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Kraftwerk Elverlingsen: Käufer bislang glücklos

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Von: Volker Heyn

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Innenansicht Kraftwerk Elverlingsen
Das war das Herzstück des Kohlekraftwerks Elverlingsen: der Ofen, in dem die Kohle verbrannt wurde. Michael Heesemann von Enervie präsentierte das erkaltete Monster bei einer Betriebsführung im Sommer 2018. Projektentwickler und Industrieverwerter Christoph Sattler hat alle alten Kohle-Anlagen in Elverlingsen gekauft und wird versuchen, aus dem Verkauf von Maschinen und Anlagen Geld zu erwirtschaften. © Volker Heyn

Christoph Sattler, der das ehemalige Kohlekraftwerk der Mark-E samt Gelände in Elverlingsen erworben hat, steckt an zwei anderen früheren Kraftwerksstandorten in Schwierigkeiten. Der Industrieverwerter aus Senden-Bösensell hatte teils mit Partnern das stillgelegte Heizkraftwerk Wuppertal-Elberfeld und das ebenfalls außer Betrieb gestellte Kohlekraftwerk Veltheim in Porta Westfalica gekauft.

Werdohl/Wuppertal/Porta Westfalica – Aus seinen angekündigten Entwicklungsplänen für die beiden Standorte im Bergischen und in Ostwestfalen ist nichts geworden. Das Kraftwerk Veltheim hat Sattler wohl weiterverkauft. Besonders peinlich: Beim Rückbau und Abriss von Anlagen in Elberfeld und Veltheim war es zu teils zerstörerischen Bränden gekommen.

Geschäftspartner und andere, die beruflich mit ihm zu tun haben, beschreiben Sattler als einen durchaus seriösen und geerdeten Menschen. Auf Presseanfragen hingegen – wie auch jetzt durch diese Zeitung – reagiert Sattler mittlerweile nicht mehr. Einer, der ihn persönlich getroffen hatte und damals noch auf einen gesprächsbereiten Menschen traf, sagt heute: „Der Mann ist fast nicht mehr zu packen, der will sich nicht in die Karten gucken lassen. Er scheint in Schwierigkeiten zu stecken.“

Großbrand im Kraftwerk Veltheim

ProjektVeltheim: Das Gemeinschaftskraftwerk Veltheim war ein Kohle-Großkraftwerk in einem Stadtbezirk der ostwestfälischen Stadt Porta Westfalica. Die Anlage liegt am rechten Ufer der Weser, die zur Kühlung diente; die Anlieferung der Kohle erfolgte per Bahnanschluss und Straße. Parallelen zu Elverlingsen und der Lenne fallen ins Auge.

Das Kraftwerk Veltheim wurde 2015 stillgelegt und das gesamte Gelände im Februar 2018 nach zweijährigem Leerstand verkauft. So kam es in den Besitz der Entwicklungsgesellschaft GKW Veltheim, die Christoph Sattler gegründet hatte. Sattler wollte mit der Entwicklungsgesellschaft große Teile bis 2021 abreißen lassen.

Die Arbeiten unter seiner Federführung wurden allerdings 2019 von einem verheerenden Feuer überschattet. Die ehemalige Rauchgasentschwefelungs-Anlage brannte spektakulär nieder, darüber wurde landesweit berichtet.

Ob aus diesem oder einem anderen Grund: Sattler hat die Anlage vermutlich verkauft oder anderweitig weitergegeben: Jedenfalls war die international aufgestellte Ferraro Group aus Neukirchen im Februar 2020 beauftragt worden, das Großkraftwerk abzureißen. Das Unternehmen hatte es im Jahr 2021 auf Platz 12 der größten Abbruchunternehmen der Welt geschafft. „Die Arbeiten gestalten sich wegen des enormen Brandschadens aufwändig, da die Statik der Gebäudeteile in unklarem Zustand ist. Die Arbeiten dauern voraussichtlich 12 Monate. Insgesamt sind Tausende von Tonnen Stahlbeton abzureißen, zu zerkleinern und entsorgen. Das Auftragsvolumen liegt im mittleren zweistelligen Millionenbereich.“ Das meldete die Ferraro-Group bereits vor knapp drei Jahren. Auf aktuelle Nachfrage bei Ferraro hieß es, man könne dazu keinerlei Aussagen mehr machen. Passiert ist jedenfalls nichts: Das Kraftwerk Veltheim samt aller Schornsteine und mit sichtbarem Brandschaden steht immer noch.

