zeiten unterwegs gewesen, setzt Kai Brodersen hinzu und grenzt sich nur beim Stichwort „Alternative für Deutschland“ (AfD) entschieden ab: „Denkende Menschen können so etwas nicht wählen.“

Geschichte, Politik, Philosophie in Bonn – irgendwann beschäftigte den Studenten die Frage: „Was machst du mit den Geisteswissenschaften?“ Und so passierte etwas, was ein persönliches Leben eigentlich nur bereichern kann. Schon als Kind habe er den Wunsch gehabt, Tierarzt zu werden, erzählt Kai Brodersen und berichtet von einem recht großen Schritt: 1991 schrieb er sich für den Studiengang „Tiermedizin“ in Gießen ein. Nach der Approbation als Tierarzt 1996 arbeitete er ab 2000 bei verschiedenen Bio-Tech-Unternehmen als „Sales Manager“.

Ein Sack voller Erinnerungen

In die Jahre als Bio-Tech-Experte fällt die eingetragene Partnerschaft mit Richard van Aalst, „einem Teddybärenkünstler“, dessen Nachnamen in Kai Brodersens Pass bis heute erhalten blieb. Ohne Groll erzählt er davon: „Die Partnerschaft scheitert im verflixten siebten Jahr, wird aber erst 2011 aufgehoben. Brodersen behält einen Sack voll Erinnerungen und den zweiten Nachnamensteil, das Haus in Windeck wird verkauft, und er zieht nach Köln.“

Der Druck, ständig als eleganter Vertreter auftreten und verkaufen zu müssen, sei schließlich das Motiv für die vorläufig letzte Umschulung gewesen, erklärt Kai Brodersen: Seit 2015 ist er gelernter Krankenpfleger und arbeitet im Schichtbetrieb des Allgemeinen Krankenhauses in Hagen-Wehringhausen.

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