Kai-Uwe Brodersen veröffentlicht zweiten Krimi

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Der Kiosk Reinhardt, das als Vorbild für „Nobbes Büdchen“ dient, bekommt zum Jahreswechsel einen neuen Besitzer.

Werdohl - Es wäre eine reizvolle Meldung: Zum 1. Januar 2017 übernimmt Kai-Uwe Brodersen den Kiosk am Europa-Platz in Hagen-Vorhalle. Das wäre nur zur Hälfte geschwindelt: Denn tatsächlich bekommt der derzeitige „Kiosk Reinhardt“ zum Jahreswechsel einen neuen Betreiber.

Der wird aber nicht Kai-Uwe Brodersen heißen. In seinem fiktiven Vorhalle trägt der Kiosk den Namen „Nobbes Büdchen“. Sein Besitzer hört auf den Namen Jens Nobbe – Ich-Erzähler und Gelegenheitsprivatdetektiv in einem Ort, den man zwischen seinen vielen Verkehrsanbindungen suchen muss.

2015 brachte der „dead soft Verlag“ Kai Brodersens Krimiromanerstling „Pilsken & Pailletten“ auf den Markt. Sein Ich-Erzähler ist keine Dutzendware und blickt auf ein bewegtes Leben zurück: „In seiner Jugend war er als Travestiekünstler zugleich Revuegirl und Callboy, tourte im Schatten des Jet Set durch Europa und hatte eine großartige Saison in Las Vegas, bis Selbstüberschätzung und Drogenmissbrauch ihn zu Fall brachten. Eine Erbschaft ermöglicht ihm den Neuanfang in Hagen...“

In seinem ersten Krimi ließ Kai-Uwe Brodersen lustvoll einen Filialleiter der Sparkasse, die auch im echten Vorhalle direkt neben dem Kiosk liegt, auf Abwege geraten. Nobbe sei ihm beim Schreiben ans Herz gewachsen, teilte Brodersen mit. Deshalb blieb er seinem Ich-Erzähler treu, der sich so angenehm jenseits der ausgetretenen Pfade eines gutbürgerlichen Lebens bewegt. So ermittelt der Büdchenbesitzer auch im zweitem Krimi „Fummel & Flamme“, der im Herbst erschien.

Humor hat Jens Nobbe für drei Erzähler, was für den Leser eine sehr vergnügliche Lektüre mit sich bringt. Dass Brodersens Protagonisten um die Reize von Vertretern ihres eigenen Geschlechts wissen, trägt dazu einiges bei.

Die Ruhe für gepflegte Scherze währt allerdings nicht lange: In der Remise eines großzügigen Villenanwesens mitten in einem Industriegebiet hat sich Jens Nobbe privat neu eingerichtet – „eingeklemmt von der Ruhr im Süden, der Eisenbahn im Norden und gewaltigen Hochspannungsleitungen in der Höhe, also quasi unverkäuflich. Aber wunderschön!“

Nobbe nimmt zwei etwas zwielichtige Gestalten, also gute Freunde, zum Übernachten mit nach Hause. Doch der Schlaf dauert nicht lange. Einer der Kumpels schlägt Alarm: „Wach auf, Nobbe, hier stimmt was nicht.“ Denn das freundliche Licht des Vollmondes ist verschwunden: „Nun war es finster wie auf dem Kreisparteitag der CSU in Amberg-Sulzbach“, kommentiert der Erzähler.

Wer die Titelseite von „Fummel & Flamme“ gesehen hat, erwartet einen Lichtschein. Doch nun müssen die Männer zunächst durch den schwarzen Rauch des Feuers in den benachbarten Lagerhallen flüchten. Die folgende Begegnung mit den Rettungskräften ist ein wunderbares Beispiel für den formidablen Humor des Erzählers: „Dann sah ich das Licht. All die Berichte über Nahtoderfahrungen stimmten also! ...“

Nobbe hat nach dem Brand einen neuen Anlass für Ermittlungen, zumal er einen verdächtigen 15-Jährigen aus Tunesien nicht für den Täter hält. Und so kommt Kai Brodersens zweiter Krimi ähnlich gut in Gang wie sein Erstling. Werdohler, die den einstigen FDP-Fraktionsvorsitzenden als Vorleser seiner eigenen Krimis erleben möchten, sollten sich den 10. März freihalten. Dann liest Kai Brodersen in der Stadtbücherei aus „Fummel und Flamme“.

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