Zweites Projekt Elberfeld: Aus Sattlers Plänen, aus dem ehemaligen Heizkraftwerk Wuppertal ein Areal namens „Westendepoint“ oder „W.Punkt“ zu machen, ist bislang nichts geworden. Gemeinsam mit seinem Geschäftspartner Walter Heck erwarb Christoph Sattler das stillgelegte Kraftwerk in zentraler Innenstadtlage mit eigenem Zugang zur Schwebebahnstation „Westende“. Nach Sattlers Plänen sollten auf dem Gelände in Elberfeld unter anderem Büros, ein Hotel und Veranstaltungsräume entstehen. Im April 2021 platzten aber die Pläne des Mannes aus Senden-Bösensell, das Heizkraftwerk anders zu entwickeln. Die Pläne seien mit den Schutzvorschriften der Störfallverordnung nicht vereinbar, hieß es seitens der Stadt Wuppertal. Das Bayer-Werk Elberfeld grenzt unmittelbar an die Fläche des ehemaligen Heizkraftwerkes.

Konkurrenz zum Bayer-Werk

Ein stark frequentierter Veranstaltungsort – wie von Sattler geplant – konnte mit der benachbarten Chemieproduktion von Bayer rechtlich nicht in Einklang gebracht werden. Die Seveso-III-Richtlinie regelt die Pflichten für betroffene Unternehmen zur Beherrschung der Gefahren schwerer Unfälle mit gefährlichen Stoffen und damit auch die Abstandsregelungen. Zudem war Bayer selbst an dem Gelände interessiert, das an Sattler verkauft wurde. So hatte zuletzt die Westdeutsche Zeitung berichtet.

Es kam noch schlimmer: Auch in Elberfeld kam es zu einem Brand während der Abrissarbeiten. Im Februar 2022 war das Feuer allerdings schnell gelöscht und die Schäden von nicht allzu großer Tragweite. 27 Handwerker, die beim Brand mit Rückbauarbeiten beschäftigt waren, konnten es unverletzt verlassen. Ein Vertreter der Eigentümergesellschaft gab gegenüber der Presse an, dass das Feuer bei Schweißarbeiten am Schacht entstanden war – trotz Brandwache und bereitgelegter Löschschläuche. Nur weil der Bauleiter so schnell reagiert habe, sei es zu keinen Verletzungen gekommen.

Die Rauchgasentschwefelung des ehemaligen Kohlekraftwerks Veltheim brannte lichterloh, als es noch im Besitz von Elverlingsen-Investor Christoph Sattler war und der es abzureißen versuchte. Die Anlagen in Porta Westfalica stehen noch heute.
Die Rauchgasentschwefelung des ehemaligen Kohlekraftwerks Veltheim brannte lichterloh, als es noch im Besitz von Elverlingsen-Investor Christoph Sattler war und der es abzureißen versuchte. Die Anlagen in Porta Westfalica stehen noch heute. © DPA

Auf der überhaupt nicht aktuellen Homepage wirbt die Sattler-Group noch blumig mit beiden Projekten unter dem Stichwort „Kompetenz“. Mit keinem Wort ist erwähnt, dass in Veltheim außer einem Großbrand nichts passierte und in Wuppertal alle großen Pläne platzten.

Neben Kraftwerkskäufen betreibt Sattler in Senden-Bösensell einen Betrieb samt Portal für Industrieversteigerungen und Auktionen. Seit 1991 hat er zehntausende Versteigerungen und Verwertungen aus den unterschiedlichen Branchen und in allen Größenordnungen durchgeführt. Sein größter Auftrag war die Versteigerung von Resten der insolventen Arcandor-Gruppe mit Karstadt und Quelle.

Am 24. November 2022 meldete die Enervie öffentlich, dass mit Sattler ein Projektentwickler gefunden sei, der sich „sowohl um den Rückbau des ehemaligen Kohlekraftwerksbereichs als auch um eine sinnvolle Neuentwicklung mit Konzeption, Erschließung, Vermarktung und Nutzung als Gewerbegebiet“ kümmern werde.

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